Feiern trotz Corona in Bergedorf

Coronavirus-Verstoß in Hamburg: Fetisch-Party von Kiezkicker-Torwart

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Wenn Blaulicht auf Rotlicht trifft, dann löst die Hamburger Polizei vielleicht gerade eine Swinger-Party auf. So geschehen am ersten August-Wochenende 2020 auf der Hamburger Reeperbahn und in Bergedorf. Dahinter steckt unter anderem ein berühmter und berüchtigter ehemaliger Torwart des FC St. Pauli.

Hamburg –Völlige Corona-Ignoranz in Hamburg-Sankt Pauli und Bergedorf! Weil der Christopher Street Day (CSD) und die damit verbundene Parade der Lesbian-,Gay-,Bi-,Trans-,Queer-Gemeinde (LGBTQ+-Gemeinde) wegen der Coronavirus-Pandemie durch eine Fahrraddemo am 1. August 2020 ersetzt wurde, organisierten Feierwütige offenbar geheime Swinger- und Fetischpartys in Kellern und in einem leerstehenden Firmengebäude. Eine der beiden verbotenen Veranstaltungen hatte Ex-FC-St. Pauli-Torwart Benedikt Pliquett organisiert.

Verein:CSD - Christopher Street Day- Hamburg Pride e.V.
Adresse: Ernst-Merck-Straße 12-14, 20099 Hamburg
Telefon: 040 238058555

Coronavirus-Verstoß in Hamburg: Ex-St. Pauli-Torwart Benedikt Pliquett schmeißt Fetisch-Party

Der einstige St. Pauli-Verteidiger hatte in den Keller seiner Fetisch-FachboutiqueDarkside“ (Reeperbahn 152) geladen, wie die „Bild“ berichtet. Laut Polizei feierten in der Nacht zum Sonntag, 2. August 2020, rund 65 Menschen in Lack und Leder dicht an dicht. Rücksicht auf die Verbreitung des Coronavirus hatte die feiernde Meute dabei nicht genommen.

Ex-St. Pauli-Torwart Benedikt Pliquett hat es sich nicht nehmen lassen, trotz Coronavirus in seiner Boutique „Darkside“ zu feiern. (Symbolbild/24hamburg.de-Montage)

Im Gegenteil: Mit dröhnend lauter Musik eines DJs und mit Lichtorgel und Nebelmaschine tanzten die leicht bekleideten Gäste eng beieinander. Ein Polizeisprecher zur Deutschen Presse Agentur (dpa): „Die Luft war stark verbraucht.“ – ein No-Go in Zeiten der Corona-Krise.

Wegen Verstoß gegen die Corona-Eindämmungsverordnung mussten die Beamten das Treiben beenden. Doch Pliquett weiß sich gegenüber „Bild“ zu verteidigen: „Da fand nichts statt, was nicht erlaubt ist, alles unter strenger Beachtung der Hygiene-Vorschriften.“ Zudem seien es nicht 65, sondern „nur“ fünfzig Gäste gewesen, die sich im Keller seiner „Darkside“-Boutique tummelten. Der Ex-Kicker: „Da unten ist ein Kino. Und nur, weil sich Menschen in Lack und Leder kleiden, hat das noch nichts mit Fetisch zu tun.“ Zudem schien das Eingreifen der Beamten Pliquett ohnehin überflüssig. Denn sie wollten sowieso gerade „Feierabend machen“. Im Alter von 31 Jahren hat Benedikt Pliquett seine Fußballkarriere beendet. Heute betreibt er drei Liebes-Fachgeschäfte und die BarAlkotheke" in Hamburg-St.Pauli.

Ein Fetisch-Trio beim „Victorianischen Picknick“. Ähnlich fetischistisch ging es auch am Wochenende auf der Reeperbahn zu. (Symbolbild)

Hamburger Polizei verfolgt Shuttlebus – und landet auf Swinger-Party in Bergedorf

Doch der Kiez war offenbar nicht die einzige Anlaufstelle für Erotik-Interessierte. Ein noch viel größeres Event hatte es in derselben Nacht im Hamburger Bezirk Bergedorf gegeben. Besonders dreist: Auf der Social-Media-Plattform Facebook wurde unter dem MottoYour Pride F*** is not cancelled“ (Deutsch: Deine Pride-Nummer ist nicht abgesagt) für die Party geworben. Auch Patricia Blanco lässt es gerne mal krachen, allerdings hat sie von ihrem Verlobten jetzt ein Alkoholverbot aufs Auge gedrückt, wie 24hamburg.de berichtet.

Das Coronavirus und das mit der Pandemie verbundene Verbot von Massenveranstaltungen wurde ganz offensichtlich ignoriert. Doch es kam noch dicker: Vom Bahnhof Tiefstack fuhr ein Shuttlebus die feierlustigen Gäste sogar bis vor die Tür der Swinger-Party. Die Rechnung hatten die Organisatoren allerdings ohne die Polizei gemacht. Die Beamten hatten den richtigen Riecher, als sie dem Shuttlebus nach Bergedorf folgten. Ziel der Verfolgungsfahrt war ein leerstehendes und nach außen hin abgedunkeltes Firmengebäude auf dem Moorfleeter Deich.

Trotz Coronavirus: Gut besuchte Swinger-Party in leerstehendem Firmengebäude in Hamburg-Bergedorf

Dort angekommen erlebten die Ordnungshüter dann ihr blaues Wunder: Mehrere Dutzend leicht bekleidete Gäste feierten ausgelassen. In Zeiten der Pandemie allerdings noch schlimmer: Damit sich die Gäste untereinander näher kommen konnten, hatten die Veranstalter Séparées und sogenannte „Lustwiesen“ eingerichtet und mit Kondomen ausgestattet. Bis auf die Benutzung der Präservative lag auf der Veranstaltung allerdings kein Corona-gerechtes Hygiene-Konzept vor. Das Einhalten von Mindestabstand: für die meisten Gäste offenbar nur eine Empfehlung, die bedenkenlos umgangen werden kann. Wie die „Mopo“ berichtet sollte die Swinger-Party von Samstag, 1. August 2020, 21 Uhr, noch bis Sonntag, 3. August 2020, 18 Uhr, andauern. Doch auch hier kam es in dieser Nacht nicht mehr zu allzu viel Körperkontakt. Die Beamten schoben dem unsittlichen und ignoranten Treiben der rund 100 Gäste einen Riegel vor. Für die Ordnungswidrigkeit erwarten die Veranstalter und die Gäste auch in diesem Fall dicke Bußgelder. „In beiden Fällen war massiv gegen die Corona-Regeln verstoßen worden“, teilte ein Sprecher der Polizei Hamburg gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa) mit.

Coronavirus wurde von vielen Hamburgern ignoriert, die am auf Kiez und Schanze dicht an dicht feierten

In Hamburg feierten zuletzt viele Menschen dicht an dicht auf der Reeperbahn (Kiez) und der Schanze (Sternschanze) zwar unter freiem Himmel, aber dafür dicht an dicht. Diesem Treiben hatte der Hamburger Senat* am Donnerstag, 30. Juli 2020, mit einem Alkoholverbot zwischen 20 und 6 Uhr am Wochenende, 31. Juli 2020 bis Montagmorgen, 3. August 2020, einen Riegel vorgeschoben. Doch trinklustige Hamburger wussten das neue Corona-Gesetz geschickt zu umgehen, wie 24hamburg.de berichtet.

Schutz vor Coronavirus: Robert-Koch-Institut (RKI) und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklären notwendige Hygienemaßnahmen

Die Forschungen zum SARS-CoV-2* zeigen, dass das Virus insbesondere durch engen – beispielsweise häuslichen oder medizinischen – Kontakt übertragen wird. Die Ansteckung mit dem Coronavirus erfolgt vor allem durch respiratorische Sekrete, in erster Linie Tröpfchen, zum Teil auch durch Tröpfchenkerne. Diese sogenannten Aerosole werden beim Husten, Niesen und lautem Sprechen ausgestoßen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt.

Aber auch zahnmedizinische Behandlungen können die Verbreitung von Aerosolen auslösen. Weniger wahrscheinlich, aber dennoch möglich ist auch eine indirekte Übertragung durch Hände oder kontaminierte Oberflächen. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklärt, kann das Einhalten des Mindestabstands von 1,5 Metern das Auftreffen von Tröpfchen sowie auch von Aerosolen in gewissem Umfang verringern. Auch das regelmäßige Lüften kann das Ansteckungsrisiko senken. Daher ist die Gefahr einer Infektion unter freiem Himmel auch deutlich geringer als in geschlossenen Räumen. Besonders gefährlich seien laut BZgA Fitnesskurse und Chorproben. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa, Instagram/benepliquett

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