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Stadt setzt Obdachlosenhilfe vor die Tür: „Mission“ steht vor dem Aus

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Von: Steffen Maas

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Die Tagesaufenthaltsstätte „Die Mission“ ist Hamburgs einzige selbstverwaltete Obdachlosenhilfe. Sie steht vorm Aus. Weil der städtische Vermieter ihr gekündigt hat.

Hamburg – Bitteres Ende nach 25 Jahren: Die bekannte Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose, „Die Mission“, steht seit Ende September 2022 selbst ohne Dach über dem Kopf dar. Weil das Gebäude, in dem sich die „Mission“ befand, abgerissen wird, kündigte die Stadt dem Projekt den Mietvertrag, berichtet das Straßenmagazin Hinz&Kunzt. Damit endet das einzige von den Wohnungslosen selbstverwaltete Obdachlosenprojekt in Hamburg nach einem bewegten Vierteljahrhundert.

Der professionelle Provokateur, Aktionskünstler und Regisseur Christoph Schlingensief hatte die „Bahnhofsmission“ 1997 im Rahmen eines Kunstprojektes ins Leben gerufen.

Projektname:Die Mission
Gegründet:1997
Initiator:Christoph Schlingensief
Art:selbstverwaltete Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose

„Mission“ am Hauptbahnhof: Christoph Schlingensief wollte Kunst gegen Kälte etablieren

Seit Schlingensiefs Eröffnung der „Mission“ in einer geräumten Polizeiwache in St. Georg am Hamburger Hauptbahnhof hat das Projekt eine bewegte Zeit hinter sich. Die Vision des Künstlers war, aus der „Bahnhofsmission“ eine Begegnungsstätte für Arm und Reich zu machen und als Ausgangspunkt für „künstlerische Maßnahmen gegen Kälte“ zu fungieren. Auch, wenn der künstlerische Aspekt irgendwann an Bedeutung verlor, war die „Mission“ durch die Selbstverwaltung der Wohnungslosen ein gesellschaftliches Unikat und wichtige Anlaufstelle.

Obdachlosenunterkunft "Pik As" Hamburg Neustadt
Blick auf das Gebäude der Obdachlosenunterkunft „Pik As“, in dem bisher auch die „Mission“ untergebracht war. Jetzt wurde der „Mission“ der Mietvertrag gekündigt. © Markus Scholz/dpa

Nach vielen Umzügen und Beinahe-Schließungen ist es damit jedoch jetzt endgültig vorbei. Nachdem man 2007 in die Neustadt in das Gebäude in städtischer Hand gezogen ist, in dem auch die Übernachtungsstätte „Pik As“ untergebracht ist, wurde der Mietvertrag jetzt aufgrund von Abrissarbeiten gekündigt.

Doch während das „Pik As“ als Projekt des städtischen Sozialunternehmens „Fördern und Wohnen“ eine räumliche Alternative bereitgestellt wurde, bleibt die „Mission“ auf der Strecke. „Eine Katastrophe für die Wohnungslosen“, wie das „Missions“-Team gegenüber Hinz&Kunzt bedauert.

Ungereimtheiten bei Hilfe für die „Mission“: Bezirksamt weiß von nichts

Natürlich ist man über das Aus für die „Mission“ auch bei „Fördern und Wohnen“ nicht glücklich, heißt es im bekannten Straßenmagazin weiter: „Wir bedauern, dass die Kündigung im Zusammenhang mit den bevorstehenden Bauarbeiten unumgänglich war“, sagte F&W-Sprecherin Susanne Schwendtke demnach.

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Hinz&Kunzt berichtet allerdings von Ungereimtheiten bei den städtischen Anstrengungen, neue Räume für die „Mission“ zu finden: So soll „Fördern & Wohnen“ eigentlich über die Sozialbehörde einen Kontakt zum Bezirksamt Mitte hergestellt haben, um eine neue Bleibe für das Wohnungslosenprojekt zu finden. Doch dort, weiß man von nichts. Beim Mittelsmann, der Sozialbehörde, will man sich auf Anfrage des Stadtmagazins gar nicht erst äußern. Auf jeden Fall keine weitere Glanztat der rot-grün geführten Stadtverwaltung, der die Opposition bereits mehrfach vorwarf, Obdachlosigkeit eher zu verwalten als zu bekämpfen.

Regisseur Christoph Schlingensief Mission Bahnhofsmission Hamburg St. Georg
Ziemlich genau 25 Jahre ist es her: Regisseur Christoph Schlingensief steht am 13. Oktober 1997 vor der geräumten Polizeiwache in St. Georg. Es entwickelte sich Hamburgs einzige selbstverwaltete Obdachlosenhilfe – die nun vor dem Aus steht. (Archivfoto) © Kay Nietfeld/dpa

So endet jetzt nicht nur ein Mietvertrag, sondern womöglich eine bunte 25-jährige Historie. Wohnungslosen wird damit nicht nur ein weiterer öffentlicher Raum genommen, sondern auch ein kreativer Raum, in dem sie sich entfalten können oder selbstbestimmend wirken können. Und ganz Hamburg verliert ein einzigartiges soziales Projekt.

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