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Hamburg: „Skrupellose Autofahrer“ lassen Fahrschüler durch die Prüfung rasseln

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Von: Bona Hyun

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In Hamburg fällt fast jeder zweite Fahrschüler durch die Führerschein-Prüfung. Fahrlehrer sind verzweifelt, denn es gibt gleich mehrere Probleme.

Hamburg – Mehr als die Hälfte der Fahrschüler in Hamburg besteht die Führerschein-Prüfung nicht. Sabine Darjus, Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Hamburg, führt es auf die Mentalität der Hamburger Autofahrer zurück. Sie seien oft „skrupellos“ und nehmen selbst in Prüfungssituationen keine Rücksicht auf die Fahrschüler. Durchgefallene Prüflinge warten dann wochenlang auf einen Wiederholungstermin. Vincenzo Lucà, Sprecher vom TÜV Süd, spricht dem Abendblatt zufolge von einer „angespannten Situation“, denn zusätzlich fehlt es an Fahrlehrer und Prüfungsterminen. Zwischendurch mussten Fahrschulen sogar Aufnahmestopps verhängen.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Höhe:3 Meter
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)

Führerschein-Prüfung in Hamburg: „Skrupellose Autofahrer“ verursachen gefährliche Situationen

Gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sollte das A und O sein. Doch viele Hamburger Autofahrer halten sich nicht daran. Laut Sabine Darjus werden die Autofahrer immer „skrupelloser“. Für viele Fahranfänger wird die Skrupellosigkeit der Hamburger Autofahrer zum Hindernis. Erst neulich habe sie in einer Führerschein-Prüfung miterlebt, wie ein Autofahrer den Prüfling plötzlich überholte, als er langsam in eine Straße hineinfuhr. Hätte er nicht rechtzeitig reagiert, sondern wäre weitergefahren, wäre er durchgefallen. Und das, obwohl der Autofahrer Schuld gehabt hätte.

junge Frau faehrt Auto Mann als Beifahrer haelt sich verzweifelt die Augen zu
Wer in Hamburg zur Führerschein-Prüfung muss, kann schnell durchfallen. (Symbolfoto) © Imago / blickwinkel

Auch im generellen Straßenverkehr kämen solche Manöver häufiger vor. „Anstatt des Fahrschulschildes könnte ich hinten am Auto genauso gut ein ,Bitte-überholen-Schild‘ anbringen“, entgegnete Darjus dem Abendblatt. Dabei wurde erst vor kurzem noch von mehr Sicherheit für Autofahrer gesprochen, weil sich Bedingungen für den Führerschein ändern. Dies solle dann vor allem für Fahranfänger gelten.

Führerschein-Prüfung in Hamburg mit hoher Durchfallquote

In keinem anderen Bundesland ist die Durchfallquote der Führerschein-Prüfung so hoch wie in Hamburg. Laut Informationen des Abendblatts seien im vergangenen Jahr fiel knapp die Hälfte aller Fahrschüler (49,1 Prozent) durch die Praxisprüfung gefallen. Vor zehn Jahren habe sie bei 44 Prozent gelegen. Sogar in Berlin würden weniger Fahrschüler durchfallen – dort liegt die Quote bei 42 Prozent.

Darjus zufolge seien die Autofahrer in Berlin auch viel gelassener und seien „Ortsunkundige“ gewöhnt, so die Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Hamburg gegenüber dem Abendblatt. Doch nicht nur Autofahrer können skrupellos sein – ein Prüfer aus ließ eine Fahrschülerin durchfallen wegen Radiergummi-Fitzeln im Wagen –der Fall ereignete sich allerdings im Vereinigten Königreich. Weitere Gründe für die hohe Durchfallquote seien die vielen Baustellen, die vergleichsweise schlechten Straßenzustände sowie undeutliche Markierungen und Verkehrszeichen. Verblichene und zugewachsene Schilder könnten die Orientierung erschweren.

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Führerschein in Hamburg: Kaum Fahrlehrer, lange Wartezeiten

Fallen Fahrschüler einmal durch die Führerschein-Prüfung, müssen sie mit wochenlangen Wartezeiten rechnen. Vor Corona hätten Fahrschüler zwei Wochen auf einen Wiederholungstermin warten müssen. Derzeit dauere dies dreimal so lange, weil die Anzahl der Termine begrenzt sind. Die praktischen Prüfungen bekommen die Fahrschulen Termine vom TÜV Hanse zugeteilt. Bei einer höheren Bewerberzahl werden die Prüfungstermine auf mehrere Wochen verteilt, so Sabine Darjus. In Extremfällen könnte sich die Ausbildung bis zu über einem Jahr in die Länge ziehen.

Zudem gibt es in Hamburg viel zu wenig Fahrlehrer. Einige Fahrschüler, die in Lockdown-Zeiten ihre Theoriestunden online absolvierten, müssten ebenfalls untergebracht werden. Nicole Neubauer von der Fahrschule Zimny in Bergedorf und ihre Kollegen sind komplett ausgelastet. Sie hätten nicht immer Kapazitäten, den Schülern genug Fahrstunden anzubieten. Weitere Fahrlehrer seien nicht zu bekommen, teilte Neubauer dem Abendblatt mit.

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