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Kanus und SUPs zerstören die Alster – Pflanzenwelt „massiv im Rückgang“

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Von: Christian Einfeldt

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Das Chaos auf der Alster fordert Konsequenzen. Hamburgs Vegetation steht durch Kanus und SUPs unter starker Belastung. Schwanenvater Nieß warnt.

Hamburg – Ob man Kanu-Fahren oder im Schlauchboot einfach nur die Sonnenstrahlen genießen will: Wenn in der Hansestadt erst einmal gutes Sommerwetter ist, verlegen nicht wenige Hamburger ihre Freizeitaktivitäten aufs Wasser. Erfahrungsgemäß wird dann die Binnen- und Außenalster zur Anlaufstelle, doch auch die vielen Kanäle Hamburgs werden aufgesucht. Die Konsequenz: Die Umwelt ist in Gefahr. „Leider sehen wir zur Zeit, dass die Schilfpflanzen in den Gewässern, um deren Erhalt und Wachstum wir uns seit 30 Jahren kümmern, massiv im Rückgang sind“, sagte Olaf Nieß. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) warnt der Schwanenvater – in der Hoffnung auf einen rücksichtsvollen Umgang, der Hamburgs Natur auf der Alster zukünftig schont.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Alster in Hamburg: Schwanenvater fürchtet Rückgang der Pflanzenvielfalt

In Hamburg ist Olaf Nieß als sogenannter Schwanenvater bekannt – eine kuriose Bezeichnung, doch es wird noch skurriler, wenn man erfährt, dass sein Job auf Hamburgs wohl ältestes Amt zurückgeht. Nach Informationen der Stadt gibt es die Zentralstelle des Schwanenwesens bereits seit dem Jahr 1674. Dass nur in Hamburg ein solches Amt gibt, kommt nicht von ungefähr, gelten doch vor allem die Alsterschwäne als Aushängeschild. Zufolge einer hamburgischen Legende sollen sie gar Ausdruck der Freiheit und des Reichtums der Hansestadt sein.

Im Amt des Schwanenvaters kümmert sich Nieß um verletzte Tiere. In aller Regelmäßigkeit prüft er zusätzlich deren Lebensraum. Prognosen, die zuletzt durch den längst angestoßenen Klimawandel besorgniserregend erscheinen, warnten zuletzt vor weiter zunehmenden Wetterextremen in Hamburg. Im Worst-Case-Szenario könnten Wassermassen Hamburg-Finkenwerder bereits in 80 Jahren verschwinden lassen. Das Erreichen von klimapolitischen Zielen wird in Zeiten des fortgeschrittenen Klimawandels immer wichtiger. Hinzu kommen weitere menschengemachte Verschuldungen, die die Natur belasten. Nieß beobachtet besorgniserregende Beeinträchtigungen der Hamburger Vegetation in Bereichen der Böschung.

Freizeitsportler bei bestem Wetter auf der Alster in Hamburg
Die Außenalster bei sommerlichen Temperaturen. Kanus, SUPs und Segelboote teilen sich den knappen Platz. © Georg Wendt / dpa

Chaos auf der Alster: Kein Verbot, doch Menschen sollten „Verhalten entsprechend anpassen“

In Vergangenheit kam es bereits öfters zum Chaos auf der Alster – auch hier waren es Paddler, Ruderer und Tretbootfahrer, die Freizeitspaß auf dem Wasser gesucht hatten. Die Politik weiß um das Problem. Ein Konzept, das etwas an der Situation ändern soll, wird spätestens 2024 erwartet. Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der SPD, Martina Koeppen, forderte zuletzt gegenüber dem NDR eine „städtebauliche Situation, die Nutzerinteressen und ökologischen Aspekte gleichermaßen berücksichtigt und miteinander verbindet“.

Die vielen politischen Debatten in der Hansestadt Hamburg scheinen, wenn überhaupt, nur einen unwesentlichen Einfluss auf das Treiben auf der Alster zu haben. Zahlreiche Bürgerschaftssitzungen und Polizeieinsätze auf der Alster später sieht Schwanenvater Olaf Nieß in Hamburgs Gewässern noch immer viele Kanus, Stand up Paddling-Boards (SUP-Boards) oder Schlauchboote. Inwiefern es der Umwelt schadet, zeichnet sich jetzt immer mehr ab. Nicht nur die Böschungsbereiche, sondern auch die anliegenden Bäume sind mittlerweile beschädigt – durch die Vielzahl an Booten, die bereits an den Bäumen befestigt wurden.

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Nieß ruft Hamburger dazu auf, in ihrer Freizeitbeschäftigung auf der Alster mehr Rücksicht zu nehmen – für ein striktes Verbot aller Aktivitäten spricht er sich jedoch keineswegs aus. „Die Gewässer sind dafür da, dass man sie nutzt“, sagt Nieß. „Die Menschen sollen aber bei ihren Handlungen immer daran denken, dass ihr Handeln gravierende Auswirkung auf die Natur und die Umwelt haben kann“, heißt es weiter. Letzten Endes würde es also darum gehen, das Verhalten zu überdenken, das eigene „Verhalten entsprechend anpassen“.

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