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„Schulen sind kein sicherer Ort“ : Inzidenz in Hamburg unter Kindern am höchsten

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Die Jüngsten sind am meisten betroffen. Die Corona-Inzidenzen bei Schülern sind im Vergleich aller Altersgruppen am höchsten. Was ist der Auslöser dafür?

Hamburg – Das Coronavirus macht keine Unterschiede. Egal, ob weiß oder schwarz. Mann oder Frau. Dick oder dünn. Arm oder reich. Alt oder jung. Zwar leiden ältere oder bereits kranke Menschen oft heftiger an der Krankheit, besonders ansteckungsgefährdet sind allerdings die Jungen. Dafür sprechen die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen, die auch in Hamburg durch die Decke gehen. Woran liegt das?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,841 Millionen
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Schule als Corona-Hotspot: Wo lauern die Gefahren? Behörden und Mediziner uneinig

Der Inzidenzwert in der Altersgruppe von sechs bis 14 Jahren liegt in Hamburg bei 467,78. Im Vergleich mit allen anderen Altersgruppen liegen die Kinder und jungen Schüler damit weit vorn. Den Grund dafür vermuten verschiedene Beteiligte an verschiedenen Orten. Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, betonte nun gegenüber der Mopo, dass die Hamburger Lehrergewerkschaften die Gefahr nicht in der Schule sehen - für Corona-Maßnahmen bekamen Lehrer bereits Drohungen. Sie pochen weiterhin auf die Präsenzpflicht und befürchten zu hohe Bildungslücken bei Schülern, sollte diese erneut ausgesetzt werden.

„Es gibt keine Hinweise auf Infektionen innerhalb der Schulen“, so Albrecht. Die höchste Ansteckungsgefahr bestünde im Haushalt. Die Schulen hätten mit genügend Sicherheitsmaßnahmen vorgesorgt. „Wir setzen daher weiterhin darauf, diese sehr hohen Sicherheitsstandards beizubehalten und gleichzeitig den Anteil der geimpften Schülerinnen und Schüler sukzessive zu erhöhen.“

Schüler in einem Klassenzimmer, im weißen Kreis ein Handy mit Hamburger Inzidenzzahlen
Die Inzidenzzahlen an Hamburgs Schulen steigen. Bei Schülern gibt es die meisten Infektionen. (24hamburg.de-montage) © IMAGO Images/Rüdiger Wölk & IMAGO Images/Westend61

Fakt ist jedoch, dass sich diese Sicherheitsstandards von Schule zu Schule unterschieden und teilweise aus Elternsicht zu wünschen übrig lassen. An der katholischen Grundschule Katharina von Siena in Hamburg-Langenhorn gilt zum Beispiel keine Masken- oder Testpflicht in den Vorschulklassen. Von dort breiten sich die Infektionen aus. Mittlerweile sind 26 von 367 Schülern der Schule betroffen. Eine besorgte Mutter betonte gegenüber der Mopo aber: „Die Schule kann nichts dafür. Die tut alles, um die Kinder zu schützen. Die Politik muss jetzt weitere Maßnahmen ergreifen.“

Corona Hamburg: Impfung für Kinder ab fünf Jahren – Mediziner hält es für sinnvoll

Impfmöglichkeiten gibt es erst für Schüler ab einem Alter von zwölf Jahren. Kindermediziner Robin Kobbe vom UKE sieht darin ein Problem. „Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, Kinder ab fünf Jahren zu impfen. Deshalb hoffe ich auf eine baldige Zulassung und Empfehlung der Stiko.“ Er rechnet nämlich mit Ausbrüchen wie an der Langenhorner Grundschule auch anderswo und ist sich sicher, dass die Inzidenzen unter ungeimpften Kindern und Jugendlichen steigen werden.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, Kinder ab fünf Jahren zu impfen. Deshalb hoffe ich auf eine baldige Zulassung und Empfehlung der Stiko

Kindermediziner Robin Knobbe vom UKE

In Hamburg sind aktuell etwa 50,8 Prozent aller 12- bis 17-Jährigen geimpft. Auch an Schulen gab es Impfkampagnen, die Schulminister Ties Rabe (SPD) begrüßte. Er appelliert auch an Erwachsene, sich zum Schutz der Kinder impfen zu lassen und fordert eine Impfpflicht für Berufsgruppen wie Erzieher.

Aktuelle Zahlen: So viele Schüler leiden an Corona – 18 Schulklassen in Quarantäne

Die aktuellen Zahlen sind erschreckend: Laut der Hamburger Schulbehörde sind innerhalb von zehn Tagen knapp 600 Betroffene an 207 stattlichen und privaten Schulen mit dem Corona-Virus infiziert worden. 538 davon sich Schüler, was etwa 0,2 Prozent aller Schüler an den betroffenen Schulen sind, 56 sind Lehrer oder Mitarbeiter. 18 Klassen von insgesamt 14 Schulen sind derzeit in Quarantäne.

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Optionen für mehr Sicherheit scheint es aber kaum zu geben. Masken, Tests sowie die bereits viel diskutierten Luftfilter – gerade zu einer Jahreszeit, in der das Lüften wegen der Temperaturen schwierig wird – werden bereits eingesetzt. „Wir haben Sorge, unsere Kinder nächste Woche wieder zur Schule zu schicken, und fordern eine Aufhebung der Präsenzpflicht“, sagt eine betroffene Mutter aus Langenhorn in der MOPO. Die CDU in Hamburg stellte eine ähnliche Forderung, prallte damit aber an der Schulbehörde ab.

Tatsache ist, dass es keine richtige oder falsche Lösung gibt. Jugendmediziner Kobbe trifft den Nagel auf den Kopf: „Es ist nicht so, dass in Schulen keine Infektionen stattfinden. Sie sind kein sicherer Ort. Aber die Kinder zu Hause zu lassen, ist in Hinsicht auf ihre Bildung und sozialen Kontakte auch nicht ideal.“ Nun brauche man flexible Zwischenlösungen und Impfangebote für junge Kinder, besonders Kinder mit Vorerkrankungen. Nur so könne man weitere Ausbrüche des Corona-Virus bei Kindern und Jugendlichen vermeiden. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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