Spielt Rassismus eine Rolle?

Polizeigewalt Hamburg: Qosay K. in Delmenhorst war nicht der Erste

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Nachdem die Polizei Delmenhorst Qosay K. in Gewahrsam nahm, stirbt der 19-Jährige. Polizeigewalt? Auch in Hamburg gibt es Fälle. Welche Rolle spielt Rassismus?

Hamburg – Der Tod des jungen Qosay K. in Delmenhorst* schockiert aktuell viele Menschen. Nachdem der Geflüchtete in einem Park festgenommen wurde, weil er einen Joint rauchte, kommt er in Polizeigewahrsam. Dort kollabiert er, muss daraufhin in ein Oldenburger Krankenhaus gebracht werden. Er fällt zunächst ins Koma. Doch einen Tag später ist Qosay tot. War dies ein Fall von Polizeigewalt? Warum starb Qosay K. so plötzlich in Folge seiner Festnahme? Diese Fragen sind derzeit noch offen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch in der Hansestadt Hamburg häufen sich die Fälle von Polizeigewalt. 24hamburg wirft einen Blick darauf – welche Rolle spielt Rassismus?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Wahrzeichen:Michel, Köhlbrandbrücke, Elbphilharmonie und viele mehr
Bekannte Fußballvereine:Hamburger SV (1887), FC St. Pauli (1910)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)
Zweite Bürgermeisterin:Katharina Fegebank (Die Grünen)

Polizeigewalt Hamburg: Nicht nur in den USA und Delmenhorst gibt es Vorfälle – Asad F. schockiert Norden

Viele meinen, extreme Fälle von Polizeigewalt gäbe es nur in den USA, wo diese Gewalt immer wieder auch Tote fordert. So wie bei George Floyd, der in Folge seiner Festnahme verstarb, weil ihm ein Polizist mit dem Knie die Kehle zudrückte. In Folge von Floyds Tod hatte es auch in Deutschland viele Proteste gegeben. Doch in Deutschland gibt es ebenfalls solche Fälle. Auch wenn im Fall Qosay K. noch nicht feststeht, ob der Tod des jungen Mannes aus Delmenhorst in Verbindung mit seiner Festnahme* steht.

Erst vor Kurzem hatte es in der Hansestadt eine Demonstration gegen Polizeigewalt gegeben. Sie war die Folge eines Vorfalls auf einer Kundgebung in der Woche zuvor. Auf dieser war ein 15-Jähriger mit seinem Bruder von der Polizei körperlich angegangen worden. Wie Asad F. schilderte, waren die Polizisten sauer über seinen Pullover. Dieser hatte die Aufschrift „ACAB“ getragen, was so viel bedeutet wie „All Cops Are Bastards“. Die Polizei hatte ihn und seinen Bruder erst umstellt und ihn dann mit auf die Wache genommen.

Nach Totem in Delmenhorst: Diese Fälle von Polizeigewalt schockieren Hamburg. (24hamburg.de-Montage)

Dort habe sich der Jugendliche bis auf die Unterhose ausziehen müssen, selbst im Intimbereich hätten ihn die Polizisten durchsucht. Alles wegen eines Spruchs auf einem Pullover. Nach seiner Freilassung wurde Asad F. auf Wunsch seiner Mutter im Krankenhaus untersucht. Das Ergebnis: ein stumpfes Bauchtrauma und Prellungen an Kopf, Hüfte und Rippen. Die Polizei streitet ab, körperlich geworden zu sein, wie die taz berichtet. Sie verweist allerdings auch darauf, dass Zeugen etwas andere gesehen haben: „Es wirkte wie eine aggressive Machtdemonstration“, heißt es dort.

Polizeigewalt in Hamburg: Spielt Rassismus bei den Übergriffen eine Rolle?

Im Sommer vergangenen Jahres hatte ein Video eines weiteren 15-jährigen für Aufsehen gesorgt. Dieser war in Hamburg-Neustadt von acht Polizisten umzingelt und später niedergerungen worden. Auch hier wies die Polizei im Nachhinein alle Schuld von sich. Besonders brisant: der Vorfall ereignete sich unmittelbar vor einer Wand, auf welcher der Schriftzug „I can‘t breathe“ in Erinnerung an George Floyd prangte. Wie focus.de berichtet, sagte auch der 15-Jährige später aus, dass er während des Einsatzes keine Luft bekam.

Ich muss in Angst leben, weil ich schwarz bin

- Asad F. auf einer Kundgebung gegen Polizeigewalt -

Eines haben die Fälle von Qosay K., Asad F. und dem 15-Jährigen gemeinsam. Sie alle haben ein „nicht deutsches Erscheinungsbild“. Sind die Übergriffe der Polizei also auf Aussehen und Hautfarbe zurückzuführen? Jedenfalls kommen in den Fällen von Asad F. und Qosay K. Fragen auf: Warum wurden die beiden Jungen wegen eines Joints beziehungsweise eines Pullovers so behandelt? Warum wurden sie überhaupt festgenommen? „Ich muss in Angst leben, weil ich schwarz bin“, hatte Asad F. schon vor dem Vorfall auf der Kundgebung gesagt.

Eine Studie zum sogenannten Racial Profiling wurde von der Regierung bisher immer wieder abgesagt. So etwas würde es in Deutschland nicht geben, lautet die Begründung. Viele Hamburger sehen das anders. Wie die taz schreibt, berichten einige Anwohner sogar von einer „Normalisierung rassistischer Polizeigewalt“.

Rassismus gehört in Deutschland zum Alltag: Amazon-Doku „Schwarze Adler“ beweist es

Fest steht jedenfalls, Menschen mit Migrationshintergrund, anderer Haut- oder Haarfarbe fühlen sich in Deutschland schon lange benachteiligt, angefeindet und diskriminiert. Nicht nur von der Polizei. Selbst vor dem Fußball macht Rassismus auch in Deutschland keinen Halt, wie die Doku „Schwarze Adler“ und die Geschichten von HSV-Trainer Daniel Thioune über Diskriminierung auf erschreckende Art und Weise beweisen. * 24hamburg.de, nordbuzz.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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