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Prozess nach Drama an der Elbe: Täter will lieber Knast statt psychatrische Klinik

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Von: Jan Knötzsch

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Nachdem sein Bruder in der Elbe untergeht – er wird später ertrunken aufgefunden – sticht ein 19-Jähriger dessen Freund nieder. Jetzt steht er vor Gericht.

Hamburg – Der Sommer 2021 ist noch in Erinnerung. In diesem Fall allerdings in alles andere als bester. Sondern in ganz schlimmer Erinnerung. Rückblende auf den Juni 2021: Schon damals grassiert in Hamburg das Coronavirus. Doch das ist bei dieser traurigen Geschichte Nebensache. Am 18. Juni 2021 werden die Feuerwehr Hamburg und die Polizei Hamburg alarmiert und rücken in Richtung Elbe aus. Dort ist es am Falkensteiner Ufer im Hamburger Stadtteil zu einer Tragödie gekommen: Ein 15-Jähriger ist in der Elbe untergegangen, sein Freund wird vermisst.

Der dramatische Einsatz an diesem Tag ist allerdings nur der Anfang weiterer tragischer Ereignisse, an deren Ende jetzt ein Prozess steht, der gerade begonnen hat und bei dem an sieben weiteren Prozesstagen weiter verhandelt wird. Mit einem kuriosen, aber klaren Wunsch desjenigen, der angeklagt ist.

Stadtteil in Hamburg:Harburg
Fläche:3,9 km²
Einwohner:26.156

Messer-Attacke nach Bade-Drama an der Elbe: 15-Jähriger ertrinkt – 19 Jahre alter Bruder sticht dessen Freund nieder

Und damit noch einmal zurück in die Vergangenheit: Nur wenige Tage, nachdem der 15-Jährige in der Elbe untergegangen ist, entdeckt die Besatzung eines Motorbootes auf Höhe des Kraftwerkes Wedel einen Körper, der leblos im Wasser treibt. Die Wasserschutzpolizei kann die Leiche bergen – es ist der Junge, der am Falkensteiner Ufer untergegangen war und bei diesem Bade-Drama nahe Hamburg letztlich sein Leben lassen musste. Noch vor dem Tod des 15-Jährigen kommt es dann im Hamburger Stadtteil Harburg zu einer Racheaktion an dem Freund, der mit dem Jungen am Tag seines Verschwindens an der Elbe unterwegs war.

Der Angeklagte sitzt beim Prozess um einen mutmaßlichen Racheakt für den ertrunkenen Jugendlichen neben seinen Anawälten auf der Anklagebank.
Der Angeklagte sitzt vor Beginn eines Prozesses neben seinen Anwälten Franziska Flint und Sven Hüners (von links nach rechts) im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude. © Christian Charisius/dpa

Der 19-jährige Bruder des 15-Jährigen, bewaffnet sich mit einem Messer und attackiert den Freund seines Bruders, der sein eigenes Leben riskierte, um das des 15-Jährigen zu retten. Der 19-Jährige schleicht sich von hinten an und sticht dem Freund seines Bruders mehrfach in den Rücken. Der Jugendliche bricht nach der Messerattacke sofort zusammen. Zahlreiche Augenzeugen, darunter auch Kinder, mussten das brutale Drama mitansehen. Die Polizei kann den 19-Jährigen damals schnell festnehmen.

Messer-Attacke nach Bade-Drama an der Elbe: 19-Jähriger räumt Tat zu großen Teilen ein – und hat spezielle Vorstellung vom Urteil

Nun muss sich der Täter in Hamburg vor Gericht verantworten. Der 19-Jährige räumt die Tat zu einem großen Teil ein. „Ich war sauer und wollte ihn bisschen verletzen. Ich dachte, er hatte die Möglichkeit, meinen Bruder zu retten, und das nicht getan. Daher war ich wütend“, hat der Bruder des Ertrunkenen am ersten Prozesstag laut des Norddeutschen Rundfunks (NDR) erklärt. Er habe allerdings, so stellt der 19-Jährige fest, nicht versucht, den Freund seines Bruders zu töten. In der Haft habe er gemerkt, dass seine Tat „nicht gut war. Und es tat mir auch leid“.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-Jährigen versuchten Mord vor. Da der Beschuldigte laut NDR allerdings bereits in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung war, geht sie davon aus, dass er schuldunfähig ist und plädiert für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Zumal ein Gutachten dem 19-Jährigen Schizophrenie bescheinigt. Der wiederum jedoch sagt laut NDR: „Ich habe keine Stimmen im Kopf. Ich will nicht in ein Krankenhaus und andauernd über meine Probleme reden.“ Stattdessen wolle er lieber eine Strafe bekommen und diese im Gefängnis absitzen.

Für das Verfahren sind bis Ende März 2022 sieben weitere Verhandlungstage angesetzt. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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