Reeperbahn auch bald am Ende?

Größtes Bordell in Europa stirbt am Coronavirus – Liebesdienstlerinnen des weltberühmten „Pascha“ in Gefahr

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Diese außergewöhnliche Pleite zeigt: Es sterben nicht nur Menschen am Coronavirus. Die Kölner Liebesdienst-Institution „Pascha“ vermeldet am Dienstag, 1. September 2020, dass der Club pleite ist. Das Kult-Lusthaus stirbt den Coronavirus-Tod und geht in die Insolvenz.

  • Das „Pascha“ in Köln-Nippes stirbt den Coronavirus*-Tod.
  • Europas größtes Bordell meldet Insolvenz an.
  • Prostituierten droht nun nächste Gefahr.

Köln/HamburgFreier, Zuhälter und Lebemänner mit dem Verlangen nach käuflicher, unkomplizierter Liebe stehen vor einem Scherbenhaufen: Europas größtes Bordell ist pleite. Das weltberühmte Pascha in Köln musste wegen der Coronavirus-Pandemie Insolvenz anmelden.

Nachtclub:Pascha
Adresse: Hornstraße 2, 50823 Köln
Telefon: 0221 17906100

Seit fünf Monaten herrscht in DeutschlandsFreudenhäusern“ tote Hose. Das Pascha, das einst Millionen-Umsätze machte, ist nun Geschichte. Das bestätigte Geschäftsführer Armin Lobscheid dem „Express“. Der Pascha-Boss traurig: „Es ist irgendwie unvorstellbar, aber ich habe den Insolvenzantrag am Dienstag beim Amtsgericht eingereicht. Wir sind am Ende.“

Auch mit Mundschutz dürfen deutsche Prostituierte momentan nicht ran. Das Coronavirus verbietet jegliche Freude im Freudenhaus. Das Kölner Pascha ging daran pleite. (24hamburg.de-Montage)

Die Rücklagen des Riesen-Bordells seien aufgebraucht. Zu teuer war die Unterhaltung des zehnstöckigen Puffs, in dem einst 120 Prostituierte anschafften, so viele Monate ohne einen Cent Einnahmen. Sechzig Angestellte, darunter Handwerker, Köche, Friseure, Elektriker, Masseure, Reinigungskräfte und Sicherheitsleute mussten weiter bezahlt werden. Zudem laufen Miete und Heizkosten noch immer weiter.

Kölner Pascha ist pleite: Steht auch Hamburgs Rotlicht-Milieu auf der Reeperbahn vor dem Aus?

Das andauernde Prostitutionsverbot hat auch die Hamburger* Rotlicht-Szene schwer getroffen. Auf der Reeperbahn* gingen neulich Prostituierte auf die Straße, um für ihre Arbeitserlaubnis zu kämpfen, wie 24hamburg.de berichtet. Doch Bürgermeister Peter Tschentscher* konnten sie mit ihrem skurrilen Hygienekonzept bislang nicht überzeugen. Der Pascha-Betreiber kritisiert die Corona-Politik der Behörden: „Man hat uns alle 14 Tage auf weitere zwei Wochen vertröstet. So können wir nicht planen.“

Pascha-Boss Armin Lobscheid ist sauer auf Corona-Politik – Pleite hätte verhindert werden können

Besonders dramatisch: Hätte es eine konkrete Ansage der Stadt gegeben, wann das Geschäft mit der Liebe wieder aufgenommen werden darf, hätte das Pascha die Insolvenz mithilfe der Banken eventuell abwenden können. „Wenn man uns zugesagt hätte, dass es Anfang nächsten Jahres wieder losgehen kann“, so Armin Lobscheid. Er skizziert einen bitter-bösen Nebeneffekt der Corona-Politik in Sachen Prostitution: „Jeder in der Branche weiß, dass das Geschäft mit dem käuflichen S** munter weitergeht. Allerdings so, wie es keiner wirklich begrüßen wird, nämlich in der Anonymität und vorbei am Finanzamt.“

Pascha in Köln stirbt an Coronavirus: Prostituierten droht nun krimineller Geschlechtsverkehr und Gewalt

Ob Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer (77), die jahrelang für ein Prostitutionsverbot kämpften, nun glücklich über die Situation sind? Denn faktisch ist das Geschäft mit der Liebe derzeit verboten. Doch Huren, die auf das Geld angewiesen sind und keine anderen Mittel haben als ihre Körper zu verkaufen, droht nun eine ganz neue Gefahr, wie Armin Lobscheid aufzeigt: „Weil die Nachfrage weiter vorhanden ist, treffen sich die Frauen nun in Hotels, Wohnungen, Autos und Wohnwagen mit den Männern.“

Problem daran: Sie genießen keinen Schutz mehr, sind ihren Freiern und Zuhältern hilflos ausgeliefert. Pascha-Chef Armin Lobscheid: „Sie können ja schlecht zur Polizei, wenn etwas passiert. Das wissen die Freier und zwingen sie zum Beispiel zum Verkehr ohne Gummi (Kondom, Anmerkung der Redaktion).“ Diese und weitere Horror-Storys habe der Pascha-Gigant von den Frauen selbst erfahren. „Bulgarische Zuhälter nehmen ihren Frauen jetzt das ganze Geld ab. Nur für Zigaretten lassen sie ihnen etwas.“

Coronavirus: Stadt Köln trauert um Pascha-Pleite – ziehen andere Bordelle und Clubs jetzt nach?

Ob andere Bordelle und Nachtclubs bald nachziehen und ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, ist gut möglich – wenn sogar der Marktführer laut eigenem Bekunden „am Ende“ ist. Wie der „Express“ berichtet, sei sogar die Stadt Köln erschüttert über das Aus des Mega-Bordells. Der Kontakt zwischen Ordnungsbehörden und Pascha sei zuletzt immer sehr zuverlässig und vertrauensvoll gewesen. Armin Lobscheid: „Meine Ansprechpartner bei den Behörden wollten das kaum glauben, aber letztlich geht es darum, dass wir kein Geld mehr haben und dann bleibt uns nichts anderes mehr übrig.“

Pascha in Köln wegen Coronavirus pleite: Was wird aus Europas verruchtestem Hochhaus?

Was der Vermieter des weltweit bekannten blauen Hochhauses in der Hornstraße 2 in Köln-Nippes nach Beendigung des Mietvertrages mit Pascha mit dem Gebäude vorhat, ist ungewiss. Das Nutzungskonzept steht allerdings fest. Das Hochhaus wurde schon immer als Bordell genutzt. Doch die Prostitutions-Flaute dürfte noch mehrere Monate andauern. In dieser Zeit wird kaum jemand den blauen Wolkenkratzer für diese Zwecke anmieten wollen.

Eine Genehmigung zur Nutzung als Hotel oder als Flüchtlingsunterkunft ist eher unwahrscheinlich. Das Haus müsste aufwendig umgebaut werden. Armin Lobscheid: „Wir müssen nun mit dem Insolvenzverwalter viele Fragen klären. Das Haus muss ja nun über den Winter beheizt werden, weil es sonst zu einer baufälligen Ruine verkommen würde. Das Haus kostet eben auch Geld, obwohl es zu ist.“ Von einst 120 Damen wohnen mittlerweile nur noch zwei Liebes-Arbeiterinnen auf ihren Zimmern. Lobscheid: „Sie wüssten sonst nicht, wo sie hinsollen. Man mag es nicht glauben, aber das Pascha war ein Stück weit ihr zu Hause.“ *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.  

Rubriklistenbild: © Felix Hörhager/dpa, Oliver Berg/dpa

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