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Skandal bei der Hamburger Polizei: LKA-Beamte sollen Unschuldige bedroht haben

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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LKA-Beamte der Hamburger Polizei sollen Unschuldige verfolgt und genötigt haben. Gegen zwei hochrangige Mitglieder wurde Strafanzeige gestellt.

Hamburg – Diese Geschichte liest sich fast wie ein Krimi. Gegen zwei Führungskräfte des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg wurde Strafanzeige gestellt. Den Beamten Alexandra Klein und Mirko Streiber werden unter anderem Verleumdung und Verfolgung Unschuldiger vorgeworfen. Dazu kommen laut Mopo angeblich „geschönte Zahlen und Drohungen“. Insbesondere drehen sich die Vorwürfe um die Causa Steven Baack. Der ehemalige Chef der Hamburger Sonderkommission „Cold Cases“ wurde 2018 unrühmlich aus dem Amt entlassen. Aus Sicht von Ex-Staatsrat Walter Wellinghausen und Anwalt Gerhard Strate zu Unrecht. Was steckt dahinter?

Amt in Hamburg:Landeskriminalamt
Adresse:Bruno-Georges-Platz 1, 22297 Hamburg
Leiter:Mirko Streiber
Dachorganisation:Behörde für Inneres und Sport

Steven Baack stellt Strafanzeige gegen hochrangige LKA-Beamte Alexandra Klein und Mirko Streiber

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, hat Steven Baack selbst die Strafanzeige gegen Klein und Streiber gestellt. Dieser wurde 2018 entlassen, nachdem eine Richterin einen Angeklagten in einem Mordprozess wegen „verbotener Ermittlungsmethoden“ freigesprochen hatte. Das Interessante daran: die Anschuldigungen gegen Baack und sein Team der Soko konnten nie bestätigt werden. Vielmehr wurden sie, wie die Mopo berichtet, widerlegt.

Schwere Vorwürfe bei der Hamburger Polizei: Strafanzeige gegen zwei hochrangige LKA-Beamte. (24hamburg.de-Montage)

„Das Verfahren wurde nach Monaten der Prüfung natürlich eingestellt. Baack ist ein völlig integrer Ermittler. Ohne jeden Zweifel“, erklärte Baacks Anwalt Gerhard Strate im Interview mit der Mopo. Steven Baack wurde als Leiter der Soko „Cold Cases“ trotzdem abgesetzt, heute ist er nur noch Schutzpolizist.

Strafanzeige gegen LKA-Beamtin Alexandra Klein: Was steckt dahinter?

Die LKA-Beamten Alexandra Klein und Mirko Streiber waren, laut des Mopo-Berichts, Teil einer Arbeitsgruppe, die die Ermittlungsfehler in Baacks Mordfall im Nachgang untersuchen sollten. Alexandra Klein, die damals selbst die Fachaufsicht über die Soko hatte, soll Steven Baack in einem Gespräch mitgeteilt haben, dass er zwar nichts Verbotenes getan habe, aber trotzdem gehen müsse. Weil sie sich nicht mit der Staatsanwaltschaft anlegen wolle.

In dem Gespräch soll Alexandra Klein Baack auch das Angebot gemacht haben, freiwillig zurückzutreten. Als Ausgleich würde Baack binnen zwei Jahren eine Beförderung und mehr Geld bekommen, soll Klein angeboten haben. Andernfalls drohte sie mit Konsequenzen, heißt es. Steven Baack lehnte das Angebot ab. Am 15. November 2018 wurde er dann von seiner Funktion als Leiter der Soko entlassen, nur wenige Tage nach dem Gespräch mit Klein.

In den darauffolgenden Wochen sei laut des Berichts weiter nach Beweisen für Baacks Fehlverhalten bei den Mordermittlungen gesucht worden. Baacks Anwalt Strate spricht dabei vom „Summieren billiger Vorwürfe“. Entlastende Informationen sollen bei den Untersuchungen nicht berücksichtigt worden sein, schreibt die Mopo. Weitere Kollegen der Soko wurden demnach nie angehört.

Strafanzeige gegen den LKA-Beamten Mirko Streiber: Was steckt dahinter?

Mirko Streiber wird ebenfalls ein Fehlverhalten im Umgang mit der Causa Steven Baack vorgeworfen. Laut des Mopo-Berichts soll Streiber, der damals Leiter der Arbeitsgruppe Nachbereitung gewesen war, von entlastenden Informationen gewusst, diese aber absichtlich nicht weitergegeben haben. In einem Gespräch mit Baack und seinem Anwalt Strate soll Streiber zugegeben haben, das die Vorwürfe gegen Baack „zahnlos“ seien, heißt es.

Das habe Streiber auch der Staatsanwaltschaft mitteilen wollen – tat es aber nie. Anwalt Strate dazu im Gespräch mit der Mopo: „Herr Streiber saß genau neben Steven Baack. Zugegen waren auch zwei weitere Kriminalbeamte. Keiner der drei führte ein Protokoll, die ausführlichen entlastenden Darstellungen meines Mandanten wurden nicht erfasst. Weder schriftlich noch auf Tonband“.

Strafanzeige gegen LKA-Beamte Alexandra Klein und Mirko Streiber: Wie geht es weiter?

Alexandra Klein soll darüber hinaus vorgeworfen werden, die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik „geschönt“ zu haben. Wie die Mopo schreibt, habe sie einem Einbrecher 200 Delikte ankreiden wollen, obwohl sie wusste, dass er 120 davon gar nicht hätte begehen können. Den besagten Einbrecher hatte Klein medial als „Einbrecherkönig“ vorgestellt, obwohl ihm im Endeffekt nur 16 Einbrüche tatsächlich nachgewiesen werden konnten. Klein soll den Namen „Einbrecherkönig“ durch Drohungen durchgesetzt haben, schreibt die Mopo.

Die Strafanzeige gegen Alexandra Klein und Mirko Streiber läuft über die Staatsanwaltschaft und das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE). Auf Anfrage wollten sich die beiden LKA-Beamten nicht zu den Vorwürfen äußern. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, sollen sie die Anschuldigungen in Polizeikreisen aber als „völlig haltlos“ darstellen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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