Angst vor dem Absaufen

Bundesnotbremse: Hamburger Einzelhandel schiebt Panik

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
    schließen

Einzelhandel und Gastronomie sind in Hamburg lange geschlossen. Bundesnotbremse verschärft den Lockdown noch. Händler zittern vor Pleite und Kündigungswelle.

Hamburg – Nach der Verhängung einer Bundesnotbremse* hat die Hamburger Wirtschaft vor negativen Auswirkungen gewarnt. So sieht die Handelskammer eine riesige Pleitewelle und einen starken Personalabbau auf die Hansestadt Hamburg zurollen. „Die Lage ist sehr ernst. Das zarte Pflänzchen des Aufschwungs vom Ende des vergangenen Jahres wird durch die aktuellen Entwicklungen ausgebremst“, kritisierte Hauptgeschäftsführer Malte Heyne im Interview mit der „Hamburger Morgenpost“. Besonders betroffen: Einzelhandel und Gastronomie.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Am Dienstag hatte das Bundeskabinett das Infektionsschutzgesetz angepasst und das Vorgehen der Bundesländer im Kampf gegen die Corona-Pandemie vereinheitlicht. In der sogenannten Bundesnotbremse ist nun verbindlich festgeschrieben, dass in allen Landkreisen und kreisfreien Städten strenge Corona-Regeln* gelten, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert über 100 klettert. In diesem Fall müssen unter anderem Geschäfte geschlossen, nächtliche Ausgangssperren erlassen und Kontaktverbote verschärft werden.

Bundesnotbremse sorgt für Pleitewelle im Einzelhandel: Lockdown-Verlängerung könnte Hamburg kosten

In Hamburg gelten diese Maßnahmen bereits. Angesichts eines hohen Infektionsgeschehens war der Hamburger Senat bereits vor drei Wochen zu einem Knallhart-Lockdown zurückgekehrt. Nachdem zuvor die Zahlen sprunghaft angestiegen waren, haben sie sich nun auf einem gleichbleibend hohen Niveau eingependelt. Am Mittwoch lag die Inzidenz bei 150.

Treibt sie mit der Bundesnotbremse eine Pleitewelle im Hamburger Einzelhandel voran? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fährt einen strengen Corona-Kurs. (24hamburg.de-Montage)

Vor diesem Hintergrund bezeichnete der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) den Kurs als richtig und effektiv. „Es zeigt sich, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben“, sagte er. Allerdings konnte der Rathauschef am Dienstag nicht abschätzen, wann der Lockdown in der Hansestadt wieder gelockert werden kann. Alles hängt davon ab, wie schnell der Inzidenzwert wieder unter die 100er-Marke gedrückt werden kann.

Seit einem Jahr in der Pandemie mit geschlossenen Geschäften und wegbleibenden Kunden geht einem Teil der Wirtschaft allerdings zunehmend die Luft aus. Zwar variiert nach Angaben der Handelskammer die wirtschaftliche Lage nach Branchen. Doch während die Industrie und der Finanzsektor halbwegs stabil durch die Krise kommen, stehen Gastronomen, Einzelhändler und die Freizeitwirtschaft vor einer enormen Pleitewelle.

Lockdown-Verlängerung: Mit Hilfsfonds soll der Hamburger Senat die Bundesnotbremse abfedern

„Es macht sich überall Perspektivlosigkeit breit“, kritisierte Handelskammer-Geschäftsführer Heyne. Rund 25 Prozent der Betriebe, also jedes vierte Unternehmen, plane jetzt einen Stellenabbau. Das sei „dramatisch“. Niemand ginge mehr davon aus, dass sich die Situation in diesem Jahr noch verbessern könnte.

Doch wie geht es weiter? Am Mittwoch wollten Wirtschaftsvertreter der Handelskammer mit dem Hamburger Senat zu Beratungen zusammenkommen. Bereits im Vorfeld forderte die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft die rot-grüne Landesregierung zu einem stärkeren wirtschaftspolitischen Engagement auf.

Anders als Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen habe der Senat „viel zu wenig Notfall-Hilfe geleistet“, kritisierte der CDU-Wirtschaftsexperte Götz Wiese. Angesichts der drohenden Pleitewelle müsse die Stadt nun unbedingt einen eigenen Hilfsfonds für die Wirtschaft auflegen und mehr Konjunkturgelder zur Verfügung stellen. Allein in Aussicht gestellte Bundesmittel würden nicht ausreichen. Sonst könne Hamburg nicht kraftvoll aus der Krise kommen und der angedrohte Arbeitsplatzabbau ließe sich nicht vermeiden, sagte Wiese. * 24hamburg.de, merkur.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance & Markus Schreiber/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare