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Rückschlag in der Gaskrise: LNG-Terminal kommt doch nicht nach Hamburg

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Die Pläne für das Flüssiggas-Terminal im Hamburger Hafen sind geplatzt. Das Projekt wäre zu teuer und zu kompliziert.

Hamburg – Eigentlich sollte Hamburg ein mobiles Flüssiggas-Terminal für den Hafen bekommen, mit dem man sich in der Gaskrise von russischen Gas-Lieferungen unabhängig machen wollte. Die Pläne haben sich jetzt zerschlagen. Das war der große Wunsch von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Wegen verschiedener Komplikationen, die das Projekt mit sich gebracht hätte, wurde das Vorhaben eines LNG-Terminals für den Hamburger Hafen auf Eis gelegt. Politik und Umweltschutz reagieren darauf mit gemischten Gefühlen.

Stadt in DeutschlandHamburg
Einwohner1.904.444 (Stand 2021, Sozialamt)
BürgermeisterPeter Tschentscher (SPD)
Fläche755,2 km²
Gegründet500 n. Chr.

Ursprünglicher Plan im Hamburger Hafen: Mobiles Terminal für LNG sollte bei Energiekrise helfen

„Unser Ziel ist es nicht, der größte Hafen Europas zu werden. Unser Ziel ist es, der modernste, der digitalste und der nachhaltigste Hafen der Welt zu werden“, erklärte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bereits Anfang April in einer Rede vor dem Übersee-Club seine Sanierungs- und Ausbaupläne für den Hamburger Hafen. Sein Ziel war und ist es, Hamburgs Hafenpolitik so auszurichten, dass man für ganz Deutschland einen sicheren und unabhängigen Zugang zum Weltmarkt schaffe.

Tschentscher, der sich den Kopf hält, und der Hafen Hamburgs
Niederlage für Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher: Die Hansestadt bekommt kein LNG-Terminal. © IMAGO Images/MiS & IMAGO Images/Christian Spicker

Vor allem angesichts der Gas- und Energiekrise, die auf den Angriffskrieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine zurückzuführen ist, will man in Deutschland unabhängiger werden. Das gilt auch für Hamburg. Aktuell kommt noch die Hälfte der in Deutschland genutzten Energie aus Russland. Von diesen Importen will man unabhängig werden.

Deshalb hatten Tschentscher und Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) ein mobiles, schwimmendes Terminal im Hamburger Hafen geplant, um Flüssigerdgas, kurz auch LNG genannt, zu beziehen. Mit Hilfe des Terminals sollte das LNG wieder gasförmig gemacht und in das Gasnetz in Norddeutschland eingespeist werden. Das wird so nun nicht geschehen.

Doch kein LNG-Terminal für Hamburgs Hafen: Daran liegt’s und so könnte es weiter gehen

Für das Scheitern der Pläne gibt es zwei große Gründe. Zum einen hätte man an der ausgesuchten Stelle im Stadtteil Moorburg zu viel Schlick aus dem Hafen baggern müssen, zum anderen wären – zumindest während der Bauarbeiten – große Teile des südlichen Hafens vom Schiffverkehr abgeschnitten gewesen, was wiederum auf Import und Lieferungen angewiesene Hamburger Firmen nicht gefallen hätte.

Außerdem wäre das Vorhaben auch ein sehr teures Unterfangen geworden, da die erhoffte Hilfe von Seiten der Bundesregierung abgelehnt wurde. Deshalb zog der Senat die Pläne zurück. Laut Umweltbehörde prüft die Stadt aber nun, ob es andere Möglichkeiten gibt, den Hamburger Hafen im Kampf gegen die Energiekrise zu nutzen. Im Gespräch ist zum Beispiel der Transport von Flüssiggas mit Frachtschiffen von Brunsbüttel nach Hamburg.

Hafen in Hamburg in ständiger Kritik: Umweltschützer freuen sich über geplatzte Pläne

Fest steht, dass Hamburg in allen Plänen für den Hafen umweltfreundlich denken muss. Bereits vor der Verwerfung der Pläne für das LNG-Terminal in der Energiekrise, gab es viel Kritik an dem Projekt. Umweltverbände wie der NABU sprachen sich dafür aus, dass Hamburg sich lieber auf die Pläne für den grünen Wasserstoff konzentrieren sollte.

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Auch der 833. Hafengeburtstag war in diesem Zuge übrigens ein Dorn im Auge der Naturschützer. Malte Siegert vom NABU schimpfte gegenüber SAT.1 : „Die Politik fordert uns aktuell auf, zu sparen, zu sparen, zu sparen. Wir haben die Energieeinsparverordnung, der Kölner Dom liegt im Dunkeln, der kleine Bäcker in Eimsbüttel kann seine Energiekosten nicht mehr bezahlen. Und gleichzeitig fahren die hier Riesenschiffe und durch den Hafen, verballern Energie. Auf dieser gesamten Veranstaltung wird Energie verballert. Das ist einfach in Zeiten von so einer Krise, die wir haben, echt das falsche Signal.“

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