Krawall in Hamburg

Alkoholverbot im Stadtpark: Tanz im Freien, aber bitte ohne Suff

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
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Im Stadtpark kam es am vergangenen Wochenende erneut zu Ausschreitungen. Der Senat zieht nun Konsequenzen und beschließt unter anderem ein striktes Alkoholverbot.

Hamburg – Tausende Jugendliche trafen sich am vergangenen Wochenende im Stadtpark. Es ist nicht das erste Mal, dass die Grünflächen des Hamburger Stadtparks zum Brennpunkt wurden. Delikte wie Körperverletzungen, Raubzüge oder Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz halten die Polizei bereits seit Wochen auf Trab.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Der Polizei zufolge trete das Partyvolk immer aggressiver und gewaltbereiter auf – auch die Polizeizahlen legen eine solche Beobachtung nahe. Nun greift auch die Politik durch. In ihrer Landespressekonferenz vom 29. Juni beschließt der Senat rund um Peter Tschentscher das Alkoholverbot im Stadtpark.

Krawall im Hamburger Stadtpark: „Je später der Abend, desto aggressiver wurde die Stimmung“

Was für einen Einfluss Alkoholkonsum auf Straftaten haben kann, bezeugten die Krawalle, die sich in den vergangenen Wochen in Hamburg zugetragen haben. So brachte das rücksichtslose Partyvolk etwa Chaos in die Schanze* oder nahm Hamburgs beschaulichen Stadtteil Winterhude auseinander*. Dass die aktuellen Ausschreitungen im Stadtpark auch stark mit Alkohol zusammenhängen, berichtet auch die Hamburger Landesregierung. „Die Stimmung wird aggressiver mit zunehmender Alkoholisierung“, gab etwa Innensenator Andy Grote zu Protokoll.

Die Feiernden, die sich zunächst friedlich im Hamburger Stadtpark trafen, hätten sich nach Einbruch der Dunkelheit wiederholt konfrontativ gezeigt und Stress mit den Beamten gesucht. „Je später der Abend wurde, desto aggressiver wurde die Stimmung“, nahm die Polizeisprecherin Nina Kaluza die Situation vor Ort wahr.

Es sei so, als hätte sich über Mitternacht das Publikum komplett ausgetauscht. Die Bilanz der Polizei belegt, dass die Corona-Party im Hamburger Stadtpark in der Nacht des 25. Junis erneut eskalierte*. „Es gab sechs Festnahmen, 22 Anzeigen und drei verletzte Kollegen“, stellt Kaluza fest.

Doch die Maßnahmen der Hamburger Polizei, die zur Auflösung der illegalen Partys mitunter übertriebene Methoden zurate ziehen*, scheinen auch weiterhin wirkungslos zu sein. Bereits am folgenden Samstag musste die Polizei dementsprechend zehn Festnahmen verbuchen. 40 Anzeigen und zwei verletzte Polizisten machen klar, dass nun auch der Hamburger Senat einschreiten muss.

Auch am vergangenen Wochenende kam es im Hamburger Stadtpark zu Ausschreitungen. Nun zieht der Senat Konsequenzen.

Hamburger Senat verhängt im Stadtpark striktes Alkoholverbot

Bereits vor wenigen Wochen waren sich viele Politiker im Senat einig: Das Alkoholverbot müssen in Hamburg aufgrund der Corona-Partys ausgeweitet werden*. Nun ist es beschlossene Sache. Wie der Senat in seiner Pressekonferenz am 29. Juni bekannt gab, greift Hamburgs Politik nun zu härteren Maßnahmen und verbietet freitags und samstags ab 21 Uhr jeglichen Alkoholkonsum. Konkret: „Der Konsum und das Mitführen von Alkohol ist in diesen Zeiten untersagt“, gab Bürgermeister Tschentscher zu verstehen.

Dass sich die Situation in anderen Brennpunkten mit einem Alkoholverbot beruhigen konnte, zeigten bereits die Maßnahmen im Schanzenviertel. „In anderen Bereichen, wie der Schanze, hat es sich ja bereits gezeigt, dass man bei einer soliden Rechtsgrundlage zum Einschreiten auch eine solche Entwicklung unterbinden oder präventiv verhindern kann“, so Thomas Jungfer.

Hamburger Landesregierung ermöglicht „Tanzveranstaltungen unter freien Himmel“

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft fordert hingegen weitere Konsequenzen. Ihm zufolge brauche es Anlaufstationen, wo sich die Jugendlichen auch in Zeiten der Corona-Pandemie ausleben könnten. Man könne also „nicht wirklich überrascht sein, wenn öffentliche Bereiche sich zu einem Brennpunkt entwickeln“. Zu diesem Entschluss ist offensichtlich auch die Landesregierung Hamburg gekommen, die ab dem 2. Juli „Tanzveranstaltungen unter freien Himmel“ ermöglicht.

Auch der Hamburger Stadtpark könnte sich dafür eignen. Zumindest im „Randbereich“ des Parks sei dies möglich, stellte Grote fest. Schon bald könnten sich hier bis zu 250 Menschen unter festgelegten Corona-Auflagen treffen. Es könnte als eine Alternative für die in Hamburg weiterhin geschlossenen Clubs, die in Schleswig-Holstein nun vereinzelt öffnen*, in Betracht gezogen werden. Doch, ob die Heranwachsenden diese Idee als eine ernsthafte Alternative annehmen, ist mehr als fraglich.

Eine Eintrittskarte und ein negativer Corona-Schnelltest könnten Jugendlichen Zutritt zum neuen Angebot der Landesregierung gewähren. Welche weiteren Corona-Auflagen das Konzept bereithalten könnte, ist aktuell noch unklar –, doch eins ist sicher: Auch hier wird ein striktes Alkoholverbot herrschen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Hanno Bode

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