„Ich bin fassungslos“

Polizei Hamburg: Präsident will harte Strafen für Corona-Partys

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Die Polizei muss immer häufiger illegale Corona-Partys sprengen – sehr zum Ärger des Polizeipräsidenten Ralf Martin Meyer. Er fordert härtere Strafen.

  • In Hamburg gelten bis zum 31. Januar strenge Corona-Regeln, wahrscheinlich auch länger.
  • Dennoch treffen sich vermehrt Menschen zu Corona-Partys.
  • Gestiegene Einsatzzahl: Beamte wünschen sich verschärften Bußgeldkatalog.

Hamburg – Eine starke Zunahme von illegalen Corona-Partys sorgt bei der Hamburger Polizei für ordentlich Verdruss: Nachdem die Beamten in der vergangenen Woche wieder zahlreiche Treffen hochnehmen mussten, hat Polizeipräsident Ralf Martin Meyer seinem Ärger nun mit deutlichen Worten Luft gemacht: „Es macht mich fassungslos, dass wir immer noch Partys mit 30, 40, oder 50 Personen beenden müssen“, kritisierte er in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen* habe er wenig Verständnis für Menschen, die mit ihrem Verhalten den Gesundheitsschutz anderer riskierten und die Gefahren des Virus leugnen würden.

Polizei Hamburg:Landesbehörde
Gründung:26. Mai 1814
Beschäftigte:10.358 (1. Februar 2018)
Leitung:Ralf Martin Meyer, Polizeipräsident
Aufsichtsbehörde:Senatsverwaltung für Inneres und Sport

Derzeit gelten in der Hansestadt Hamburg bis zum 31. Januar strenge Corona-Regeln. Am Dienstagnachmittag wollten die Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 15. Februar verhandeln. Außer Frage stehen dabei die strengen Kontaktverbote, wonach private Zusammenkünfte wegen des hohen Infektionsgeschehens im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes und mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person gestattet sind.

Illegale Corona-Partys: Hamburger Polizei blickt auf viele Einsätze zurück

In den vergangenen Tagen hatten viele Menschen jedoch diese Regelungen massiv unterlaufen. Wie auf 24hamburg.de berichtet, musste die Polizei mehrfach illegale Treffen auflösen. Unter anderem mussten die Beamten am Montag in Wandsbek anrücken, um eine Glücksspielrunde zu beenden. Sieben Personen zockten dabei in einer Werkstatt an Spieltischen und an Spielautomaten. Den Angaben zufolge trug dabei keiner der Anwesenden eine Maske.

Feiern bis die Polizei kommt: Derzeit fliegen in Hamburg viele illegale Corona-Partys auf. (24hamburg.de-Montage)

Zuvor war bereits das Wochenende für die Hamburger Polizei sehr arbeitsreich gewesen. So mussten auch in Hamburg-Wilhelmsburg und Hamburg-Billbrook Corona-Partys und Poker-Runden* mit mehreren Menschen beendet werden. Und stets bietet sich den Beamten der gleiche Anblick. Ob in Privaträumen, in Autowerkstätten oder in Shisha-Bars: Die Menschen sitzen, stehen, feiern zusammen – und immer ohne Maske. Und wenn sie erwischt werden, zeigen sie zumeist keine Reue.

Verstoß gegen Corona-Regeln: Hamburg kassierte bereits 1,5 Millionen Euro an Bußgeldern

Polizeipräsident Meyer fordert deshalb ein konsequentes Eingreifen. Er setzt dabei auch auf die Unterstützung durch den Hamburger Senat. Man müsse „offenbar mit empfindlichen Bußgeldern arbeiten, um etwas zu erreichen“, forderte er in dem Zeitungsinterview. Verstöße gegen die Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen können in Hamburg bereits jetzt geahndet werden. Das Land hat dafür eine eigene Corona-Bußgeld-Verordnung erlassen, über die das Land bereits Gelder in Höhe von 1,5 Millionen Euro eingenommen hat. Ob die Verordnung jedoch angesichts der Pandemie-Müdigkeit einiger renitenter Corona-Leugner noch einmal angepasst wird, bleibt vorerst abzuwarten.

Bei Innensenator Andy Grote (SPD) jedenfalls wird der Polizeichef offene Türen einlaufen. Erst kürzlich hatte er ein konsequentes Vorgehen gegen die Regelbrecher angekündigt. Viele Menschen seien auch genervt von dem illegalen Treiben, hatte der SPD-Politiker gesagt und dabei die Bevölkerung um Mithilfe bei der Verfolgung der Verstöße gebeten. Hinweise aus der Bevölkerung seien zur Eindämmung der Pandemie wichtig und hätten auch nichts mit „Denunziation“ zu tun, stellte Grote klar.

Bei der Hamburger Polizei will man jedenfalls bei der Ahndung der Regelverstößen nicht nachlassen. Man nehme verstärkt Wiederholungstäter ins Visier, versprach der Polizeipräsident. Grundsätzlich sei die Hamburger Polizei gut gerüstet, so Meyer. Wegen der vielen abgesagten Großveranstaltungen plagten keine Personalsorgen die Behörde. Stattdessen sei man auf Corona-Kontrolle und kleineren Demonstrationen unterwegs. „Am Anfang war Corona ein Thema, bei dem man sich als Polizist ein bisschen schütteln musste“, sagte Meyer. „Aber aus der heutigen Sicht sage ich, wer anders als die Polizei soll so eine Mammutaufgabe lösen?“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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