Schreckschusspistolen und kleine Feuer

Silvester in Hamburg: Einsatz-Bilanz der Hamburger Böllernacht

  • Vivienne Goizet
    vonVivienne Goizet
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  • Natalie-Margaux Rahimi
    Natalie-Margaux Rahimi
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Das Corona-Silvester sollte ganz ruhig werden. Böllerverbot und Feuerwerksverbot galten. Doch es knallte. Auf Social Media regten sich viele über die gesetzlose Nichteinhaltung auf. Die offizielle Bilanz von Feuerwehr und Polizei.

  • Seit 16. Dezember 2020 gelten in Hamburg strenge Lockdown-Regelungen.
  • Für Silvester und Neujahr gibt es keine Ausnahmeregelung.
  • Außerdem sind in Hamburg sowohl der Verkauf- als auch das Abbrennen von Feuerwerk komplett verboten.
  • Das geschah tatsächlich in der Silvesternacht in Hamburg.

Update vom Freitag, 01. Januar 2020, 13.45 Uhr: Die offizielle Bilanz der Silvesternacht in Hamburg von Feuerwehr und Polizei fällt ruhig aus.

Bei der Feuerwehr Hamburg absolvierten 525 Beamte und Helfer der 86 Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet insgesamt 440 Einsätze während des Jahreswechsels. Es wurden insgesamt 89 Feuer in der Silvesternacht gemeldet. Davon waren 51 kleine Feuer wie etwas brennende Mülleimer oder Container. Dazu kommen 339 Einsätze rettungsdienstlicher Art und 12 technische Hilfeleistungen.

Das macht durchschnittlich 37 Einsätze pro Stunde. Trotzdem gab es laut Pressemeldung „nach derzeitigem Stand rund um den Jahreswechsel bislang keine nennenswerten oder erheblichen Notfalleinsätze im Zusammenhang mit der Verwendung von Silvester-Feuerwerk“. Zum Vergleich: Letztes Jahren waren es durchschnittlich 104 Einsätze pro Stunde.

Die Polizei Hamburg vermeldet zwischen 23.30 Uhr und 00.30 Uhr das vermehrte Abbrennen von Feuerwerk in der gesamten Stadt, doch dies schienen die Beamten als kleinere Delikte abzutun. Auch wenn die Straßen auf Reeperbahn und an den Landungsbrücken, wo sonst Menschenmassen das Feuerwerk über dem Hafen bestaunen, zunächst leer schienen, wurden diese später zu beliebten Örtlichkeiten mit bis zu 1000 Personen zu Spitzenzeiten. Kein Vergleich zu bisherigen Jahren.

In der Silvesternacht waren in Hamburg viel weniger Menschen unterwegs als letztes Jahr. Trotz des Verbots des Abbrennens von Böllern und Feuerwerk kam es mancherorts zu Raketenzündungen. (24hamburg.de-Montage)

Laut Pressemeldung der Polizei hielt man sich hier größtenteils an die Regeln und die Menschen gingen kurz nach Mitternacht schnell wieder. Besondere Vorkommnisse waren lediglich Personen, die ‒ teils auf der Straße und teils vom eigenen Balkon ‒ Böller warfen oder Schreckschusspistolen abfeuerten. Strafverfahren und Ordnungswidrigkeitsverfahren werden wegen dieser Verstöße eingeleitet. Ansonsten wurden Verstöße wegen Mitführens von Feuerwerk größtenteils nur geahndet und die Zündkörper sichergestellt. Die Polizei rückte insgesamt zu 1318 Einsätzen aus. Im letzten Jahr waren es 1353 Einsätze.

Kleinere Zusammenkünfte in Privatwohnungen löste die Polizei auf Hinweise von Nachbarn auf. Größere Corona-Partys waren wohl nicht dabei. Über das für ein Verbot doch recht intensive Feuerwerk und Geböller regten sich Bewohner vor allem in den Sozialen Medien auf.

Silvester: Hamburger empören sich über Feuerwerk und Böllerei

Update vom Freitag, 01. Januar 2020, 07.30 Uhr: Hamburg – Leise war es an Silvester ganz und gar nicht. In ganz Hamburg schossen trotz Abbrennverbot von Feuerwerk Raketen in die Höhe. Von der Nichteinhaltung des Böllerverbots sind viele Hamburger gar nicht begeistert und machen ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft.

Manche empfinden es als „Gleichgültigkeit gegenüber Kranken und Hinterbliebenen“ andere empfinden es als „Mittelfinger an jeden mitarbeitenden im medizinischen Bereich“. Ob die Meldungen ruhiger Gegenden sarkastisch gemeint sind oder nicht, lässt sich nur Vermuten.

Manche posteten Videos der Szenen. Auffällig ist vor allem der Lärm. Es wird in die Luft geschossen, was gerade zur Hand ist, darunter auch Signalfeuer von Rettungspistolen. Und: es wird auch auf allerlei kreative Art und Weise Lautstärke produziert inklusive Vuvuzelas, Töpfen und Pfannen.

Twitter-Nutzer Sam besteht darauf sich allerdings nicht empört zu haben. Fin Stempel hingeben fühlte sich beim Silvester in Hamburg sogar wie im Krieg. Ein Statement der Polizei Hamburg sowie des Senats zum missglückten Silvester-Böllerverbot in Hamburg wird gegen Nachmittag erwartet.

Silvester-Update für Hamburg: Feuerwerk- und Böllerverbot ist Hamburgern egal

Update vom Donnerstag, 31. Dezember 2020, 22.30 Uhr: Überall in Hamburg sieht und hört man bereits Silvesterfeuerwerk aufsteigen. Böllerverbot? Feuerwerkverbot? Pustekuchen! Die Hamburger halten sich nicht dran und ballern fröhlich schon vor Mitternacht.

Die Feuerwehr Hamburg ist laut ihrem Twitter-Account mit kleineren Feuern wie einer Rauchentwicklung in einem Keller in Sasel, rauchenden Balkon-Grills oder einem brennenden Elektroverteilerkasten beschäftigt.

Nach eigenen Angaben hat die Feuerwehr der Hansestadt 40 Prozent mehr Rettungswagen, acht zusätzliche Löschfahrzeuge und zwei weitere Drehleitern im Einsatz. In der Rettungsleitstelle, wo die Notrufe eingehen, ist die Zahl des Personals nahezu verdoppelt. Alle Arbeitsplätze sind besetzt. Sogar Innensenator Andy Grote schaute kurz vorbei.

Auch bei der Polizei Hamburg ist „in der Nacht der Nächte“ ein Großaufgebot im Einsatz. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher tweetete noch einmal zur Hauptsendezeit (20.15 Uhr) wie stolz er auf die tapferen Hamburger Helfe ist, die auch zum Jahreswechsel für die Menschen in der Elbmetropole im Dienst sind.

Tschentscher hat zudem Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Krankenhaus bei einer Art Silvesterrundgang besucht und sich persönlich bedankt. Währenddessen stehen die Einsatzkräfte vor leeren Plätzen, denn noch verläuft die Nacht ohne Krawalle.

Großaufgebot der Polizei Hamburg ist zum Jahreswechsel unter anderem am Jungfernstieg und nahe des Telemichel vertreten. (24hamburg.de-Montage)

Silvester in Hamburg: Nach Böllerverbot – auch Anstoßen auf der Straße regelwidrig

Update vom Donnerstag, 31. Dezember 2020, 13.23 Uhr: Nachdem der Senat nicht nur den Verkauf, sondern auch das Abfackeln von Feuerwerkskörpern der Klasse F2 und aufwärts verboten hat, untersagt er jetzt auch den legendären Prosecco oder Sekt bzw. Schaumwein mit den Nachbarn auf der Straße. Laut Angaben der Senatspressestelle, ist auf Hamburgs Straßen das mit Sekt anstoßen untersagt. Es gelte schließlich, nicht notwendige private Treffen zu vermeiden und Kontakte zu reduzieren, so eine Sprecherin gegenüber der dpa. Bundesweit gilt ein Ansammlungs- und Versammlungsverbot. Das bedeutet keine Grüppchenbildung ‒ auch nicht mit Mindestabstand.

  • Kategorie F1 : Kleinstfeuerwerk wie Knallererbsen, Partyknaller, Bodenwirbel, Tischfeuerwerk, Eisfontänen, Wunderkerze. Sehr geringe Gefahr. Schallpegel max. 120 dB. Frei zum Verkauf ab 12 Jahren.
  • Kategorie F2: Kleinfeuerwerk wie Raketen und Böller. Dürfen Ausschließlich im freien Verwendet werden. Frei zum Verkauf ab 18 Jahren und nur zu bestimmten Zeiten.
  • Kategorie F3: Mittelfeuerwerk wie Profifeuerwerkskörper. Kann nur von Privatpersonen mit Erlaubnis nach §7 oder §27 Sprengstoffgesetz erworben werden und von professionellen Pyrotechnikern. Mindestabstand 15 Meter.
  • Kategorie F4: Großfeuerwerk wie Zylinder- und Kugelbomben,große Raketen und Batterien. Stellen große Gefahr dar. Kann ausschließlich von fachkundige Personen erworben werden, die über 21 Jahre alt sind.
  • Kategorie S1: Pyrotechnische Sätze mit geringer Gefahr. Abgabe ganzjährig an Personen ab 18 Jahren.
  • Kategorie S2: Pyrotechnische Sätze mit großer Gefahre. Abgabe nur an Personen mit Fachkundenachweiß ab 21 Jahren.
  • Kategorie T1 und T2: Für technische Zwecke wie Bühnenshows, Filmaufnahmen und Simulationen. Abgabe wie S1 und S2.
  • Kategorie P1 und P2: Kann nicht der Rubrik Feuerwerk oder Pyrotechnik zugeordnet werden wie Anzünder. Abgabe wie S1 und S2.
  • MUN und PM1: Pyrotechnische Munition. Fällt unter das Waffengesetz und nicht unter das Sprengstoffgesetz.

Update vom Donnerstag, 31. Dezember 2020, 7.10 Uhr: Hamburg – Lange hatten die Böllerfans in Hamburg noch gehofft, jetzt ist es endgültig Gewissheit. Das Zünden von Pyrotechnik, ausgenommen Kategorie 1 Feuerwerk, bleibt in diesem Jahr in der Hansestadt komplett verboten. Das Oberverwaltungsgericht Hamburg gab der Politik am Mittwochnachmittag auch in zweiter Instanz recht. Bis dahin hatten Pyrofans noch gehofft, dass das Abbrennen von Feuerwerk zumindest an einigen Orten der Stadt erlaubt werde. Jetzt aber bleibt es im kompletten Stadtgebiet verboten – auch im eigenen Garten.

Silvester in Hamburg: Böllerverbot und Corona-Lockdown – was ist erlaubt?

Erstmeldung vom Mittwoch, 30. Dezember 2020, 13.15 Uhr:

Hamburg – Am 16. Dezember wurden die Corona-Maßnahmen in Deutschland noch einmal verschärft. Auch Hamburg befindet sich seither im Corona-Lockdown. Die strengen Regeln werden ebenfalls an Silvester gelten. Eine Ausnahmeregelung wie über die Weihnachtsfeiertage existiert nicht. Verstöße gegen die Regeln sollen von der Hamburger Polizei rigoros geahndet werden.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Vorwahl:040
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Silvester in Corona-Zeiten: Feuerwerk und Böller in Hamburg in diesem Jahr tabu

In diesem Jahr wird es zum Jahreswechsel vermutlich ziemlich still in der Hansestadt Hamburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am 13. Dezember mit den Länderchefs beschlossen, dass der Verkauf von Pyrotechnik in diesem Jahr deutschlandweit untersagt wird. Der Hamburger Senat hat dann noch einmal nachgelegt und mit der Eindämmungs-Verordnung vom 16. Dezember auch das Abbrennen von Feuerwerk in der gesamten Stadt verboten.

Die Hamburger Polizei wird an Silvester die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren. (24hamburg.de-Montage)

Ausgenommen von dem Verbot ist lediglich Feuerwerk der Kategorie F1. Darunter fallen Tischfeuerwerk, Wunderkerzen und Kleinstfeuerwerk wie Brummkreisel, Knatterbälle und Minifontänen. Nach Bekanntwerden der Verbote gab es mehrere Klagen. In Niedersachsen wurde das Verbot vom Oberverwaltungsgericht wieder gekippt.

In Hamburg hatten die Eilantragsteller nicht so viel Erfolg. In erster Instanz wurde der Beschluss des Hamburger Senats bestätigt. Einer der Kläger hat allerdings bereits Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingereicht. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus. Auch gegen das bundesweite Verkaufsverbot wurde geklagt. Doch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gab der Politik recht. Trotzdem sollten jetzt keine Böller im Internet gekauft werden, denn beispielsweise auf Ebay sind schon viele Abzocker unterwegs.

Corona-Regeln an Silvester: Keine Ausnahme bei privaten Zusammenkünften

An Silvester gelten in Hamburg keine Sonderregeln. Daher dürfen auch nur fünf Personen aus maximal zwei Haushalten zu privaten Treffen zusammenkommen. Auch für enge Familienangehörige gibt es keine Ausnahme. Kinder unter 14 Jahren zählen dabei nicht. Das bedeutet: Die Silvesterparty muss in diesem Jahr ausfallen. Die Regel gilt bis mindestens 10. Januar 2021.

Sollten Familienangehörige über Silvester zu Besuch kommen, können diese nicht wie über Weihnachten in einem Hotel einquartiert werden. Auch diese Sonderregel gilt zum Jahreswechsel nicht. Restaurants bleiben ebenfalls weiter geschlossen. Speisen und Getränke können jedoch auch an Silvester zum Verzehr zu Hause aus der Gastronomie abgeholt werden. Aber: Der Verkauf von verzehrfertigen alkoholischen Getränken und Glühwein To Go ist bis zum 10. Januar 2021 untersagt.

Corona-Regeln in Hamburg: Die Polizei wird die Einhaltung der Regeln kontrollieren

Die Hamburger Polizei wird an Silvester im Großeinsatz sein. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer kündigte an, dass jeder verfügbare Streifenwagen im Einsatz und auch die Bereitschaftspolizei auf den Straßen unterwegs sein werde. Die Polizei will die Einhaltung der Regeln nicht nur an öffentlichen Plätzen kontrollieren, sondern es wird „in diesem Jahr so sein, dass wir in den Stadtteilen unterwegs sind“, so der Polizeipräsident.

Auch das An- und Versammlungsverbot wird die Polizei kontrollieren. Denn: Auch wenn sich an die Abstandsregeln gehalten wird, ist das Zusammenkommen an öffentlichen Plätzen an Silvester und dem Neujahrs-Tag untersagt. Das geltende Alkoholverbot in der Öffentlichkeit wird ebenfalls von den Beamten überprüft.

Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln?

Welche Strafen bei Verstößen gegen die geltenden Corona-Regeln drohen, hat der Hamburger Senat in einem Bußgeldkatalog zusammengefasst. Folgende Strafen sind an Silvester für jeden Beteiligten zu erwarten:

  • Verstoß gegen die Kontaktbeschränkung: 150 bis 500 Euro
  • Verstoß gegen das An- und Versammlungsverbot: 150 Euro
  • Der Verzehr von alkoholischen Getränken in der Öffentlichkeit: 150 Euro
  • Das Abbrennen von Feuerwerk und Böllern: 150 Euro
  • Die Herausgabe von verzehrfertigen alkoholischen Getränken (für Gastronomen): 500 bis 1000 Euro

Auch in anderen Bundesländern müssen Böllersünder mit einem Bußgeld rechnen. Hier finden Sie eine Regelübersicht und wie hoch die Strafen in den einzelnen Ländern sind. Über die Regeln in Niedersachsen berichtet auch kreiszeitung.de.

Corona-Silvester in Hamburg: Aber was ist denn jetzt erlaubt?

Dinner for one – im wahrsten Sinne, Wunderkerzen und Knallerbsen, das Anstoßen um Mitternacht und Berliner futtern. All das wird auch in diesem Jahr stattfinden können. Nur eben in einem etwas kleineren Rahmen als sonst. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher wendete sich kurz vor Silvester noch einmal via Twitter zu Wort und bat alle Hamburger sich „auch wenn es schwerfällt“ zum Jahreswechsel an die Regeln zu halten.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer ist zuversichtlich und glaubt, dass 90 Prozent der Hamburger sich an die Regeln halten werden. „Zehn Prozent sind eben unbelehrbar und mit denen werden wir zu tun haben“, sagte er. Auch er wendete sich noch einmal an alle Hamburger und sagte: „Verstehen Sie uns nicht als Spielverderber, sondern lassen Sie uns für eine gesunde Zukunft gemeinsam verantwortungs- und respektvoll mit der Situation umgehen“. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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