Frauen oft hilflos ausgeliefert

Rotlicht in Hamburg: Viele Arbeiterinnen rutschen in die Illegalität

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Hamburg lässt die Bordelle zu. Die Arbeiterinnen landen in den Fängen skrupelloser Freier. Ein Betreiber berichtet über die Schattenseiten des Lust-Lockdowns.

Hamburg – Nach und nach fährt Hamburg das öffentliche Leben wieder hoch. Außengastronomie, Einzelhandel, Freibäder – vieles ist wieder offen. Jede Woche verkündet Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher weitere Öffnungsschritte. Der niedrige Inzidenzwert lässt es zu.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 Quadratkilometer
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher
Prostituierte: zirka 2500 (laut Stiftung Historische Museen Hamburg)

Und doch bleibt in der ganzen Corona-Öffnungs-Welle ein Gewerbe – neben den Hamburger Clubs und Diskotheken – bislang gänzlich unerwähnt: Prostitution. Während in Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein die Arbeiter bereits wieder Freier empfangen dürfen, hält Hamburg die Bordelle geschlossen – seit September vergangenen Jahres.

Rotlicht in Hamburg: Bordelle dicht – eine gefährliche Situation für die Arbeiterinnen im horizontalen Gewerbe

Das große Problem des Lust-Lockdowns: Die Freier wollen weiterhin die Dienste nutzen, das Geschäft mit der gekauften Liebe boomt. Nur verlagert sich das Geschehen nun von den Bordellen ins Private: Wohnungen, Hinterzimmer und irgendwelche Hotels. Fernab von möglichen Sicherheitsmaßnahmen, wie sie etwa Türsteher in Bordellen bieten würden.

In Hamburg arbeiten schätzungsweise 2500 Prostituierte. (Symbol-Bild/24hamburg.de-Montage)

Eine gefährliche Situation für die Prostituierten. Der Betreiber von zwei Lust-Tempeln in Berlin, Aurel Max, gab in einem Beitrag im „Deutschland Funk“ Einblicke in die düstere Corona-Schattenwelt. Weil der Job nun illegal sei, wären die Frauen erpressbarer, könnten in Notfällen auch nicht die Polizei rufen.

Berliner Bordell-Boss berichtet: Arbeiterinnen oft hilflos ausgeliefert

„Die Leute versuchen dich über den Tisch zu ziehen, weniger zu zahlen“, so Aurel Max. Auch müssten sich die Arbeiterinnen jetzt mehr gefallen lassen – aus Angst, dass der Freier sonst die Polizei einschalte. „Wenn jetzt jemand irgendwelche Pädophilenspiele haben will und ich soll jetzt ein Baby spielen mit einem Schnuller im Mund, da würde ich im Normalfall die Polizei rufen und sagen, wir haben hier Gefahr im Verzug“, sagt Bordell-Boss Max.

...und das wissen diese Leute auch.

Laut Bordell-Betreiber Aurel Max nutzen viele Freier die Hilflosigkeit der Frauen aus

Es gebe Kolleginnen, die mussten sich Kinder-Missbrauchsfilme ansehen. Max: „Man muss sich einfach viel mehr bieten lassen, und das wissen diese Leute auch. Auch was das Finanzielle betrifft, wenn der das Geld nicht zahlt oder es dir wieder wegnimmt, ja, was willst du sagen.“

Hamburg lässt Bordelle zu: „Müssen Druck machen“

Vor allem Prostituierte, die durch alle Raster gefallen sind, treibt die Zwangsschließung in Existenznöte, weiß Johanna Weber vom Berufsverband für erotische Dienstleistungen. Es gebe viele, die keinen festen Wohnsitz haben – Corona-Hilfen oder Arbeitslosengeld bekommen sie dann nicht.

Wann Hamburg wieder die Bordelle öffnet – unklar. Ein Neustart sei laut Johanna Weber bislang nicht absehbar. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, dem Saarland, Sachsen und Bayern bleibt das Gewerbe vorerst geschlossen. „Da müssen wir wirklich noch Druck machen“, so Weber. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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