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So viel Kokain in Hamburg wie noch nie: Drohen Zustände wie in Amsterdam?

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Von: Anika Zuschke

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Nie zuvor kam mehr Koks nach Hamburg als im Jahr 2021. Das Geschäft boomt und die Täter zeigen sich gewaltbereit. Drohen in Hamburg gefährliche Zustände?

Hamburg – In Hamburg wurde im Jahr 2021 so viel Kokain sichergestellt wie noch nie. Zahlen des Zollfahndungsamtes zufolge konnten insgesamt über 18 Tonnen der Droge in der Hansestadt aus dem Verkehr gezogen werden. Im Vorjahr waren es noch acht Tonnen. Das Geschäft blüht und die Täter sind gewaltbereit – das zeigen auch tödliche Gewaltdelikte in Amsterdam. Die Sicherheitsbehörden geraten an ihre Grenzen. Droht Hamburg ein Zustand wie in der niederländischen Großstadt?

Betäubungsmittel:Kokain
Weltweite Anwendung:Rauschdroge mit hohem psychischen, aber keinem physischen Abhängigkeitspotenzial
Schmelzpunkt:98 °C
Molmasse:303,353 g/mol

Rekordmenge Kokain in Hamburg im Jahr 2021 – stehen gefährliche Zustände bevor?

Erst vor Kurzem wurden in Hamburg drei Männer mit dem Vorwurf verhaftet, an einem Kokain-Schmuggel von mehr als 1,5 Tonnen beteiligt gewesen zu sein. Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, sollen sie versucht haben, die Drogen aus Brasilien auf einer Yacht nach Europa zu bringen. Das Kokain war offenbar auch für den deutschen Markt vorgesehen. Im November diesen Jahres stellten Zöllner ebenfalls in Hamburg 360 Kilogramm Koks aus Peru sicher.

Doch diese Mengen sind nichts gegen den bisher größten in Europa aufgedeckten Kokain-Fund von Februar 2021: Mehr als 16 Tonnen der Droge wurden im Hamburger Hafen sichergestellt, das beläuft sich auf einen Wert von über zwei Milliarden Euro. Die Ware wurde in Blechdosen aus Paraguay eingeführt. In einem Interview mit 24hamburg.de äußerte sich René Matschke, Leiter der Hamburger Zoll-Behörde, zu dem unglaublichen Vorfall.

Zoll Hamburg investiert viel Zeit im Kampf gegen den Drogenhandel – App „Encrochat“ hilft

Insgesamt wird deutlich, dass die Stadt und der Zoll Hamburg aufgrund der hohen Mengen an importiertem Kokain viel Zeit in den Kampf gegen den Drogenhandel investieren müssen. Dabei profitieren sie genau wie die Polizei von Entschlüsselungen des Messenger-Dienstes „Encrochat“. Durch das Infiltrieren der App und in dem Zuge eine Sicherung auffälliger Chat-Daten ist in Hamburg bereits ein 24-Jähriger aufgeflogen – er hat über den Dealer-Nachrichtendienst Gras und Kokain im Millionenwert verkauft.

Gepresstes und hoch konzentriertes Kokain aus einem großen Kokainfund wird im Rahmen einer Pressekonferenz des Zoll Hamburg gezeigt.
In Hamburg wurde 2021 so viel Koks sichergestellt wie noch nie – drohen gefährliche Zustände wie in Amsterdam? © Christian Charisius/dpa

Auf Basis der Chat-Daten von „Encrochat“ wurden der Hamburger Morgenpost zufolge allein am Landgericht Hamburg insgesamt 123 Verfahren mit mehr als 200 Angeklagten eröffnet. „Ganz häufig geht es in diesen Prozessen um Kokain“, äußert Gerichtssprecher Kai Wantzen laut Mopo. Die meisten Angeklagten sitzen wegen akuter Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Gewaltbereite Täter des Drogenhandels: Geben Morde in Amsterdam Anlass zur Sorge?

Erkenntnissen des Zolls nach zeigen sich die Angeklagten besonders im europäischen Ausland durchaus gewaltbereit. Das stellt auch der Vorfall in Amsterdam im Juli 2021 unter Beweis: Dort wurde der niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries auf offener Straße erschossen – er agierte als Vertrauensperson eines Kronzeugen in einem Drogenprozess. Zuvor waren bereits der Anwalt und einer der Brüder des Kronzeugen ermordet worden.

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In den Niederlanden werden besonders viele Gewaltdelikte in Zusammenhang mit dem Drogenhandel gemeldet. Von solchen Zuständen ist man in Hamburg noch entfernt. „Wir versuchen unseren Beitrag zu leisten, dass wir in Deutschland solche Verhältnisse nicht haben“, äußert Zoll-Sprecher Stephan Meyns gegenüber der Mopo.

Trotzdem sei das Ziel von Zollfahndern nicht nur, die Lieferungen abzufangen, sondern auch die Strukturen der Täter zu zerschlagen. Daher intensiviere man den Kampf gegen den Drogenhandel weiter. Meyns versichert: „Die Ermittlungen laufen und dauern an. Es geht weiter.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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