1. 24hamburg
  2. Hamburg

Rothenburgsort: Wo Hamburgs Zukunft liegt

Erstellt:

Von: Kevin Goonewardena

Kommentare

Das schwimmende Café Entenwerder 1 in Hamburg-Rothenburgsort
Das schwimmende Café Entenwerder 1 in Hamburg-Rothenburgsort. (24hamburg.de-Montage) © C. Kaiser/imago

Rothenburgsort nur wenige Kilometer vom Hamburger Stadtzentrum entfernt gelegen ist noch stark von Industrie und Gewerbegebieten geprägt. Doch das wird sich bald ändern.

Hamburg-Rothenburgsort – Ländliche Idylle, abgerockte Arbeiterviertel, quietschbunte Künstler-WGs, mondäne Stadtvillen: Das alles ist Hamburg. Jede Woche samstags gehen wir auf Streifzug. Heute sagen wir: #ahoirothenburgsort

Fakten zum Stadtteil: Der Stadtteil Rothenburgsort erstreckt sich zwischen den Flüssen Bille und Norderelbe auf einer Gesamtfläche von 7,4 Quadratmeter am östlichen Rand des Bezirks Hamburg-Mitte. Etwa 9000 Einwohner leben in Rothenburgsort. Der ehemaliges Arbeiterstadtteil, in dem die Mieten noch verhältnismäßig günstig sind, weist zwar einen hohen Anteil an Leistungsempfängern, ein niedriges Jahreseinkommen und einen ebenfalls hohen Prozentsatz an Mitbürgern ausländischer Herkunft auf und liegt in den diesbezüglichen Statistiken über dem Hamburger Durchschnitt. Doch das negative Image das Rothenburgsort auch deswegen hat, wird sich in den nächsten Jahren aller Vorrausicht nach ändern. Denn dem Stadtteil steht eine große Zukunft bevor.

Hamburg-Rothenburgsort: Ein kurzer geschichtlicher Abriss

Der heutige Stadtteilname Rothenburgsort geht auf eine ehemalige renommierte Senatorenfamilie zurück, die am Anfang des 17. Jahrhunderts mehrere Landsitze auf dem Billwerder Ausschlag bezog. Bereits seit dem Jahre 1385 gehörte diese Gegend zu Hamburg und wurde bis 1494 komplett eingedeicht. Seine Hochzeit sollte Rothenburgsort jedoch erst Jahre später im Zeitalter der Industrialisierung erreichen. Mit der Einweihung der neuen Hamburger-Bergedorfer-Eisenbahnlinie erfuhr das Viertel ein rasantes Wachstum. Fortan entwickelte sich Rothenburgsort zu einem bedeutsamen Industrie-, Hafen- und Gewerbeviertel. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zählte Rothenburgsort 1939 über 45.000 Einwohner. Infolge der Bombenangriffe wurde der damalige Industrie-Stadtteil im Juli 1943 nahezu vollkommen zerstört.

Hamburg-Rothenburgsort: Image des Stadtteils

Von der Hamburger Bevölkerung wird Rothenburgsort oftmals unterschätzt oder sogar negativ wahrgenommen. Aufgrund der eher schwachen Sozialstruktur wird der Stadtteil oftmals zu Unrecht mit sozialen Problemen und Kriminalität verbunden. Viele Vorteile wie die Nähe zu Naherholungsgebieten und die Nähe zur Hamburger Innenstadt werden dabei jedoch außer Acht gelassen. Von seinen Einwohnern selbst wird Rothenburgsort hingegen positiv dargestellt. So schätzen die Bewohner die Nähe zur Elbe die Naherholung direkt am Wasser sowie mitunter auch Wassersport vor der eigenen Haustür ermöglicht.

Des Weiteren erfreut sich Rothenburgsort mittlerweile bei vielen Künstlern und Kreativen großer Beliebtheit. Grund hierfür sind die für Hamburger Verhältnisse günstigen Mieten, sowie die großen Räumlichkeiten ehemaliger Gewerbegebäude. Im Quartier Brandshof haben sich bereits Ateliers sowie eine Schauspielschule niedergelassen. Auch in der Billwerder Bucht hat sich mittlerweile eine alternative Künstlerkolonie niedergelassen. Dazu gehören insbesondere alternative Wohnschiffe sowie der ehemalige Schwimmbagger Ilmenau. Dieser wird heute von einem Künstler als Designplattform geführt.

3 schnelle Facts – schon gewusst?

■ Der Sohn des Hamburger Literatur- und Sozialwissenschaftlers, Mäzen und Tabak-Erben Jan Philipp Reemtsma, Johan Scheerer ist Hamburger Musiker, internationaler und Oscar-nominierter Musikproduzent und Labelbetreiber. Sein Tonstudio Clouds Hill befindet sich in Rothenburgsort. Die Entführung seines Vaters 1996 verarbeitete Scheerer in zwei autobiographischen Büchern.

■ Die von den Nazis (#nazisraus) errichtete Hanseatenhalle in der Zollvereinsstraße war seinerzeit die größte Sporthalle Europas. Sie fasste bis zu 40.000 Zuschauer und wurde 1943 bei Bombenangriffen der Allierten zerstört

■ Der deutsche Boxweltmeister im Schwergewicht Max Schmeling (1905-2005) wohnte ab 1911 mit seiner Familie in der Lindleystraße 75, nachdem seine Familie nach Hamburg gezogen und zuerst auf St. Georg gewohnt hatte. Später wurde Schmeling in die Volksschule Stresowstraße in Rothenburgsort eingeschult.

Hamburg-Rothenburgsort: Ein Stadtteil im Kommen

Durch seine relativ vielen Freiflächen, alte, teils brachliegende Industrie- und Gewerbebetriebe, dem vielen Wasser, dass das Stadtteil durchzieht und dem Grün, bietet Rothenburgsort die perfekten Ausgangsbedingungen für eine Erweiterung der Kernstadt Richtung Osten und damit Aufwertung des Gebiets selbst. „Stromaufwärts an Elbe und Bille - Wohnen und urbane Produktion in Hamburg-Ost“ heißt dass 2014 noch unter dem damaligen Hamburger Bürgermeister und heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) entwickelte Konzeptpapier zum Ausbau, Umstrukturierung und Aufwertung des Stadtteil Rothenburgsort und das gesamten Hamburger Osten. Dazu werden mehrere tausend Wohnungen nach neuesten Standarts, die vor allem Familien anlocken sollen, entstehen.

Die unübersehbare Krone des Entwicklungsprojekt wird der 245 Meter hohe Elbtower Hamburg werden, der bis 2025 am äußersten Rand des Stadtteils in Elbnähe errichtet werden wird. Nach dem Commerzbank Tower und dem Messeturm (beide Frankfurt am Main) wird der Elbtower nach Fertigstellung das dritthöchste Hochhaus Deutschlands und mit weitem Abstand höchste Haus Hamburgs werden. Der Elbtower wird mehr als doppelt so hoch werden, wie die 2017 eröffnete 110 Meter hohe Elbphilharmonie.

Hamburg-Rothenburgsort: Freizeit auf der Elbinsel und beim Nachhaltigkeitsfestival

Zwar ist Rothenburgsort heute vorwiegend durch Industrie und Gewerbebetriebe geprägt, dennoch gibt es einige Grünzonen und Naherholungsgebiete im Stadtteil. Dazu zählen der Traunspark und die über eine Brücke zu erreichende Halbinsel Entenwerder, mit dem schwimmenden Cafe Entenwerder 1, dass durch seine auffallende Architektur schon von Weitem ins Auge sticht, zum näher kommen und hereinschauen einläd. Der Elbpark ist im Sommer Ort der OV Silence Open Airs für Techno-Liebhaber und seit einigen Jahren ebenfalls des nachhaltigen Futur 2 Futur-Festivals, dass sich als „Laborplatz zur Erprobung zukunftsfähiger Lösungen für Open-Air-Veranstaltungen“, versteht, wie die Macher und Macherinnen schreiben, Der selbsternannte Anspruch wird hier wortwörtlich mit Taten gefüllt, etwa durch die „Pedal-powered Stage“, bei der der Strom für die dort auftretenden Künstler durch die Besucher erzeugt wird - indem diese in die Pedale treten.

Auch die Flächen der ehemaligen Elbwasserfiltrierungsanlage auf der Halbinsel Kaltehofe dienen heute als beliebtes Naherholungsgebiet. Bis vor einigen Jahren war das Gelände der Elbhalbinsel Kaltehofe im Besitz der Hamburgischen Wasserwerke und wurde vor gut zehn Jahren zum Freizeitareal „Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe“ umgestaltet.

Hamburg-Rothenburgsort: Kulinarisch – Oldtimer Tankstelle und Sterne-Restaurant

In der Oldtimer Tankstelle Brandshof scheint die Zeit hingegen soll zu stehen: Das 1950er Jahre Bauwerk ist nicht nur Treffpunkt für Oldtimer-Fans aus ganz Deutschland, sondern auch ein definitiver Must-See-Spot für Hamburger und Hamburgerinnen – schließlich gibt es so eine Tankstelle kein zweites Mal. Das wissen auch Film- und Serienmacher wie Moritz Bleibtreu, dessen Regiedebüt „Cortex“ hier spielt. Benzin gibt es in der 2011 wieder eröffneten Tankstelle zwar nicht, aber eine TÜV-Prüfstelle. Und in dem „Erfrischungsraum“ genannten ehemaligen Verkaufsraum ist ein Cafe, in dem sich der Besuch schon wegen der leckeren Kuchen oder des Mittagstisch lohnt.

Mehr Stadtteile aus unserer Serie Streifzug Hamburg? | Hamburg-Uhlenhorst: Wohnen und Leben in Alsternähe

So bekannt wie die TV-Köche und Unternehmer Tim Mälzer oder Steffen Henssler ist Thomas Imbusch in der Öffentlichkeit nicht, voraus hat er ihnen aber eine Auszeichnung, die Mälzer und Henssler sich in ihren zahlreichen Restaurants noch nicht erkochen konnten: Einen Stern im Guide Michelin, 100/200 Kitchen heißt das Restaurant, dass Imbusch zusammen mit seiner Partnerin Sophia Lehmann am Brandshofer Deich 68 betreibt. Auch das ist Rothenburgsort – wer hätte das gedacht? *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare