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Polizeifunktionär beschimpft Hamburger Grüne als „Göre“ und „Kindchen“

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Von: Kevin Goonewardena

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Polizei-Gewerkschaftsboss Rainer Wendt hat Hamburgs Grünen-Abgeordnete Emilia Fester auf Facebook beleidigt. Nicht der erste Ausfall in einer langen Liste von Verfehlungen des Funktionärs.

Hamburg – Er ist Deutschlands bekanntester (Ex)-Polizist und Polizeigewerkschaftler. Rainer Wendt, seit 2007 Vorsitzender der Polizeigewerkschaft DPoLG fiel bereits mehrfach durch umstrittene Äußerungen auf, mit denen er für bundesweite Schlagzeilen sorgte. Ob es um den Einsatz von Gummigeschossen, Demonstrationsrecht, Racial Profiling, Flüchtlingspolitik oder die Abschaffung von Stehplätzen in Fußballstadien und lebenslange Stadionverbote für Problemfans geht, Rainer Wendt hat zu ziemlich jedem Thema, dass auch nur irgendwie entfernt in seinen Bereich fällt, eine Meinung.

Name:Rainer Wendt
Geburtstag und -ort:29. November 1956 in Duisburg
Aktuelle Position:Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG) seit 2007

Diese Meinung teilt der konservative Gewerkschaftsfunktionär und „Steh auf-Populist“, wie ihn die Frankfurter Rundschau einst betitelte, Rainer Wendt, gerne laut polternd und medial breit gestreut, mit. Wendt forderte den Bau eines Zauns an der Grenze zu Österreich, und monierte sich des Öfteren in AFD-Manier über den angeblich schwachen deutschen Staat und dessen Justiz und spricht sich für die Vorratsdatenspeicherung aus. Nun attackierte Wendt Grünen-Politikerin Emilia Fester nach einer Rede im Deutschen Bundestag persönlich und zeigte sich dabei auf Facebook von seiner chauvinistischen Seite.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, und die Grünen-Abgeordnete Emilia Fester
Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, bezeichnet die Hamburger Grünen-Abgeordnete Emilia Fester als „Göre“ und „Kindchen“. (24hamburg.de-Montage) © Martin Schutt/Kay Nietfeld/dpa

Grünen-Politikerin Emilia Fester hält im Bundestag flammende Rede für Impfpflicht

Als jüngste Bundestagsabgeordnete zog Emilia Fester aus Hamburg im September 2021 für die Grünen in den Bundestag ein, hielt am Donnerstag, 17. März 2022, ihre erste Rede. In ihrem flammenden Appell machte sich Fester für eine allgemeine Impfpflicht stark, denn nicht diese „sei die Zumutung, sondern keine Impfpflicht ist die Zumutung – die Zumutung für die solidarische Mehrheit.“ Eine Mehrheit auch in ihrer Generation habe in den vergangenen zwei Jahren weitestgehend auf alles verzichtet, um insbesondere vulnerable Gruppen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Wären, sagte Fester in Richtung AFD-Fraktion, alle freiwillig dem Schritt des Impfens gefolgt, wie der größte Teil ihrer Generation, wären nun alle wieder frei.

Ich war nicht in der Uni, ich war nicht im Ausland. Ich habe kein Museum und auch kein Festival besucht. Ich habe nicht mal eine Person, die ich noch nicht kannte, geküsst oder meinen Geburtstag gefeiert. Ich war, verdammt noch mal, nicht einmal in einem Club. Tanzen, feiern und all das, was ich so vermisse.

Emilia Fester bei ihrer Rede im Deutschen Bundestag am 17. März 2022

Rainer Wendt beleidigt Grünen-Politikerin als „Göre“ und „Kindchen“

Am Samstag äußerte sich Rainer Wendt nun auf Facebook zur Rede von Emilia Fester. Doch der Gewerkschaftsfunktionär nahm nicht etwa Bezug auf den Inhalt oder die polemische Wortwahl der Grünen-Politikerin, beides ließe sich durchaus kritisieren, sondern griff die Grünen-Politikerin in bewährter Boomer-Manier mit CDU-Parteibuch auf dem Sozialen Netzwerk Facebook bezogen auf ihr Alter an. Wendt selbst ist 65, Emilia Fester 23 Jahre alt.

Screenshot der Äußerungen Rainer Wendts nach der Rede Emilia Festers im Bundestag
Auf seiner Facebookseite äußerte sich Rainer Wendt am Samstag zur Rede von Emilia Fester im Bundestag, beleidigte die Politikerin unter anderem als „Göre“ und „Kindchen.“ Der Post ist mittlerweile gelöscht. © @DPolGRainerWendt/Facebook (Screenshot)

Rainer Wendt: Karriere von Kritik begleitet – auch Wendt selbst schon verurteilt

Kritik an Wendts Äußerungen der letzten Jahre kommt dabei nicht nur aus dem Umfeld politischer Gegnerinnen, sondern auch von Medien und aus den eigenen Reihen. Wendt selbst war bereits mehrfach Gegenstand diverser Verfahren, unter anderem wurde er wegen unangemeldeten Nebeneinkünften disziplinarisch verurteilt. 11 Jahre bezog er zudem rechtswidriges Gehalt. Seine Doppel-Besoldung als Gewerkschaftsfunktionär und Polizei-Beamter (ohne Ausübung der Beamtentätigkeit) war mehrfach überparteilich auf Kritik gestoßen, hatte zu Rücktrittsforderungen an Rainer Wendt und Verfahren und Verurteilung geführt. Das Land NRW hatte ihm als Ergebnis der Ermittlungen seine Pension als Polizist gekürzt.

Der Satiriker Jan Böhmermann und bekanntermaßen Sohn eines Polizisten hatte unter anderem als Reaktion darauf einen Song mit dem Titel „Jan Böhmermann – Rainer Wendt (Du bist kein echter Polizist)“ aufgenommen und veröffentlicht.

Rainer Wendt: „Seine misstönenden Ausfälle sind eine Schande für die Polizei in Deutschland“

Gegen die letztendlich gescheiterte Ernennung Rainer Wendts zum Staatssekretär hatten sich 2017 die Grünen und die SPD ausgesprochen. Auch Kritik an den jetzigen Äußerungen Rainer Wendts ließ nicht lange auf sich warten. So äußerte sich etwa der bekannte Polizist, Buchautor und Gründer der Initiative „Better Police“, Oliver von Dobrowolski auf Twitter zu Rainer Wendts Äußerungen.

Seinen mehr als 65.000 Followern auf dem Kurznachrichtendienst teilte Dobrowolski mit: „Rainer Wendt war schon das fleischgewordene #Polizeiproblem, als es den Hashtag noch gar nicht gab. Seine misstönenden Ausfälle sind eine Schande für die Polizei in Deutschland. Über ihn sang man „du bist kein echter Polizist“. Auf alle Fälle ist er kein echter Demokrat.“ *24hamburg.de, merkur.de und fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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