Vermutlich 100 Arbeitsplätze betroffen

Schock bei Blohm+Voss! Massiver Stellenabbau und extreme Umstrukturierung drohen

  • Anika Zuschke
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Schock bei Blohm+Voss: Der Hamburger Werft droht ein massiver Stellenabbau durch den Bremer Mutterkonzern Lürssen. Was sind die Gründe für die Umstrukturierung?

Hamburg – Gegenüber den Hamburger Landungsbrücken erstreckt sich das riesige Werftgelände von Blohm+Voss. Mit ihrer Geschichte, die bis ins Jahr 1877 zurückreicht, gehören die Anlagen in das Stadtbild von Hamburg wie der Michel oder die Elbphilharmonie. Doch nun stehen der Hamburger Traditionswerft extreme Veränderungen bevor. Auf einer Belegschaftsversammlung am Donnerstag, 30. September erläuterte der Chef der Bremer Lürssen Werft, Peter Lürßen, seine neuen Pläne für das Tochterunternehmen Blohm+Voss: Dazu gehört ein massiver Stellenabbau.

Schiffswerft:Blohm+Voss
Gründung:5. April 1877 in Hamburg
Hauptsitz:Hamburg
Dachorganisationen:u. A.: Fr. Lürssen Werft

Die Hamburger Werft wurde am 5. April 1877 von Hermann Blohm und Ernst Voss – übrigens zwei „Quiddjes“ – gegründet. In den 1920er-Jahren beschäftigte das Schiffsbau-Unternehmen mehr als 10.000 Mitarbeiter. Von dem Bremer Mutterkonzern Lürssen wurde die Werft Ende 2017 übernommen – schon damals mussten von den derzeit etwa 900 Beschäftigten mehr als ein Drittel gehen.

Blohm+Voss: Hamburger Werft steht vor einer großen Umstrukturierung von Lürssen

Bei der Übernahme durch die Lürssen Werft wurde zwar keine Job-Garantie durch die Leitung ausgesprochen, aber Peter Lürßen war damals „zuversichtlich“, den neuen Standort „perspektivisch und im Interesse der Mitarbeiter auslasten“ zu können, berichtet BILD. Nun heißt es, der Reparatur-Bereich sei damals quasi schon pleite gewesen.

Bislang wurden in den Docks regelmäßig Spezialschiffe und Frachter für Wartungen sowie Reparaturen betreut, doch das Geschäft mit Handelsschiffen soll nun komplett aufgegeben werden. Außerdem wird die Neubau-Abteilung aufgelöst und das Geschäft mit Kreuzfahrtschiffen „nicht weiter aktiv verfolgt“, so Lürßen laut Hamburger Abendblatt. Zusätzlich wird geprüft, ob Blohm+Voss alle sechs schwimmenden Docks und Flächen in Hamburg noch benötigt. Die Traditionswerft hatte auch mit einem Coronavirus-Ausbruch bei Blohm+Voss zu kämpfen.

Peter Lürßen kündigt Umstrukturierung der Werft „Blohm+Voss“ an – extremer Stellenabbau droht. (24hamburg.de-Montage)

Peter Lürßen: „In der heutigen Form ist Blohm+Voss noch nicht zukunftsfähig“

Hintergrund für die geplante Umstrukturierung ist, dass die Werft laut Gesellschafter Lürßen nicht wettbewerbsfähig sei, berichtet NDR.de. Trotz der rund 20 Millionen Euro Investitionen in moderne Werfttechnik, der Untervermietung vieler Hallen und der Schrumpfung auf nur noch rund ein Drittel genutzter Werft-Fläche seien die Kosten noch zu hoch, heißt es BILD zufolge vom Lürssen-Chef.

„In der heutigen Form ist Blohm+Voss noch nicht zukunftsfähig. Der Standort ist im Vergleich mit anderen Werften zu teuer, darum sind strukturelle Maßnahmen und Kostenanpassungen erforderlich. Wir sind davon überzeugt, mit den eingeleiteten Maßnahmen ein zukunftsfähiges Konzept auf den Weg gebracht zu haben“, äußert Peter Lürßen gegenüber der BILD. Im Oktober ändert sich in Hamburg übrigens generell einiges.

Folge der Umstrukturierung von Blohm+Voss: Rund 100 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Die Folge daraus: Von den knapp 600 Beschäftigten müssen mutmaßlich ein Fünftel bis ein Sechstel Blohm+Voss verlassen. Informationen des Hamburger Abendblatts zufolge stehen rund 100 Arbeitsplätze auf der Kippe – das Unternehmen möchte sich dazu aber zunächst nicht äußern. Im Hamburger Hafen bei Blohm+Voss kam es dieses Jahr aufgrund eines Feuers übrigens schon zu einem Großeinsatz.

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In Zukunft soll die Werft sich auf den Neubau von Marineschiffen sowie auf den Umbau und die Wartung von Mega-Jachten konzentrieren. Über Details und den „Umsetzungsrahmen“ möchte Lürssen mit dem Betriebsrat von Blohm+Voss verhandeln.

IG Metall Hamburg wehrt sich gegen Stellenabbau bei Blohm+Voss durch Lürssen

Emanuel Glass von der IG Metall Hamburg kündigte bereits an, dass man den Stellenabbau nicht einfach hinnehmen werde, berichtet NDR.de. Im Vorhinein wurde bereits ein Zukunftstarif entworfen, der mehr als 500 Arbeitnehmern eine Beschäftigungssicherung für die kommenden 4,5 Jahre garantiert hätte.

Doch die IG-Metall-Mitglieder der Belegschaft hätten sich gegen diesen Vertrag mehrheitlich ausgesprochen, erzählt Lürßen laut Hamburger Abendblatt. Gefordert wurde im Gegenzug ein dauerhafter Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, wie BILD aus Werftkreisen erfuhr. Das hingegen lehnten die Bremer ab. Wie es mit Blohm+Voss nun weitergeht, ist noch offen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/AAP/Imago

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