„Kopfschmerzen, Erschöpfung, Atemnot“

So viele Menschen leiden in Deutschland an Long Covid

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Über 3,5 Millionen Deutsche haben mittlerweile eine Corona-Infektion hinter sich. Etwa jeder Zehnte leidet unter Spätfolgen – sogenanntem Long Covid. So schlimm ist das.

Hamburg – Über 3,5 Millionen Menschen in Deutschland haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus* infiziert. Einige von ihnen haben einen schlimmen Krankheitsverlauf hinter sich, andere einen milden, wieder andere waren sogar symptomfrei. Aktuell sinken die Corona-Zahlen deutschlandweit, die dritte Welle scheint überstanden zu sein. Doch eine Zahl macht Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) Angst. Jeder zehnte Corona-Genesene leidet an Spätfolgen: sogenanntem Long Covid.

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Corona in Deutschland: Inzidenzen sinken – aber jeder zehnte Genesene leidet an Long Covid

Nach und nach werden in Deutschland die Corona-Regeln gelockert. Die sogenannte dritte Welle des Coronavirus scheint überstanden. Die Hansestadt Hamburg* kehrt nach monatelangem Knallhart-Lockdown langsam zur Normalität zurück. Kinder gehen wieder in die Schule. Gastronomie*, Geschäfte und sogar Fitnessstudios* sind wieder geöffnet. Für bestimmte Freizeitbeschäftigungen sind negative Tests Pflicht. Ausgenommen sind Menschen, die eine vollständige Impfung*, oder eine überstandene Infektion nachweisen können. Genesene haben also Vorteile.

Viele Menschen leiden in Deutschland unter den Folgen einer Corona-Infektion – sogenanntem Long-Covid.

Trotzdem lohnt es sich eher nicht, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Denn die Langzeitfolgen können schlimm sein. Auch in Deutschland leiden viele Menschen am sogenannten Long-Covid. Wie Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) der Deutschen-Presse Agentur mitteilte, leide etwa jeder zehnte Genesene unter den Spätfolgen der Corona-Infektion. Das seien im Bundesgebiet etwa 350.000 Menschen. Wegen der Schwere der Beeinträchtigungen durch Long-Covid sprechen Mediziner jetzt sogar von einer eigenständigen Krankheit. Sie nennen die Symptome: das Post-Covid-Syndrom (PCS).

Die Symptome von Long Covid halten Monate an und sind unabhängig vom Krankheitsverlauf

Wie beim Coronavirus selbst können auch die Symptome bei Long-Covid von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich sein. Zu den bekanntesten Symptomen zählen: Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Atemnot. Dazu kommen wie die Dpa berichtet über fünfzig weitere ganz „individuelle Symptome“. Dabei tritt Long-Covid nicht nur bei Patienten auf, die einen schweren Verlauf der Krankheit hinter sich haben, sondern auch bei Menschen mit milden oder keinen Symptomen. Diese Spätfolgen halten aktuellen Untersuchungen zu Folge auch länger als drei Monate nach der Infektion an.

Für umfassende Forschungen zu Long-Covid oder dem Post-Covid-Syndrom stellt das Bundesforschungsministerium laut Karliczek nun fünf Millionen Euro zu Verfügung. „Long-Covid wird für unser Gesundheitswesen enorme Folgen haben. Wir stehen in der Gesellschaft vor einer großen Herausforderung und auch vor einem ernstzunehmenden Kostenpunkt“, sagte Anja Karliczek weiter.

Droht Deutschland jetzt eine Welle von Long Covid und Post-Covid-Syndrom-Fällen?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) kürzlich vor Long-Covid gewarnt. „Die Zahl der Patienten mit chronischer Erschöpfung bis hin zur Suizidgefahr könnte sich durch Corona-Langzeitfolgen verdoppeln“, heißt es in dem Bericht. Professor Christoph Kleinschnitz, Direktor der Neurologie an der Uniklinik Essen und Leiter der Post-Covid-Ambulanz, machte im Interview mit der BILD hingegen deutlich: „Ich rechne nicht mit einer Long-Covid-Welle“.

Long-Covid wird für unser Gesundheitswesen enorme Folgen haben.

Anja Karliczek (CDU)

Demnach gebe es zwar Menschen, die an Spätfolgen ihrer Coronainfektion leiden, „ich glaube aber, dass 95 Prozent der Patienten keine Langzeitfolgen haben werden“, sagte Kleinschnitz. Seiner Ansicht nach seien Symptome auch auf „psychosomatische Ursachen“ zurückzuführen. Daher sei es wichtig, „statt Panik zu schüren“, Patienten „die richtigen Angebote wie Psychotherapie“ zu machen, machte er deutlich. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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