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Schock bei Köhlbrandtunnel-Projekt: Bau und Finanzierung plötzlich in Gefahr

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Von: Jan Knötzsch

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Die Köhlbrandbrücke soll aus Hamburg verschwinden. Nach ihrem Abriss soll der Verkehr dann durch den Köhlbrandtunnel fließen. Um dessen Bau gibt‘s jetzt Ärger.

Hamburg – Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So heißt es zumindest bei Hermann Hesse, einem der wohl größten deutschen Schriftsteller. Auch im Alltag wird dieser Spruch hier und da gerne einmal zitiert. Und: Er würde fraglos auch zu Bauprojekten passen, die in der Hansestadt Hamburg in Zukunft anstehen. Neue Bauten, neuer Glanz, neuer Zauber. Da wäre zum Beispiel der geplante Neubau, der neben dem bisherigen Hauptbahnhof entstehen soll, gegen den sich allerdings schon Widerstand regt: Denkmalschützer kritisieren die neuen Hauptbahnhof-Pläne.

Und dann wäre da die Köhlbrandbrücke, ein Wahrzeichen von Hamburg. Und ein Garant für fließenden Verkehr ganz dicht am Hamburger Hafen. Dass die Brücke irgendwann in Zukunft weg sein soll und stattdessen der Köhlbrandtunnel für den Verkehr gebaut werden soll, ist bekannt. Doch jetzt gibt‘s Probleme: Droht das Großprojekt an der Elbe jetzt sogar zu scheitern? Wohnt dem möglichen Anfang vielleicht doch gar kein Zauber inne – und wenn, dann nur ein fauler?

Brücke in Hamburg:Köhlbrandbrücke
Baubeginn:1970
Eröffnung:20. September 1974
Gesamtlänge:3.618 Meter

Köhlbrandtunnel soll Köhlbrandbrücke ablösen – weil sie die Stadt Hamburg zu viel Geld kostet

Die Pläne sind eigentlich ganz einfach: Die Köhlbrandbrücke soll, ihr markantes Erscheinen und der Status als eines der vielen Wahrzeichen Hamburgs hin oder her, verschwinden. Und zwar ab dem Jahr 2030. Für die Stadt Hamburg ist der Betrieb der Brücke schlicht und einfach nicht mehr lohnenswert. Der Unterhalt kostet die Stadt um ihren Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), der in Sachen Coronavirus-Pandemie gerade erst das Ende der Luca-App in Hamburg angedeutet hat, bis zu zwei Millionen Unterhalt pro Jahr. Geld, das die Stadt nicht übrig hat. Oder lieber anderweitig nutzen will.

Auf Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen fließt im Abendblicht der Verkehr. Daneben sind Kräne des Hamburger Hafens zu sehen.
Die Köhlbrandbrücke soll bald aus dem Hamburger Stadtbild verschwinden und durch den Köhlbrandtunnel ersetzt werden – doch dessen Finanzierung ist noch nichtmal gesichert. © Westend61/imago

Apropos Geld: Auch beim Hamburger SV ist die Kohle knapp, der Verein befindet sich in einer finanziellen Misslage. Aus diesem Grund fallen beim Klub aus dem Volksparkstadion die HSV-Transfergerüchte klein aus – aktuell ist allerdings gerade erst ein holländischer Stürmer in den HSV-Fokus geraten. Doch zurück zur Köhlbrandbrücke: Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Fahrzeuge, die täglich über die Brücke fahren, auf rund 40.000 steigen – keine guten Aussichten für das Bauwerk, denn auf so ein hohes Verkehrsaufkommen ist das Material der Brücke schlicht und einfach nicht ausgelegt.

Köhlbrandtunel statt Köhlbrandbrücke – so sieht der Zeitplan zum Verschwinden der Hamburger Sehenswürdigkeit aus

Was also tun? Na klar, die fixe Idee der Hamburger Politik: Wir bauen einen Tunnel! Den sieht man zwar keine imposante Köhlbrandbrücke mehr am Horizont, aber der Verkehr könnte trotzdem fließen. Und: Das Ding wäre dann ja neu – ergo: Material-Probleme wie bei der Köhlbrandbrücke – kein Thema! Zauberhaft! Ganz wie bei Hermann Hesse. Wenn, ja wenn da nur nicht diese sprichwörtlichen dunklen Wolken wären, die über dem geplanten Köhlbrandtunnel aufziehen. Denn auch wenn sich Bürgermeister Peter Tschentscher und der damalige Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Februar 2020 einigten, als Ersatz für die Köhlbrandbrücke den Köhlbrandtunnel aus der Taufe zu heben, knirscht es jetzt im Gebälk.

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Nein, nicht in dem der in die Jahre gekommenen Köhlbrandbrücke. Sondern bei einer der zentralen Fragen, wenn es um den künftigen Köhlbrandtunnel geht. Wie diese lautet? Nun, ganz einfach: Wer soll das bezahlen? Oder zumindest: Wer gibt wie viel Geld dazu? „Wir wollen den Neubau mit Bundesmitteln fördern“, hat der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im Februar 2020 laut Hamburger Abendblatt zugesagt. Nun berichtet das Abendblatt, dass es von Seiten der neuen Bundesregierung um Kanzler Olaf Scholz (SPD) aus Berlin jedoch noch keinerlei Finanzierungszusage für den Bau des Köhlbrandtunnels gibt, der laut Schätzungen 3,245 Milliarden Euro kosten wird.

Bislang keine Bundes-Finanzierung für neuen Köhlbrandtunnel sicher – Hamburger FDP attackiert den Senat der Hansestadt

„Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung zur Anbindung des Hamburger Hafens besteht weiterhin auch ein erhebliches Bundesinteresse an einer dauerhaft leistungsfähigen Köhlbrandquerung. Daher ist der Neubau der Köhlbrandquerung beabsichtigt – entsprechend der gemeinsamen Erklärung vom 13. Februar 2020“, heißt es vom Verkehrsministerium auf eine Anfrage des Abendblatts. Ob es eine Finanzierung seitens des Bundes geben wird, steht in den Sternen. Auch, weil sich – laut einer Sprecherin des Verkehrsministeriums – die Planungen „in einem frühen Stadium befinden.“ Zu früh, um zum jetzigen Zeitpunkt etwas Zielführenderes zu sagen. Fast schon logisch, dass bei so vielen Fragezeichen um den Bau des Köhlbrandtunnels Kritik am aktuellen Stauts quo wächst.

Hier ist Eile geboten. Eine verlässliche Köhlbrandquerung ist für die Hamburger Wirtschaft unverzichtbar.

Günter Bonz, Präsident des Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg

So rügt die Hamburger FDP den Hamburger Senat, er möge doch bitte endlich aus dem Quark kommen und mit den Plänen für den Bau des Köhlbrandtunnels fertig zu werden. „Ein Kollaps über dem Köhlbrand wäre eine Katastrophe für die Güterverkehre in Hamburg und damit für die Warenströme in der gesamten Bundesrepublik“, reitet der Hamburger FDP-Landesvorsitzende Michael Kruse verbal im Abendblatt eine deutliche Attacke auf Peter Tschentscher und den Senat. Und auch Günter Bonz, der Präsident des Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, pflichtet an gleicher Stelle bei: „Hier ist Eile geboten. Eine verlässliche Köhlbrandquerung ist für die Hamburger Wirtschaft unverzichtbar.“

Hamburger Senat glaubt an Beteiligung des Bundes an den Kosten – ab 2026 könnte mit dem Bau des Köhlbrandtunnels gestartet werden

Der Hamburger Senat sieht all die Diskussionen um Köhlbrandbrücke und Köhlbrandtunnel entspannt, geht laut des Abendblatts weiter von einer Beteiligung des Bundes an den Kosten aus und sieht sich im Plan: Alle Entwurfspläne sollen bis Ende 2024 abgeschlossen werden. Die anschließende Planfeststellung ist für 2025/2026 vorgesehen. Im besten Fall könnte also ab 2026 mit dem Bau begonnen werden. Bis zur Fertigstellung des neuen Köhlbrandtunnels wird also noch so manches Auto über die Kohlbrandbrücke fahren. Und wer weiß: Vielleicht sinniert dabei er eine oder andere Fahrer währenddessen auch über Hermann Hesses Worte von neuen Anfängen und ihrem Zauber ... * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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