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Schluss mit der Abschlussprüfung: Die Linke will Schüler und Lehrer entlasten

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Von: Steffen Maas

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Die Hamburger Linken fordern vom Senat, die erste Abschlussprüfung nach Klasse 9 an den Stadtteilschulen erneut auszusetzen. Das hätte Vorteil für Schüler und Lehrer.

Hamburg – Neun Jahre Schule und dann nochmal wenige Wochen maximaler Stress: Für viele Schüler der Hamburger Stadtteilschulen geht es mit der Abschlussprüfung vor dem finalen Schritt Richtung Arbeitsleben oder anderer Schulform nochmal um alles. Weil im vergangenen Jahr durch Corona und Lernrückstände aber schon genug Stress herrschte, wurden die Prüfung zum sogenannten „Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss“ (ESA) in Hamburg schlicht ausgesetzt – für das Abschlusszeugnis wurden einfach die gesammelten Noten aus dem ganzen Schuljahr herangezogen. Geht es nach der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, soll das auch in diesem Jahr so sein – und dann am besten gleich für immer.

Name:Erster Allgemeinbildender Schulabschluss
Umgangssprachlich:Hauptschulabschluss
Erreicht nach:Klasse 9
Prüfungsleistung in Hamburg notwendig seit:2005

Hamburgische Bürgerschaft: Linke stellen Antrag auf Aussetzung der ESA-Prüfung

„Die Corona-Krise wirkt noch nach: Die Belastungen in den Schulen sind weiterhin hoch“, sagt Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ im Hamburger Parlament. „Gerade auch die negativen Auswirkungen für Schüler:innen sind enorm – dies gilt in psychisch-sozialer Hinsicht, aber auch bei ihren Lernleistungen.“ Um wieder „für eine gewisse Entspannung“ zu sorgen, beantragen Boeddinghaus und ihre Fraktion deshalb in der Bürgerschaftssitzung am Mittwoch, 16. November, dass die ESA-Prüfung auch im Schuljahr 2022/23 ausgesetzt wird.

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Kein stressiges Büffeln, kein aufwendiges Basteln von Prüfungsaufgaben, kein langwieriges Korrigieren, mehr Zeit fürs Aufholen der coronabedingten Lern-Rückstände: Die Maßnahme sollte eine Menge Vorteile für Schüler und Lehrpersonal der Stadtteilschulen der Hansestadt bringen und eigentlich keine Nachteile, „ein Gewinn für beide Seiten“, wie die Fraktion unterstreicht. Das dürfte nicht unattraktiv klingen für die Schulbehörde, die aktuell den Seiltanz zwischen Corona- und Energiestrategie wagt.

Schulprüfung Klassenzimmer Schüler Prüfung Abschluss
Geht es nach der Linksfraktion der Hamburgischen Bürgerschaft, soll es dieses Bild für Neuntklässler bald nicht mehr geben: die Abschlussprüfung für den Hauptschulabschluss. (Symbolbild) © Christoph Schmidt/dpa

Bildung in Hamburg: Schulabschluss wurde auch im vergangenen Jahr ohne Prüfung erteilt

Diese positiven Effekte konnte man bereits im vergangenen Jahr beobachten, als die Schulbehörde von Bildungssenator Ties Rabe (SPD) auf Anregung der Sprecherinnen und Sprecher der weiterführenden Schulen zum ersten Mal entschied, die Prüfung zum Hauptschulabschluss ausfallen zu lassen – „richtigerweise“, wie die Linksfraktion anmerkt.

Folgende Abschlüsse gibt es an Hamburger Schulen:

Am Ende des Jahres wurde den Schülerinnen und Schülern natürlich trotzdem ein Abschlusszeugnis ausgestellt und der erfolgreiche Schulabschluss attestiert. Dafür wurden schlicht die Jahresnote der für den Abschluss relevanten Fächer – zumeist Deutsch, Englisch und Mathematik – aus den erbrachten Unterrichtsleistungen des ganzen Schuljahres errechnet. Stehen die Schüler überall mindestens mit der ausreichenden Schulnote Vier da (oder können mangelhafte Leistungen an anderer Stelle ausgleichen), haben sie den ersten von drei möglichen Schulabschlüssen in der Hansestadt in der Tasche.

Bildungspolitik im Bund: Abschlussprüfung nach Klasse 9 kein Standard

Genau das ist auch die offizielle Position, die die Bildungsminister der ganzen Republik als gemeinsame Grundlage im Jahr 2020 ausgearbeitet haben. Von einer verpflichtenden Abschlussprüfung ist dort nämlich überhaupt nicht die Rede. Das bedeutet: Viele andere Bundesländer erwarten sowieso schon keine Prüfung von den Schülern, die den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss erreichen wollen.

Dementsprechend ergibt sich auch hier kein Nachteil für die Hamburger Schülerinnen und Schüler, wenn sie sich im nächsten Schritt bei einem Job oder einer anderen Schulform bewerben, ohne ein offizielles Prüfungs-Zeugnis vorlegen zu können – das ist für viele andere junge Menschen in Deutschland bereits Normalität. Das ist ein Grund, warum Sabine Boeddinghaus und ihre Linksfraktion den Senat auffordern würden, eine Aussetzung nicht nur für dieses Jahr zu veranlassen, sondern, ob die Prüfung für immer abgeschafft werden kann.

Entlastung „dringend geboten“ – aber geringe Erfolgschancen in Bürgerschaftssitzung

Die Erfolgsaussichten des Antrages, den die Linksfraktion in der Bürgerschaftssitzung am Mittwoch, 16. November, im Hamburger Rathaus zur Wahl stellen lässt, sind allerdings gering. Die Mehrheit bildenden Abgeordneten von SPD und Grünen werden sich kaum spontan auf die Seite der Linken schlagen. Denn die Entscheidung der rot-grünen Regierung im vergangenen Jahr, die ESA-Prüfung auszusetzen, war wahrscheinlich eher Notfall-Hilfe während der Pandemie, als überzeugte bildungspolitische Handlung.

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Doch genau diese Unterstützung fordern die Linken trotz gefühlt abgeschwächter Corona-Wahrnehmung auch in diesem Jahr: Steigende Infektionszahlen, Virusmutationen, das Risiko einer Winterwelle und unerforschte Spätfolgen und Lasten der Pandemie-Hochzeiten seien ein ständiger Druck. „Daher ist es dringend geboten, in den Schulen weiterhin so viel Entlastung wie möglich walten zu lassen“, findet Sabine Boeddinghaus. „Die Aussetzung der Prüfung zum ESA gehört, als einfache verwaltungstechnische Maßnahme, dazu.“

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