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Alster-Chaos in Hamburg: Erste Zahlen zu Straftaten machen Hoffnung

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Von: Steffen Maas

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Mit der Kampagne „Alster für alle“ wollten die Polizei Hamburg und der Senat für mehr Ordnung auf und neben dem Wasser sorgen. Das scheint gelungen zu sein.

Hamburg – Zu voll, zu rücksichtslos, zu übermütig: Weil Hobbysportler, Freizeitpaddler, Brückenspringer und Partymenschen in jüngster Vergangenheit in Scharen die Alster in Hamburg beanspruchten, wurde die innerstädtische Oase zum Chaos-Hotspot. Mit der großangelegten Info-Kampagne „#AlsterFürAlle“ wollten Polizei Hamburg und Hamburger Senat gegensteuern, sensibilisieren und für ein harmonischeres Zusammenleben auf und neben dem Wasser sorgen. Anscheinend mit Erfolg: Rund um die Alster stellten die Beamten in diesem Jahr bisher nur die Hälfte der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten fest.

Fluss:Alster
Nebenfluss von:Elbe
Länge:56 Kilometer
Städtischer Teil:Binnenalster, Außenalster, Alstersee

Alster für alle: Kampagne erreicht in den sozialen Netzwerken hunderttausende Menschen

Das geht aus einer Antwort des Senats auf die Anfrage der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hervor. Der Abgeordnete Eckard Graage hatte sich Anfang Oktober nach der Wirksamkeit der Kampagne erkundigt: „Gut investiertes Geld oder nur schicke Werbebotschaften?“ Seit Mitte Mai hatten die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und die Hamburger Polizei unter dem Hashtag „Alster für alle“ Informationsarbeit geleistet zu Verhaltensregeln auf dem Wasser und zum Schutz der Natur.

Nachdem die Bewerbung der Kampagne mit Ende der warmen Zeit zum 30. September 2022 eingestellt wurde, äußert sich die Umweltbehörde jetzt zufrieden: Sie bewertet die Auswirkungen der Kampagne als „grundsätzlich positiv“, heißt es in der Antwort des Senats auf die CDU-Anfrage. Neben der analogen Plakat-Kampagne hat man in den sozialen Medien durchaus Reichweite gemacht, wie ein Blick in die Statistik verrät:

Hamburger Senat und Polizei Hamburg freuen sich: Rückgang der Straftaten um mehr als die Hälfte

Viel entscheidender ist jedoch die Auswirkung der Informations-Offensive auf das tatsächliche Verhalten der Hamburger. Und an dieser Front berichtet die Polizei Hamburg von beachtlichen Zahlen:

20212022
Präventionsgespräche:14241098
Ordnungswidrigkeiten:4623
Straftaten:12254

Aufgeschlüsselt sind Ordnungswidrigkeiten und Straftaten noch nach den genauen Vergehen. So freuen sich besorgte Umweltfreunde sicherlich, dass die Gewässerverunreinigungen von vier Fällen auf null gesunken sind, dass Verstöße gegen das Fischereigesetz statt zwölf nur zwei Mal geahndet wurden und dass die Fahr- und Ausweichregeln 2021 noch 10 Mal missachtet wurden, während 2022 alle in ihrer Spur blieben. Der Löwenanteil der reduzierten Straftaten-Zahl geht allerdings auf Diebstähle und Sachbeschädigungen zurück: Dokumentierte die Polizei 2021 noch 118 Vergehen, waren es 2022 nur 47.

Statistik zur Kampagne „#AlsterFürAlle“: Nicht uneingeschränkt aussagekräftig

Wie bei allen Statistiken gilt auch hier, die Präsentation mit Vorsicht zu genießen. Zum einen betreffen die Zahlen für das Jahr 2022 offensichtlich nur den Zeitraum bis zum 10. Oktober, während dem die Gänze des Jahres 2021 gegenüberstehen. Darunter leidet die Vergleichbarkeit – auch, wenn aufgrund der geringeren Aktivität in den kühlen Monaten November und Dezember nicht mit explodierenden Zahlen für den Rest des Jahres 2022 zu rechnen ist, wie ein Sprecher der Polizei auch auf Rückfrage von 24hamburg.de bestätigt.

Enge auf der Hamburger Alster Kampagne AlsterFürAlle Hamburg
Wasserschutzpolizisten fahren mit einem Motorboot über den Mühlenkampkanal, auf dem viele mit Freizeitsportler unterwegs sind. An heißen Sommertagen wird es eng auf der Alster – vor allem in den Kanälen. Die Info-Kampagne „#AlsterFürAlle“ hat die Arbeit der Beamten erleichtert, heißt es jetzt in einer Zusammenfassung. © Jonas Walzberg/dpa

Zum anderen gilt auch in diesem Fall der Lieblingsspruch jedes Wissenschaftlers: Korrelation ist nicht Kausalität. Heißt für Nicht-Akademiker: Nur weil zwei Sachen gleichzeitig passieren – hier also die Durchführung der Kampagne sowie der Rückgang der Straftaten – bedeutet das nicht zwingend, dass der eine Vorgang den anderen ausgelöst oder beeinflusst hat. Möglich, dass andere Faktoren viel mehr Gewicht hatten: Eventuell hat das wechselhafte Wetter dazu geführt, dass sich generell weniger Menschen rund um die Alster aufgehalten haben.

Polizei Hamburg: Freude über Zahlen und Kenntnisse bei jungen Wassersportlern

Die Polizei Hamburg und die zuständige Abteilung der Wasserschutzpolizei freut sich so oder so über die rückläufigen Zahlen. Ziel der Kampagne sei es zudem gewesen, den Arbeitsaufwand der Beamten im Hinblick auf Hinweis- und Präventionsgespräche deutlich zu verringern – das sei nachweislich und tatsächlich passiert.

Nicht in Zahlen festgehalten, aber von der Polizei Hamburg ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis genommen, wurde die hohe Bekanntheit der Kampagne und der relevanten Informationen. „Insbesondere bei den jüngeren Wassersporttreibenden war die Kampagne bekannt und wurde gut angenommen“, heißt es im Senats-Bericht.

In der Summe betrachtet, hat die Kampagne die Präventionsarbeit der Mitarbeitenden der Wasserschutzpolizei erheblich verbessert. So konnte in Gesprächen mit Nutzern und Wassersporttreibenden festgestellt werden, dass eine erhöhte Kenntnis über die wichtigsten Verkehrsregeln auf der Alster zu verzeichnen war und die gegenseitige Rücksichtnahme zunahm.

Antwort des Hamburger Senats auf die CDU-Anfrage zur Kampagne „#AlsterFürAlle“

Da nicht nur auf dem Wasser, sondern auch die Beamten rund um das Gewässer „seltener aufgrund von Fehlverhalten einschreiten“ mussten, bewertet die Polizei die Kampagne insgesamt positiv. Nicht nur habe man sich, so ein Sprecher gegenüber 24hamburg.de, nicht nur über die „beeindruckende und sehr gute“ Zahl der Social-Media-Impressionen gefreut, viel mehr sei man „sehr zufrieden“ über den „erfreulichen“ Rückgang der Straftaten.

„#AlsterFürAlle“ im nächsten Jahr nochmal? Organisatoren und Sportler beratschlagen sich

Die Hoffnung ist sicherlich, dass sich der positive Trend weiter fortsetzt und das Chaos auf der Alster nachhaltig beseitigt ist. Dazu bastelt auch weiterhin die rot-grüne Verwaltung an einem langfristigen Konzept, das spätestens 2024 stehen soll. Ob und in welcher Form die Kampagne „#AlsterFürAlle“ fortgeführt wird, entscheiden BUKEA, Polizei Hamburg und die Wassersportvereine nach einer Evaluation frühestens im November in der Wassersportkommission des Hamburger Sportbundes und spätestens zum Saisonauftakt im Frühjahr 2023. Erst dann werde ein endgültiges Fazit über die Wirksamkeit und Wiederholbarkeit der Kampagne gezogen, berichtet der Polizeisprecher auf Anfrage.

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