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„Gefahr für Kinder, Katzen und Hunde“: Nutrias sorgen in Bergedorf für Ärger

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Von: Daniel Hagen

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Nutrias sind schon seit vielen Jahren in Hamburg und Umgebung heimisch. Sie sehen zwar süß aus und gelten als friedlich, machen in Bergedorf derzeit aber viel Ärger.

Bergedorf – Mit ihrem rotbräunlichen Fell, dem platten Schwanz und den Nagezähnen werden Nutrias oft mit Bibern oder Bisamratten verwechselt. Die Nagetiere stammen jedoch aus Südamerika und haben sich im letzten Jahrhundert in Deutschland verbreitet – dank der Pelzindustrie. Seit den 1990er Jahren wächst die Population auch in Hamburg und Umgebung, was aktuell vor allem im Bezirk Bergedorf für jede Menge Ärger sorgt. Denn die sonst so friedlichen Tiere werden plötzlich gefährlich!

Name:Nutria
Wissenschaftlicher Name:Myocastor coypus
Erhaltungszustand:Ungefährdet (Abnehmend)
Ordnung:Nagetiere
Familie:Stachelratten (Echimyidae)

„Nutriaplage“ in Bergedorf: Nagetiere greifen Kinder, Hunde und Katzen an

„Es handelt sich um eine invasive Art, die die heimische Flora und Fauna erheblich bedroht und zu einer massiven Gefahr für Deiche und Gewässerkanten und -böschungen werden kann. Ferner können die Tiere recht angriffslustig werden und eine Gefahr für Kinder, Katzen und Hunde darstellen.“ Diese mahnenden Worte stammen aus einer Anfrage der FDP-Fraktion, die am Mittwoch (9. November) in einer Sitzung des Umweltausschusses besprochen worden ist.

Nutrias sorgen in Bergedorf für Chaos.
Nutrias sorgen in Bergedorf für Chaos. (Symbolfoto) © MARC JOHN via www.imago-images.de

In der Anfrage geht es um die Ergreifung wirksamer Maßnahmen gegen die „Nutriaplage“ in Bergedorf. Die sonst so scheuen Nagetiere sollen nämlich regelmäßig für gefährliche Situationen sorgen, indem sie mit ihren scharfen Schneidezähnen auch auf Kinder, Katzen und Hunde losgehen, wie Maria Westberg (Linke) laut der Bergedorfer Zeitung im Umweltausschuss erklärt.

BUKEA stuft „Nutriaplage“ in Bergedorf komplett anders ein

Die Situation in Bergedorf wird vom Bundesamt für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) in Hamburg aber etwas anders gesehen. „Von einer Nutriaplage und Schäden, die erheblich die öffentliche Sicherheit gefährden, kann aber keine Rede sein“, heißt es in einem Bericht der BUKEA, in dem auch davor gewarnt wird, die Nutrias zu füttern. Die Warnung kommt aber wohl zu spät, da die Tiere schon seit Jahren in Bergedorf gefüttert werden, wodurch die Population dort wächst.

Das Bundesamt stufe die durch die Nagetiere verursachten Schäden an Deichen und der Natur zudem nur als „gering“ ein, wie aus der Antwort auf die Anfrage hervorgeht. Nutrias sind nämlich bekannt dafür, dass sie mit ihren Bauten Deichanlagen und Uferbereiche unterhöhlen, wodurch erhebliche Schäden aufkommen können. Laut der BUKEA sei ein solcher Fall aber „ausgeschlossen“, da die Deiche über dem Lebensraum der Nagetiere lägen. Nur die Schleusengrabendeiche würden als „potenziell gefährdet“ eingeschätzt.

Wo leben Nutrias in Deutschland?

Nach Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) kommen Nutrias mittlerweile überall in der Bundesrepublik vor. Besonders im Nordwesten Deutschlands an Ems, Weser, Elbe und Rhein gibt es viele. Als Gründe für die Verbreitung sehen Jäger mildere Winter durch den Klimawandel und Fütterungen der Tiere. In den meisten Bundesländern sind Nutrias ins Jagdrecht aufgenommen worden.

Jäger kümmern sich um Nutrias in Bergedorf – aber bekommen zu wenig Geld

Schon seit Jahren sind zwei Bisamjäger in Bergedorf im Einsatz, um die Ausbreitung der Nutrias zu bekämpfen. Dafür werden seit 2019 Lebendfallen eingesetzt. Noch in diesem Jahr sind laut BUKEA 217 Tiere gefangen und getötet worden. Im Jahr darauf ist die Zahl schon auf über 600 gestiegen. Zuletzt (2021/22) sind den Jägern über 1.100 der Nager ins Netz gegangen. Auch immer mehr Spinnen breiten sich derzeit in Deutschland aus, die zwar nicht heimisch sind, dafür aber giftig.

Die Jagd nach den Nutrias sei laut der Bergedorfer Zeitung aktuell aber ins Stocken geraten, wofür es auch einen Grund gibt: die Schwanzprämie. Das bedeutet, dass Jäger pro getötetem Nutria neun Euro bekommen – zu wenig, wenn es nach Jäger Gerald Eggers geht. Für die Fahrt aus den Vier- und Marschlande nach Bergedorf und den Aufwand reiche das Geld kaum aus.

Nutrias in Bergedorf: BUKEA plant Gutachten und Neuausrichtung

Trotz alledem sieht die BUKEA keinen Nutzen einer „Intensivierung der Bekämpfung“, obwohl die FDP-Fraktion in ihrer Anfrage klarmacht, dass die bisherigen Maßnahmen in „keiner Weise“ ausreichten. Stattdessen plant die Behörde, das Management der weit verbreiteten invasiven gebietsfremden Arten direkt an die Bezirke zu übertragen. Ein speziell auf den Bezirk Bergedorf zugeschnittenes Konzept soll es laut BUKEA übrigens nicht geben.

Zudem würden aktuell Schutzgebietsverordnungen überarbeitet werden, um neue Bekämpfungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Die Nutrias unterliegen in Hamburg nämlich nicht dem Jagdrecht, können aber im Rahmen des Jagdschutzes trotzdem innerhalb der Jagdbezirke gejagt werden. Zudem sei ein Gutachten in Arbeit, um die Schäden zu untersuchen. „Dafür brauchen wir konkrete Meldungen von Schäden durch Nutrias in Bergedorf. Und da gibt es bisher leider gar nichts“, erklärt Nina Klar von der Umweltbehörde laut Bergedorfer Zeitung. Ein Ende des Problems liegt also noch weit in der Ferne.(dh)

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