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Reicht die Notfallpraxis für Kinder in Hamburg aus? Virologe: Bald „Ansteckungen wieder häufiger“

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Von: Lia Stoike

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Krankes Kind
Die Infektionswelle spannt die Lage in Krankenhäusern, Kinderarztpraxen und Apotheken merklich an. (Symbolfoto) © DPA

Kinderärzte in Hamburg arbeiten seit Wochen am Limit. In Hamburg gibt es lediglich eine neue Notfallpraxis für Kinder. Doch es gibt noch ein größeres Problem als die Erkältungswelle.

Hamburg – Das Kind ist schwer krank, aber kein Arzt verfügbar. Dieser Katastrophe mussten in den vergangenen Wochen einige Eltern in Hamburg in die Augen blicken. Aus diesem Grund hat die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) notgedrungen Praxen, wie die kinderärztliche Infektpraxis Hamburg-Altona eingerichtet. Es ist allerdings eine dramatische Situation, die vorhersehbar war.

Infektpraxis:\tHamburg-Altona
Adresse:Stresemannstraße 54
Öffnungszeiten:Montag bis Freitag, 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr

„Die Überforderung der Praxen ist ein schon vorher lang angekündigtes Problem, was in einer Infektwelle natürlich nochmal zusätzlich heraussticht“, sagt Jakob Maske, Pressesprecher des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Schwierigkeiten gab es vor allem in den hiesigen Klinikenund Krankenhäusern, in denen schwer kranke Kinder häufig nicht mehr stationär versorgt werden konnten.

Erkältungswelle Dank Corona-Maßnahmen: Deshalb waren in den letzten Wochen alle krank

Schuld an der massiven Erkältungswelle sind die vorherigen Corona-Pandemie-Jahre. „Man kann sich jetzt leichter mit diesen Viren anstecken“, sagt Andreas Dotzauer, Leiter Virologischen Instituts Bremen. Das liege daran, dass sich die Hamburger durch die Hygiene-Maßnahmen während der letzten drei Jahre nicht auf natürlichem Wege gegenseitig anstecken konnten. Grippeviren, Erkältungsviren oder auch das Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus), was für Atemwegsinfekte bei Kindern verantwortlich ist, haben dadurch leichtes Spiel. „Besonders sichtbar ist das bei Kindern unter fünf Jahren, die wegen der Maßnahmen bisher überhaupt noch nicht infiziert waren, somit auch keinen Immunschutz aufbauen konnten.“

Hamburger Kinderarztpraxen müssen schließen – Kein Geld kommt in die Kassen

Das größte Problem sei aber nicht die derzeitige Infektwelle, so Jakob Maske. „Viele Inhaber können ihre Praxis nicht mehr wirtschaftlich führen.“ Das liege daran, dass in Hamburg den Arztpraxen nur 58 Prozent der erbrachten Leistungen erstattet werden. Viele Ärzte müssen deshalb ihre Praxis schließen. Auch abseits der Erkältungszeit werde es zukünftig für Eltern schwierig sein, einen Arzt für ihr Kind zu finden, so Maske. Im Umkehrschluss führe dies auch auf lange Sicht zu einer Überfüllung der bestehenden kinderärztlichen Anlaufstellen.

Notfallpraxis Altona für Kinder: Noch ist alles ruhig – Virologe warnt: Ansteckungen bald wieder häufiger

Von dieser Zuspitzung ist in der KVH-Infektpraxis Altona noch nichts zu spüren: Am vergangenen Montag besuchten sieben, Dienstag 12, Mittwoch neun und am Donnerstag sieben Patienten die Praxis, teilt KVH-Pressesprecher Jochen Kriens mit. Das könnte an den sinkenden Infektionszahlen in Deutschland liegen, die aus dem aktuellen Wochenbericht das Robert-Koch-Instituts vorgehen (RKI). Die Erkältungswelle scheint abzuebben. Es sei laut Kriens allerdings noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Auch Virologe Andreas Dotzauer prophezeit: „Die Kontakte untereinander werden nach den Ferien wieder deutlich intensiver werden und damit werden auch Ansteckungen wieder häufiger erfolgen.“

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