Bundesweite Kosten-Debatte

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) über Corona-Touristen-Risiko: Reisende sollen Tests selber zahlen

  • Enno Eidens
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Viele fordern eine Kostenbeteiligung von Rückkehrern aus Risikogebieten, doch CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn besteht auf kostenlose Tests. Nun äußert sich auch Peter Tschentscher (SPD) zum Thema.

  • Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) diskutiert Kosten für Coronavirus-Tests.
  • Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bleibt bei voller Kostenübernahme.
  • Covidioten“ beschäftigen Hamburgs* SPD-Bürgermeister.

Hamburg Peter Tschentscher (SPD)* schlägt ungewohnt harsche Töne an. Hamburgs Erster Bürgermeister geht mit den Risiko-Reisenden ins Gericht. In Frank Plasbergs Talkshow „hart aber fair“ äußert sich der SPD-Politiker am Montag, 17. August mit deutlicher Wortwahl zum Thema Test-Kosten. Peter Tschentscher wirft dabei eine konkrete Frage auf: Warum zahlen die Reisende aus Risikogebieten ihren Coronavirus-Tests nicht selbst? Damit stellt sich Hamburgs Bürgermeister Tschentscher gegen die Position von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU. 24hamburg.de berichtet über den Kostenstreit bei den Coronavirus-Tests.

Peter TschentscherErster Bürgermeister
Geboren: 20. Januar 1966 (Alter 54 Jahre), Bremen
Ehepartnerin:Eva-Maria Tschentscher (verh. 1998)
Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Amt:Bürgermeister von Hamburg seit 2018
Ausbildung:Universität Hamburg (1995), Universität Hamburg

Peter Tschentscher (SPD): Hamburgs Bürgermeister stellt die Kostenfrage bei den Coronavirus-Tests

Seit dem 8. August gibt es sie – die Testpflicht für alle, die aus Coronavirus-Risikogebieten zurückkehren. Nun ist ein beliebtes Reiseziel der Deutschen auch auf dieser Liste gelandet: Spanien, darunter auch die Insel Mallorca. Das Coronavirus-Testzentrum im Hamburger Flughafen* ist bereits überlastet, doch die Stadt und das Rote Kreuz wollen die Abläufe optimieren. Das neue Testzentrum am Hamburger Hauptbahnhof* soll weiter entlasten. Eine damit verbundene Frage wird seit Wochen in Deutschland diskutiert: Wer soll den Test bezahlen?

Die Positionen sind recht klar: Aktuell zahlt die Krankenkasse für den Test, wenn jemand aus einem Coronavirus-Risikogebiet zurückkehrt. Jens Spahn hat diesen Weg erst am Montag, 17. August verteidigt. Laut dem Bundesgesundheitsminister würden Bezahltests einen „falschen Anreiz, sich dem Test zu entziehen“ setzen. Das berichtet springermedizin.de – dahinter steckt eine ganz logische Überlegung. Die Bundesregierung wolle möglichst viele Menschen aus diesen Risikogebieten testen. Wenn durch hohe Kosten nun eine weitere Hürde dazukommt, könnten sich viele den Tests entziehen wollen. Eine vier- oder fünfköpfige Familie müsse aktuell mit bis zu 400 Euro Kosten rechnen.

Peter Tschentscher (SPD) und Jens Spahn (CDU) diskutieren Corona-Kostenfrage. (24hamburg.de-Montage)

Peter Tschentscher (SPD) in Hamburg und Michael Müller (SPD) in Berlin kritisieren Spahns Gratis-Linie

Zwei deutsche SPD-Bürgermeister haben damit ein Problem. So hatte bereits Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) gefordert, die Reisenden aus Coronavirus-Risikogebieten an den Kosten für die Tests zu beteiligen, schließlich gingen diese bewusst ein Risiko ein. Bei seinem Anliegen bekommt er nun Unterstützung von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher, mit dem er sich auch ein Parteibuch teilt. Der SPD-Mann aus Hamburg hat sich in Frank Plasbergs Talkshow „hart aber fair“ zu den Coronavirus-Tests geäußert.

Peter Tschentschers Kritik beginnt allerdings an einem anderen Punkt. Ihn stört die Art und Weise, in der getestet wird. So sei es sinnlos, vor der Abreise zu testen – die Urlauber könnten danach mit anderen Menschen in Kontakt kommen und sich das Coronavirus* einfangen. Auch die Hamburger Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) habe schon mehrfach auf eine Testpflicht hingewiesen, diese wurde allerdings erst am 8. August umgesetzt. Ein großer Teil der deutschen Urlauber war zu diesem Zeitpunkt bereits vereist und heimgekehrt – auch aus Risikogebieten.

Auch grundlegende Kritik übt Tschentscher: Es sei sinnvoll, generell nicht in ein Risikogebiet zu reisen. Dennoch will der Hamburger SPD-Bürgermeister weder ein Reiseverbot, noch die deutschen Grenzen schließen. Solange ein Land keine höheren Fallzahlen als Deutschland habe, sei es kein Problem, dort hinzureisen. Wer auf eine Reise ins Risikogebiet nicht verzichten könne, solle daheim in 14-tägige Quarantäne treten und sich erst vier Tage nach seiner Rückkehr testen lassen. Dann seien die Coronavirus-Tests wirklich aussagekräftig, so Tschentscher. Auch das Kostenthema ist Teil seiner Kritik, Peter Tschentscher stellt dabei eine offene Frage, die klar auf eine Antwort abzielt. 24hamburg.de hat Peter Tschentscher auf den Mund geschaut.

Man darf sich schon fragen, warum diejenigen, die in Risikogebiete fahren, die Tests nicht selber zahlen?!

Peter Tschentscher (SPD, Hamburgs Erster Bürgermeister)

Peter Tschentscher (SPD) über Coronavirus-Kritiker: Alles „Covidioten” in Hamburg?

Seit vielen Wochen demonstrieren deutschlandweit Menschen gegen die Coronavirus-Maßnahmen. Besonders viele waren es bei der großen Coronavirus-Kritiker-Demo in Berlin*. Merkur.de berichtet über die Veranstaltung mit rund 17.000 Teilnehmern. Peter Tschentschers Parteigenossin und -chefin Saskia Esken nannte die Demonstranten „Covidioten“ – und auch Hamburgs Bürgermeister verneint nicht, dass sich unter den Protestierenden ein paar Idioten befinden würden, wenn auch der Begriff „Covidioten“ nicht auf alle zutreffen würden.

In Hamburg gab es am vergangenen Wochenende ebenfalls Demonstrationen gegen die Coronavirus-Maßnahmen. Das Bündnis „Querdenken 40“ traf sich am Jungfernstieg*, um mit Reden und Musikbeiträgen gegen die Coronavirus-Regeln zu demonstrieren. Die Coronavirus-Kritiker-Szene ist extrem divers und geht trotzdem häufig gemeinsam „auf die Straße“ – das führt dazu, dass gewöhnliche Bürger mit Esoterikern und Rechtsextremen gemeinsam protestieren. Für diese Akzeptanz von rechtem und verschwörerischen Gedankengut kassiert die Coronavirus-Skeptiker-Bewegung viel Kritik.

Ein besonderes Beispiel ist der Berliner Kochbuchautor Attila Hildmann*. Seine Reichsbürger-Ideologie* und seine gefährlich rechten Thesen halten seine Anhänger nicht davon ab, ihm regelmäßig in die Berliner Öffentlichkeit zu folgen. In Berlin sind Attila Hildmanns Demos* inzwischen verboten. * 24hamburg.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/Christian Charisius/Tobias Schwarz/dpa/picture alliance/AFP Pool

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