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Wegen hoher Energiekosten: Bäcker in Hamburg knipsen das Licht aus

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In Zeiten der Energie-Krise müssen alle sparen. Das gilt auch für das energieintensive Handwerk der Bäcker. Deswegen schaltet die BKV Nord das Licht aus.

Hamburg – „Heute das Licht oder morgen der Ofen?“ Das stand am Donnerstag, 8. September, auf einem Schild im Fenster vieler Bäckereien im Norden Deutschlands. Von außen war es gut lesbar, innen hatten Kunden mit dem Sehen aber so ihre Schwierigkeiten. Der Grund: In den Bäckereien war das Licht aus.

Stadt in DeutschlandHamburg
Einwohner1.904.444 (Stand 2021, Sozialamt)
BürgermeisterPeter Tschentscher
Fläche755,2 km²
Gegründet500 n. Chr.

Die Aktion soll ein Protest gegen die Bundesregierung sein, die den Bäckereibetrieben bislang keine finanziellen Zuschüsse für die steigenden Energiekosten ermöglicht.

Protestaktion der Bäckereien: Licht aus fürs Energiesparen

„Uns geht das Licht aus. Steigende Energiekosten bedrohen unser Bäckerhandwerk“, heißt es auf dem Schild weiter, das bei allen Bäckereien der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord (BKV Nord) im Schaufenster hing. Es ist als Protestaktion gedacht, um auf die gestiegenen Kosten für Bäckereien hinzuweisen. „Am Donnerstag, dem 8. September, setzen wir ein Spar-zeichen und schalten in unseren Verkaufsstellen für einen Tag das Licht aus.“ Lediglich die Auslage der Backware war beleuchtet, alle anderen Teile der Geschäfte lagen im Dunklen.

Kunden müssen sich erst einmal keine Sorgen machen. Der Verkauf ging am Donnerstag sowie in Zukunft erst einmal normal weiter. Wie lange das so weitergehen kann, ohne dass es für die Kunden teurer wird, ist aber noch nicht klar.

Energieintensive Bäcker-Branche – trotzdem keine Zuschüsse vom Staat

Die BKV will von der Bundesregierung finanzielle Hilfe für Bäckereien, die in der Natur ihrer Tätigkeit nun einmal ein energieintensives Geschäft betreiben. Vom Energiekosten Dämpfungsprogramm, das zum Maßnahmenpaket des Bundes gehört und die Industrie bei den hohen Energiekosten entlasten soll, profitieren Bäckereien bislang nicht. Dabei sollen die 5 Milliarden Euro, die für das Hilfsprogramm zur Verfügung stehen, eigentlich genau für diesen Zweck, nämlich „zur Dämpfung des Erdgas- und Strompreisanstiegs für besonders betroffene energie- und handelsintensive Unternehmen in Form eines zeitlich befristeten und eng umgrenzten Kostenzuschusses“ eingesetzt werden, wie es in einer Erklärung des Bundesfinanzministeriums heißt.

Brötchen
Brötchen liegen in einem Korb. © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Der BKV versteht das nicht und erklärt: „Trotz der bestätigten „Systemrelevanz“ der Bäckereien für die Ernährung der Bevölkerung stehen die Betriebe ratlos da, wenn sie ihre Kalkulation für die kommenden Monate aufstellen. Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise werden zahlreiche Unternehmer an den Rand des Ruins treiben – viele auch darüber hinweg, wenn die Politik nicht endlich einschreitet.“

Auch Hamburger Bäckereien betroffen: Kunden wollen nicht mehr zahlen

Auch Hamburgs Bäckereien sind von der Notlage nicht ausgenommen. Die Bäckerei und Konditorei Daube in Poppenbüttel schloss sich am Donnerstag der Protestaktion an und erklärte gegenüber dem Hamburg Journal des NDR, dass die Kosten für Gas und Strom sich in den nächsten Monaten für sie knapp vervierfachen werden. Gekürzte Öffnungszeiten und ein kleineres Sortiment sind hier zum Energiesparen im Gespräch.

Die Kosten an die Kunden weiterzugeben, ist für die Geschäftsleitung aber noch keine Option. „Das Ganze müssten wir eigentlich an unsere Kunden weitergeben, aber das können wir gar nicht“, erklärt Katharina Daube. Außerdem ginge es nicht nur um Energie, sondern auch um Rohstoffe wie zum Beispiel Mehl, das nicht zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs bereits für Privatpersonen im Supermarkt manchmal schwer und teuer zu bekommen ist.

Daube fügt hinzu: „Das wäre viel zu hoch, weil es ja nicht nur die Energiekosten sind, sondern wir sprechen natürlich auch noch von Rohstoffkosten und Personalkosten und das bedeutet bei uns zum Beispiel mindestens 20 Prozent. Und diese 20 Prozent kann ich nicht auf Brot und Brötchen aufschlagen.“

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Die Kunden sehen das genauso. In einer Umfrage des Hamburg Journal gaben viele der Befragten an, nicht mehr als etwa 50 Cent für ein normales Brötchen bezahlen zu wollen, für viele ist die Grenze auch schon erreicht. Ein Hamburger beschreibt die drastische Situation: „Maximal wäre ich bereit, 50 Cent für ein Brötchen zu bezahlen, aber mittlerweile ist ja alles so weit angestiegen, dass man sich kaum traut, zum Bäcker zu gehen und kurz ein paar Brötchen zu holen. Da holt man sich lieber vom Discounter irgendwelche Fertigbrötchen.“

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