Wer hat recht?

Hamburger Polizisten sollen Teenager attackiert haben – Polizei wehrt sich gegen Gewalt-Vorwürfe

  • Enno Eidens
    vonEnno Eidens
    schließen

Nach Antifa-Aussagen sollen Hamburger Polizisten zwei junge Frauen grundlos geschlagen und eingesperrt haben. Besonders kritisch: die beiden haben migrantischen Hintergrund. Die Polizei Hamburg erzählt eine gänzlich andere Geschichte.

  • Antifa erhebt schwere Vorwürfe gegen Hamburger Polizei*.
  • Zwei junge Frauen wurden in Hamburg*-Altona festgenommen.
  • Polizei Hamburg widerspricht den Vorwürfen.

Hamburg/Altona – Es ist die Nacht auf Donnerstag, den 25. Juni, zwei junge Frauen (18) sind auf dem Nachhauseweg. Plötzlich werden sie von der Hamburger Polizei angehalten. Es entsteht eine Auseinandersetzung, die Polizei wird ruppig, schlägt die Mädchen und sperrt sie in eine Zelle. So zumindest lauten die Vorwürfe, die am darauffolgenden Freitag durch eine Antifa-Gruppe in Altona öffentlich werden. Die Polizei widerspricht den Vorwürfen: Die beiden Frauen seien selbst handgreiflich geworden. Wer hat recht?

Bezirk AltonaDeutscher Stadtbezirk
Fläche77,4 km²
Einwohner275.264 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte3556 Einwohner/km²
Vorwahl040
Koordinaten53° 33′ 0″ N, 9° 56′ 0″ O Koordinaten: 53° 33′ 0″ N, 9° 56′ 0″ O
Adresse der VerwaltungPlatz der Republik 1; 22765 Hamburg

Hamburger Polizei: Angeblich Polizeigewalt gegen zwei Teenager in Altona

Die Vorwürfe sind krass: Alles soll zwischen 2:00 Uhr und 3:00 Uhr nachts in Altona losgegangen sein. Der 25. Juni ist noch dunkel, da sind zwei Teenager-Mädchen auf dem Weg nach Hause. Am Alma-Wartenberg-Platz, vor dem Kiosk 2000 mitten in Hamburg-Altona geht dann das Chaos los. Die Polizei greift die beiden an, schubst, schlägt und fesselt sie. Dann kommen die zwei Teenager in eine Zelle der Hamburger Polizei. Was man ihnen vorwirft, wissen die beiden nicht. Für drei Stunden sitzen sie in der Zelle.

Kam es in Hamburg-Altona zu Polizeigewalt gegen zwei Teenagerinnen? (24hamburg.de-Foto-Montage)

Diese Variante des Vorfalls erzählte am Freitagmorgen eine bekannte Antifa-Gruppe aus Hamburg-Altona. Auf ihren Facebook- und Twitter-SeitenAntifa Altona Ost“ schreiben die linken Aktivisten, welche Motivation sie hinter dem Angriff der Polizei vermuten: „Die beiden Girls mit migrantischem Hintergrund wurden scheinbar willkürlich angegriffen.“ Zudem sehen sie hinter dem Angriff der Polizei keinen Zufall. Die Schikane der Hamburger Polizei habe System.

Das ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Jugendliche, vor allem wenn sie nicht deutsch aussehen von der Polizei schikaniert und misshandelt.

Antifa Altona Ost

Vorwürfe der Hamburger Antifa werden in sozialen Netzwerken kritisiert

Der Beitrag der Antifa Altona Ost wurde (Stand 29. Juni, 14 Uhr) 228 Mal auf Facebook geteilt und hat knapp 300 Kommentare. In denen tauschen sich die Nutzer kritisch aus. Viele können den Vorwürfen kaum glauben, andere halten Sie wegen persönlicher Erfahrungen mit Polizeigewalt für glaubwürdig.

Ein Nutzer ordnet seine Zweifel ein und versucht dabei, objektiv zu bleiben: „Schikaniert UND misshandelt sind heftige Vorwürfe. Wenn es so stimmt, ganz einfach eine Anzeige machen. Gibt ja wohl einige Zeugen. Nebenbei findet tatsächlich auch immer wieder ein Polizei-Bashing statt.“ Darauf reagieren die Nutzer gemischt. Einer antwortet ihm mit einem Problem, das tatsächlich häufig bei Anzeigen gegen die Polizei auftritt: „Warum Anzeigen, du bekommst automatisch eine Gegenanzeige.“

Hamburger Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe der Polizeigewalt in Altona

24hamburg.de hat die Polizei Hamburg am Freitag, 26. Juni um ein Statement zu den Vorwürfen gebeten. Die darin geschilderte Version des Vorfalls unterscheidet sich stark von der aus dem Beitrag der Antifa Altona Ost. Kurz darauf postet die Polizei das Statement auch auf Twitter. Darin widerspricht sie den Vorwürfen und erzählt eine andere Geschichte der Nacht. Die Polizei sei um 2:00 Nachts am 25. Juni zum Alma-Wartenberg-Platz gekommen, um eine Versammlung von 150 trinkenden Personen zu überprüfen und Corona-Maßnahmen durchzusetzen.

„Während der Maßnahmen kam es zu einem Flaschenwurf in Richtung der Polizeikräfte sowie zu Beleidigungen“ schreibt die Polizei Hamburg. Nun kommen die zwei jungen Frauen ins Spiel. Diese hätten die Maßnahmen der Polizei gestört und versucht, durch die Polizeiabsperrung zu kommen. Schließlich habe eine der Frauen einen Polizisten auf die Brust geschlagen.

Hamburger Polizei streitet Rassismus-Vorwurf ab – Diskussion auf Twitter

Die Polizei Hamburg schreibt, wie der Vorfall angeblich weiterging: „Nach dem tätlichen Angriff auf den Beamten kam es durch die beiden Frauen zu weiteren Widerstandshandlungen, wie Kratzen und Treten. Beide konnten schließlich festgehalten, fixiert und schließlich vorläufig festgenommen werden.“

Gegen beide Frauen wird nun wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Das hat 24hamburg.de von der Hamburger Polizei erfahren. Rassistisch will die Polizei nicht gehandelt haben: „Das polizeiliche Einschreiten orientiert sich nicht am Aussehen einer Person, sondern an deren Verhalten.“

Auf Twitter wird das Statement der Polizei diskutiert. Allerdings scheint es kaum noch Interesse an dem Vorfall zu geben. Knapp 20 Kommentare finden sich dort. Die einen glauben der Polizei, die anderen nicht. Ohne Beweis-Videos scheint es schwer, sich auf eine Wahrheit zu einigen. Auch eine rassistische Äußerung befindet sich unter den Kommentaren. Ein Nutzer teilt pauschal gegen angebliche „Migranten“ aus. Der Kommentar ist, Stand 29. Juni, immer noch online.

Polizeigewalt in Hamburg – Aussage gegen Aussage

Immer wieder kommt es zu Beschwerden gegenüber der Hamburger Polizei. Zu ruppig, rücksichtslos und willkürlich würden die Einsatzkräfte vorgehen. Erst am 6. Juni fiel die Polizei auf den „Black-Lives-Matter“-Demos mit einer Aktion besonders negativ auf. Am Hamburger Hauptbahnhof verhaftete die Polizei 36 Menschen* – darunter viele Minderjährige, sogar einen 13-jährigen Jungen. Die Teenager mussten sich teilweise auf der Wache ausziehen und wurden fotografiert. Viele kamen erst spät nachts wieder nach Hause.

Die Polizei Hamburg rechtfertigte die Aktion unter anderem mit dem Verdacht auf Landfriedensbuch und Körperverletzung. Die jungen Menschen wurden offenbar verhaftet, weil sie bei den Demos in der Innenstadt Krawall gemacht haben sollen. Doch Betroffene der Aktion melden sich, beteuern ihre Unschuld. Viele wussten gar nicht, was sie dort erwartet. Ein 14-jähriger Junge und zwei junge Frauen berichten von der Verhaftung durch die Hamburger Polizei am Hauptbahnhof*. Ein Vorfall aus dem Juli 2020 wird intern geprüft. Der Vorwurf: Polizeigewalt am Billstedter Bahnhof, heftige Faustschläge gegen einen am Boden liegenden Mann. Am ZOB drückte die Hamburger Polizei im Juli einen Schmerz-Kiffer zu Boden.

Im Mai haben Hamburger Polizisten bei vier Senioren für Unmut* gesorgt. Die Rentner-WG wurden von der Polizei wegen Einbruchverdachts besucht, doch dort waren nur die vier alte Menschen. Die waren offenbar so unkooperativ und aggressiv, dass die Hamburger Polizei die Senioren gewaltsam zu Boden bringen musste. Dabei verletzten sich zwei Mieter, sie zeigen die Hamburger Polizei an. Absurder ist der aktuelle G20-Prozess in Altona: Ein Ex-Polizist warf beim G20-Gipfel eine Bierdose auf Polizisten. Sein Urteil bekam er im Juli. Deutlich tragischer endete eine Situation in Amsterdam. Der Hamburger Influencer Sammy B. wurde erschossen, die niederländischen Kollegen müssen sich nun verantworten.* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/Jonas Walzberg/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare