Hamburgs Erster Bürgermeister im Porträt

Peter Tschentscher: Hamburgs Erster Bürgermeister, SPD-Politiker und Coronavirus-Krisenmanager

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hält während der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft eine Rede am Rednerpult.
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Peter Tschentscher ist seit dem Jahr 2018 Hamburgs Erster Bürgermeister.
  • Johannes Rosenburg
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Peter Tschentscher, der amtierende Bürgermeister Hamburgs, hat als Mediziner Karriere gemacht und auch als Politiker einen beispiellosen Aufstieg hingelegt. Im Juni 2020 wurde er als Erster Bürgermeister wiedergewählt. Über sein Privatleben ist allerdings nur wenig bekannt.

  • Peter Tschentscher ist seit dem 28. März 2018 Bürgermeister Hamburgs.
  • Am 10. Juni 2020 wurde er von der Bürgerschaft wiedergewählt*.
  • Der Politiker ist habilitierter Arzt und wuchs in Bremen* auf.
  • Er ist mit Eva-Maria Tschentscher verheiratet und hat mit ihr einen Sohn.

Hamburg/Bremen – Peter Tschentscher (geboren am 20. Januar 1966) ist gebürtiger Bremer und wuchs in Niedersachsen auf. Nach seinem Schulabschluss zog er in die Hansestadt und absolvierte hier ein Studium der Humanmedizin. Tschentscher wird schließlich Facharzt für Laboratoriumsmedizin und ergattert zudem eine Anstellung als Privatdozent an der Universität Hamburg.

Schon früh interessierte sich der gebürtige Bremer für Kommunalpolitik und wurde Mitglied der SPD. Er zog in die Hamburgerische Bürgerschaft ein, wurde stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender und im März 2018 – im Alter von 52 Jahren – schließlich Erster Bürgermeister Hamburgs. Peter Tschentscher ist mit Eva-Maria Tschentscher (geboren im Jahr 1965) verheiratet und Vater eines Sohnes. Als politische Größe kann er eine beeindruckende Vita vorweisen.

Peter Tschentscher: Kindheit und Jugend des zukünftigen Bürgermeisters

Peter Tschentscher kam am 20. Januar 1966 in Bremen zur Welt. Sein Vater war als Holzkaufmann tätig, seine Mutter gelernte Schneidermeisterin. Das Paar hatte insgesamt vier Kinder und lebte im Bremer Stadtteil Osterholz-Tenever. Die Großsiedlung ist als sozialer Brennpunkt der Stadt bekannt und von Plattenbauten übersät. In den 70ern waren die Tschentschers aus ihrer kleinen Oldenburger Mietwohnung in ein gefördertes Reihenhaus gezogen. Die Gegend galt damals vor allem für Kinder als nicht besonders sicher.

Peter Tschentscher selbst berichtet, aus Angst vor den umherlaufenden Straßenbanden nicht mal den Schulweg allein gegangen zu sein. Seine Kindheit hat laut eigener Aussage seinen späteren Weg als Politiker entscheidend beeinflusst. Gerade die Themen Sicherheit, Gewaltprävention an Schulen und Chancengleichheit liegen ihm aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen als Kind und Jugendlicher besonders am Herzen.

Peter Tschentscher: Privatleben und Familie

Sein Privatleben hält der amtierende Bürgermeister Hamburgs erfolgreich aus der Presse raus. Bekannt ist, dass er seit 1998 mit Eva-Maria Tschentscher verheiratet ist. Das Paar hat einen gemeinsamen, inzwischen erwachsenen Sohn. Wenngleich Peter Tschentscher selbst in einem Interview angab, dem evangelischen Glauben anzugehören, war er trotzdem einer jener Politiker, die die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen vorantrieben. Er und Ehefrau Eva-Maria waren auch bei der kirchlichen Trauung des Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und seinem Partner Christoph Rohde zu Gast.

Die dreiköpfige Familie hat ihren Wohnort schon vor Jahren aus Winterhude in das beschauliche Hamburg-Barmbek-Nord verlegt. Peter Tschentscher hat einen älteren und zwei jüngere Brüder, die sich allerdings allesamt weitestgehend aus den Medien raushalten. Der Politiker gibt an, zu allen dreien ein enges Verhältnis zu haben. Er war mit der Hamburger Legende Jan Fedder (* 14. Januar 1955, ✝ 30. Dezember 2019) eng befreundet und wohnte auch dessen Bestattung bei. In seiner Freizeit ist Peter Tschentscher gerne mit Ehefrau Eva-Maria in der Natur unterwegs oder liest Krimis.

Peter Tschentscher: Karriere als Arzt

Peter Tschentscher ging in Osterholz-Tenver zur Schule und absolvierte sein Abitur 1985 am Gymnasium Eversten Oldenburg. Danach verzichtete der angehende Mediziner auf den Wehrdienst und entschied sich stattdessen für den Zivildienst. Diesen leistete er im Rettungsdienst ab, was sein initiales Interesse an Medizin zusätzlich verstärkte. Dank seines herausragenden Abiturschnitts konnte er schon im Folgejahr das Humanmedizinstudium an der Universität Hamburg antreten. Nebenbei studierte Peter Tschentscher zudem Molekularbiologie. Zudem konnte er ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung ergattern.

1994 schloss er im Alter von 28 Jahren sein Medizinstudium summa cum laude ab. Im darauffolgenden Jahr promovierte der heutige Bürgermeister Hamburgs mit einer Arbeit zur immunchemischen Unterscheidung hochhomologer Proteinstrukturen und sicherte sich so den Doktortitel. Sofort nach seinem Abschluss 1994 heuerte er als Assistenzarzt für Laboratoriumsmedizin, Innere Medizin, Transfusionsmedizin und Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, kurz UKE, an. Seine medizinische Karriere dauerte von 1994 bis 2011. Dann beendete Peter Tschentscher seine Tätigkeit am UKE und wurde Senatsmitglied.

Peter Tschentschers Weg in die Politik

1989 wurde Peter Tschentscher offiziell SPD-Mitglied. Besonders seine Kindheit im Problembezirk Osterholz-Tenever prägte die Gestaltung seiner politischen Ziele:

  • Mehr soziale Gerechtigkeit
  • Mehr Engagement für benachteiligte Kinder
  • Mehr Gestaltungsfreiheit innerhalb von Parteien

Nachdem er jahrzehntelang politische Termine eher nebenbei absolvierte, wurde Peter Tschentscher 2008 schließlich Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Hamburg-Nord und hatte dieses Amt bis 2018 inne. Zuvor war er von 1991 bis 2008 Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Nord und konnte sich 1999 als Vorsitzender der SPD Hamburg Fraktion durchsetzen.

Peter Tschentscher, Hamburgs Erster Bürgermeister, bei der Veranstaltung „Jugend debattiert“ in der Hamburger Bürgerschaft am 5. Februar 2020.

Während der beiden Amtsperioden von Olaf Scholz (2011 bis 2018) war Peter Tschentscher als Finanzsenator der Freien Hansestadt tätig. Nachdem das Amt von der Bürgerschaft bestätigt wurde, musste er nach Artikel 39 der Verfassung sein Bürgerschaftsmandat ruhen lassen. Kurz zuvor wurde er zudem als Vorsitzender des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses „Elbphilharmonie“ ernannt und musste hierzu seine Mitgliedschaft im Untersuchungsausschuss der HSH-Nordbank aufgeben.

Peter Tschentscher wurde schließlich am 28. März 2018 zum Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg ernannt. Am 23. Februar 2020 gewann er mit der SPD die Bürgerschaftswahl in Hamburgund wird nach längeren Koalitionsverhandlungen mit den Grünen am 10. Juni 2020 in seine zweite Amtsperiode als Erster Bürgermeister gewählt. Inhaltlich ging es unter anderem um Verkehr, Klimaschutz und Rechtsextremismus. Auch die Coronavirus-Krise wird die neue alte Koalition bewältigen müssen. Dazu plant sie ein Konjunkturpaket. Kritik gibt es für die geringe Frauenquote in Tschentschers Kabinett 2020*.

Tschentschers Steckbrief, Lebenslauf und politische Stationen im Überblick:

  • 1995: Promotion
  • 2008: Habilitation
  • 1989: SPD-Parteieintritt
  • 1999: Vorsitz der SPD-Fraktion
  • 2008: Vorsitz des SPD-Kreisverbands Hamburg-Nord
  • 2011 bis 2018: Finanzsenator Hamburgs
  • 2018: Erster Bürgermeister Hamburgs
  • 2020: Wiederwahl zum Ersten Bürgermeister Hamburgs

Peter Tschentscher: Der Politiker in der Kritik

Wenngleich Peter Tschentscher unter Kollegen für seine Bodenständigkeit und Zurückhaltung bekannt ist, stand der amtierende Erste Bürgermeister auch schon in heftiger Kritik. Besonders seine Gestaltungsfähigkeit wurde häufig bemängelt. So bemerkte Oppositionspolitiker Elmar Wiesendahl (geboren im Jahr 1945), dass Peter Tschentscher auch als Regierungschef eher verwalte statt gestalte.

Aber auch seine Tätigkeit als Finanzsenator geriet 2020 nochmals in den Fokus der Aufmerksamkeit. So wurde bekannt, dass er damals darauf verzichtet hatte, Steuererstattungen in Höhe von 47 Millionen Euro von der Privatbank M.M.Warburg & Co. zurückzufordern. Auch Olaf Scholz (geboren am 14. Juni 1958), damals Regierungschef, schaltete sich in die Debatte ein und gab gemeinsam mit Peter Tschentscher zu, zwar den Bankier getroffen, jedoch keinen politischen Einfluss auf die Steuererstattungen ausgeübt zu haben. Die Cum-Ex-Affäre scheint Umfragen zufolge auch an der Glaubwürdigkeit des amtierenden Bürgermeisters gerüttelt zu haben. In einem Live-Interview im Norddeutsche Rundfunk (NDR) verteidigte sich der Spitzenpolitiker mit klaren Worten.

SPD-Bürgermeister in der Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise

Doch nicht nur die Debatte um die Cum-Ex-Geschäfte der Privatbank M.M.Warburg & Co. bereitete Peter Tschentscher 2020 Kopfzerbrechen. Die zu Jahresbeginn ausufernde Cornavirus-Sars-CoV-2-Pandemie bescherte ihm den Titel Corona-Bürgermeister und stellt auch die Hansestadt vor massive Herausforderungen. Ausgangsbeschränkungen, die Schließung von Geschäften sowie der sprunghafte Anstieg der Arbeitslosenzahlen sorgen für einen spürbaren Umschwung. Peter Tschentscher versprach gemeinsam mit seinen Regierungskollegen finanzielle Hilfe in Milliardenhöhe, mit denen Betroffenen unter die Arme gegriffen und finanzielle Engpässe überbrückt werden sollen.

Peter Tschentscher äußerte sich im Mai 2020 bei Markus Lanz* zu dem Verhalten der Hamburger Bürger in der Coronavirus-Krise* und kommentierte unter anderem die sogennanten Hygiene-Demos in Hamburg*.

Auf Instagram, Twitter und Facebook gibt die Stadtregierung alle Maßnahmenänderungen bekannt. Wer von der Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise finanziell betroffen ist und nähere Informationen benötigt, findet diese in der eigens eingerichteten Rubrik der Senats-Webseite. Kontakt zum zuständigen Bearbeitungsteam lässt sich über die hinterlegte Telefonnummer oder E-Mail-Adresse aufnehmen. Quelle: 24hamburg.de * nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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