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Schnelltest Rückruf: Chaos um Corona-Test für Kinder – Eltern-Ratgeber

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Von: Jakob Koch

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Das Corona-Desaster mit fehlerhaften Schnelltests in Hamburg sorgt in vielen Kitas und Schulen für Probleme. Was Eltern zum Genrui Rückruf wissen müssen.

Der Artikel erschien ursprünglich im Januar 2022.

Hamburg – Viele Eltern in Hamburg traf die Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht: Plötzlich sind an Hamburgs Kitas und Schulen millionenfach ausgegebene Corona Schnelltests für Kinder nicht mehr gültig. Rückruf! Falsch-positive Ergebnisse! Besonders empörend: Das Desaster mit Tests von Genrui ist schon seit Dezember bekannt. Schulsenator Ties Rabe reagierte öffentlich entsprechend angefressen und kocht vor Wut: „Die fehlerhaften Tests haben Kosten in Millionenhöhe verursacht und zahllose Schulgemeinschaften und Familien mit falschen Corona-Meldungen in Angst und Schrecken versetzt“, so der SPD-Politiker gegenüber der dpa.

Insgesamt hat Hamburg nach Angaben der Gesundheitsbehörde knapp 11,7 Millionen Tests des Herstellers beschafft. Besonders eine Zahl sorgt für viel Ärger: Hamburg erhielt rund 4,1 Millionen Schnelltests der fehlerhaften Charge. „Diese Produkte wurden schon zum größten Teil ausgeliefert oder verwendet. Restbestände sind noch im Lager“, heißt es dazu lediglich in einer Mitteilung der Stadt. Pikant: Der Genrui-Test sei unter anderem vom Paul-Ehrlich-Institut mit gut bewertet worden, begründete die Behörde die Wahl des Herstellers.

Stadt:Hamburg
Corona-Sieben-Tage-Inzidenz (25. Januar 2022):1999,4
Corona-Neuinfektionen (25. Januar 2022):6663 Fälle
Bestätigte Corona-Fälle (25. Januar 2022):219.515 Fälle

Genrui Rückruf: Diese Chargen des Corona-Antigen-Schnelltests an Schulen und Kitas in Hamburg sind betroffen

Nach Angaben der Schulbehörde waren an einzelnen Schulen von 20 Corona-Meldungen 19 mit dem Genrui-Schnelltest falsch-positiv. Das hatte massive Folgen für die betroffenen Schüler sowie deren Familien: So mussten die Kinder abgeholt, isoliert und PCR-Tests, die zukünftig bundesweit priorisiert werden sollen, gemacht werden. Ein riesiger Aufand. Erst nach einem negativen Testergebnis durften die Kinder zurück in die Schule oder eben in die Kita. Die nun zurückgerufenen Corona-Tests haben die Bezeichnung „Genrui SARS-CoV-2 Antigen-Test-Kits“ (Colloidal Gold) und sind an den Chargennummern 20211125 und 20211008 zu erkennen. Letztere wurde nach Hamburg geliefert. Anwender finden die Chargen-Nummer auf der Verpackung neben dem Barcode.

Was tun Eltern, die für ihre Kinder noch Genrui-Schnelltests zu Hause haben? Dann dürfen sie diese noch verwenden – aber natürlich nur, wenn sie nicht zu den betroffenen Chargen gehören. Allerdings ist das Image des Herstellers in der Stadt offenbar nicht das beste – denn die in der Vergangenheit nicht an Schulen genutzten Schnelltests wurden immer wieder auch an Polizei- und Feuerwehr-Personal weitergereicht – doch diese haben aufgrund schlechter Erfahrungen gern zu anderen Herstellern gegriffen, berichtet mopo.de. Die Zeitung zitiert CDU-Innenexperten Dennis Gladiator, der die Weiterreichung der Schulen an Polizei und Feuerwehren „inakzeptabel und verantwortungslos“ nennt.

Eine Packung Genrui SARS-CoV-2 Antigen Test Kit und eine Mutter mit ihrer Tochter und Coronatests
Corona: Hamburg hat knapp 11,7 Millionen Tests des Herstellers Genrui beschafft. (24hamburg.de-Montage) © Jakob Koch/Ute Grabowsky/imago

Genrui Antigen Test: Sensitivität und Spezifität angeblich gut

Die Qualität eines Corona-Tests ist an verschiedenen Werten abzulesen. Einerseits an der sogenannten Sensitivität: Diese gibt an, zu wie viel Prozent ein Corona-Test bei tatsächlich Infizierten die Krankheit auch erkennt. Andererseits an der sogenannten Spezifität, die wiederum angibt, zu wie viel Prozent ein Test tatsächlich Gesunde auch als gesund erkennt. Interessant: Bei dem nun umstrittenen Genrui Test hat das renommierte Paul-Ehrlich-Institut eine Spezifität von 100 Prozent nachgewiesen. Von der Stadt Hamburg heißt es dazu: „Im Rahmen des Vergabeverfahrens werden nur Angebote berücksichtigt, welche die hohen Mindest-Qualitätsanforderungen des Paul-Ehrlich-Instituts erfüllen und beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet sind. Unter denjenigen Angeboten, für welche diese hohen Qualitätsanforderungen erfüllt werden, wird unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit ausgewählt.“ Wo also lag der Fehler bei der Beschaffung? Unklar! Die Stadt kündigte bereits an, rechtliche Schritte prüfen zu wollen.

Corona Schnelltests: Was sind die Gründe für falsch-positive Ergebnisse?

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Herstellern von Corona-Schnelltests. Doch warum liefern einige immer wieder falsch-positive Ergebnisse? Konkret bedeutet ein falsch-positives Ergebnis: Es liegt gar keine Infektion vor, obwohl ein Schnelltest zuvor zwei Striche angezeigt hat. Erst durch einen weiteren PCR-Test wird in solchen Fällen das wirkliche Ergebnis nachgewiesen – bei den betroffenen Genrui-Tests war das in einigen Schulen in 19 von 20 Fällenso! Das Problem: Ein falsch-positiver Test führt dazu, dass betroffene Personen sich isolieren müssen. Viele Kinder und Personal an Schulen und Kitas sind davon betroffen. Als Gründe für die verzerrten Ergebnisse werden oftmals Anwendungsfehler beim Abstrich genannt – oder eben die Qualität des Tests.

Genrui Schnelltest offenbart Besonderheiten in der Anleitung

Viele Hamburger sind in der Anwendung von Corona-Schnelltests mittlerweile routiniert. Doch speziell beim Genrui-Schnelltest sind laut Anleitung einige Besonderheiten bei der Durchführung herauszulesen: Demnach müssen Anwender das Abstrichstäbchen etwas häufiger in der Pufferlösung hin und her drehen als bei vielen anderen Tests – beispielsweise dem in Hamburg vorher genutzten Lyher-Corona-Test. Auch muss das Probenröhrchen beim Genrui-Schnelltest nach dem Abstrich in der Nase besonders gut geschüttelt werden, außerdem müssen Genrui-Nutzer eine Minute warten, bevor das Sekret in das Testkit geträufelt wird.

Hersteller der Genrui Schnelltests hat auch im Ausland mit falsch-positiven Ergebnissen zu kämpfen

Verantwortlich für die Produktion der Genrui-Schnelltests ist das chinesischen Pharmaunternehmen Genrui Biotech, das nach eigenen Angaben 2004 gegründet wurde. Das Image ist aber mittlerweile nicht mehr das beste – nicht nur in Hamburg. So gab es auch in Irland und Spanien zahlreiche Beschwerden wegen zahlreicher falsch-positiver Ergebnisse. In den Ländern wurden die Genrui-Tests mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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