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Reemtsma-Entführer Thomas Drach: Prozessbeginn wegen versuchten Mordes

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Von: Johannes Nuß

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Reemtsma-Entführer Thomas Drach (Mitte) wird von Polizeibeamten auf dem Frankfurter Flughafen aus dem Flugzeug geführt.
Der frührere Reemtsma-Entführer Thomas Drach, hier bei seiner Auslieferung nach Deutschland im Jahr 2000, muss sich ab 1. Februar in Köln vor dem Landgericht wegen versuchtes Mordes verantworten. (Archivbild) © Oliver Stratmann/dpa

Der Entführer von Jan Philipp Reemtsma, Thomas Drach, muss sich vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Anklage: Versuchter Mord, schwerer Raub und Brandstiftung.

Köln/Hamburg – Mehr als 25 Jahre nach der Entführung von Jan Philipps Reemtsma muss sich dessen früherer Entführer, Thomas Drach, erneut vor Gericht verantworten. Die Verhandlung gegen Drach wird am Dienstag, 1. Februar 2022, vor dem Kölner Landgericht eröffnet. In Köln bereitet man sich auf einen der spektakulärsten Prozesse der vergangenen Jahre vor, der unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten wird.

Reemtsma-Entführung: Thomas Drach erpresst 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken

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Thomas Drach steht wegen einer Serie von Geldboten-Überfällen vor dem Landgericht, darunter zwei in Hessen. Die Anklage von Thomas Drach lautet unter anderem auf versuchten Mord* und besonders schweren Raub. Ebenfalls angeklagt ist ein mutmaßlicher Mittäter aus den Niederlanden.

1996 hatte der in Erftstadt bei Köln geborene Drach den Erben der Hamburger Tabak-Dynastie Reemtsma, Jan Philipp Reemtsma, entführt. Nach 33 Tagen ließ er sein Opfer wieder frei – gegen ein Lösegeld von 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken. Für die Tat verurteilte das Hamburger Landgericht ihn zu 14,5 Jahren Gefängnis. Nach seiner Entlassung 2013 setzte Drach sich ins Ausland ab.

In den Jahren 2018 und 2019 beschäftigte eine Reihe von ähnlich gelagerten Überfällen auf Geldtransporter die Polizei in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Hintergründe lagen zunächst im Dunkeln, es gab sogar Spekulationen über eine Beteiligung ehemaliger RAF-Terroristen*.

Reemtsma-Entführer Thomas Drach: Im Februar 2021 in Amsterdam festgenommen – seitdem in U-Haft

Videoaufnahmen eines Zeugen bei einem Überfall am Flughafen Köln/Bonn brachten die Ermittler schließlich auf die entscheidende Spur. Sie führte in die Niederlande – zu Thomas Drach. Im Februar 2021 wurde Drach in Amsterdam festgenommen und sitzt seit seiner Auslieferung in Köln in U-Haft.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-Jährigen insgesamt vier Überfälle in Köln, Frankfurt am Main und Limburg vor. In allen Fällen soll er, teils mit Hilfe des niederländischen Mitangeklagten, Geldboten beraubt und so insgesamt mehr als 230.000 Euro erbeutet haben. Die Angeklagten sollen stets mit einem gestohlenen Auto geflohen sein, das sie in Brand steckten, ehe sie ihre Flucht mit einem weiteren Fahrzeug fortsetzten.

In zwei Fällen – in Frankfurt und am Flughafen Köln/Bonn – soll Drach jeweils auf einen Wachmann geschossen haben. Beide Männer erlitten schwere Verletzungen. Für die Tat in Frankfurt lautet die Anklage auf versuchten Mord. Die Tat in Köln ist als gefährliche Körperverletzung angeklagt. Das Gericht hat jedoch bereits darauf hingewiesen, dass auch hier eine rechtliche Bewertung als versuchter Mord infrage komme. Bei einer Verurteilung droht ihm Sicherungsverwahrung.

Reemtsma-Entführung: Prozess gegen Thomas Drach unter strenge Sicherheitsvorkehrungen

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Drach bestreitet die Vorwürfe. „Herr Drach strebt einen Freispruch an, weil die Vorwürfe völlig haltlos sind“, teilte sein Verteidiger Andreas Kerkhof auf Anfrage mit. „Es gibt keinerlei stichhaltige Beweise dafür, dass gerade mein Mandant die angeklagten Überfälle begangen hätte. Die Anklageschriften stützen sich sämtlich auf lückenhafte Indizien und reine Spekulationen.“

Für den Prozess gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Rund um das Gerichtsgebäude, das an einer Hauptverkehrsachse liegt, werden zeitweise Straßen gesperrt und Halteverbotszonen eingerichtet. Der prominente Angeklagte wird möglicherweise mit einem Hubschrauber zum Gericht gebracht.

Geleitet wird der Prozess vor der 21. Großen Strafkammer von dem erfahrenen Richter Michael Bern. Bis Ende September sind 53 Verhandlungstage geplant. Für Besucher des Gerichts wird es nach Angaben eines Sprechers aufwendige Zugangskontrollen geben. Rund um das Justizzentrum werde es zeitweise zu Straßensperrungen kommen. * 24hamburg.de, merkur.de und fnp.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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