Tanzen als Modellprojekt

Feiern wie vor Corona: Wird Schleswig-Holstein das neue Malle?

  • Annabel Schütt
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Tanzverbot aufgehoben! Schleswig-Holstein lässt grüßen: In einem Modell-Projekt dürfen ausgewählte Clubs bald wieder öffnen. Davon kann Hamburg nur träumen.

Hamburg – Entspannt einen Drink genießen, zwischendurch zum Lieblingslied den Dancefloor stürmen und eine heiße Tanzeinlage aufs Parkett legen: in Zeiten von Corona kaum vorstellbar. Seit rund einem Jahr ist es in den deutschen Nachtclubs zappenduster. Einzig und allein Puck, die Stubenfliege, und die ein oder andere Staubwolke verirren sich hier und da noch auf die Tanzfläche.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Doch nun gibt es endlich ein bisschen Licht am Ende eines sehr langen Tunnels. Vielerorts gehen die Inzidenzwerte gen null. Und da träumen viele seit langem endlich wieder von vollen Tanzflächen, feuchtfröhliche Abenden – und vor allem Abzappeln ohne Mindestabstand und Maske. Feiern wie vor Corona eben.

Feiern wie vor der Corona-Pandemie: Modellprojekt in Schleswig-Holstein macht‘s möglich

Schleswig-Holstein macht‘s möglich. Nach unzähligen Corona-Lockerungen sollen schon ab dem 20. Juli im nördlichsten Bundesland alle Hemmungen fallen – natürlich im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Modellprojekts. Bis zum 2. Juli haben die Kneipe von nebenan und die Großraumdisco Zeit, sich für die Teilnahme zu bewerben. Einzige Voraussetzung: eine Lüftungsanlage, sodass ein stetiger Luftaustausch gewährleistet ist, womit die Clubbetreiber prompt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn wer schwitzt bei einer Außentemperatur von 35 Grad im Hochsommer schon gerne beim Tanzen?!

Am Ende der Bewerbungsphase werden drei Clubs, die jeweils 200, 500 und 2.000 Gäste empfangen können, ausgewählt. Pro Betreiber dürfen innerhalb von vier Wochen drei Veranstaltungen stattfinden.

Party in Schleswig-Holstein: Ohne Maskenpflicht und ohne Mindestabstand

Ganz ohne Regeln geht der feuchtfröhliche Party-Spaß dann aber trotzdem nicht. Alle Party-People und Tanz-Mäuse müssen sich vorher anmelden und zustimmen, dass ihre Daten an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden dürfen. Zudem darf nur feiern, wer Corona-genesen, vollständig geimpft oder getestet ist. Dabei darf der Corona-Test nicht älter als sechs Stunden sein. Zudem muss am zweiten, vierten, sechsten und zehnten Tag nach dem Disko-Besuch getestet werden – Geimpfte und Genesene sind davon ausgeschlossen. Andere Bundesländer sind in Sachen Diskotheken weniger vorsichtig. Während in Hamburg Tanzkeller weiter geschlossen bleiben, dürfen Clubs, Diskotheken und Bars in Niedersachsen schon bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 öffnen – allerdings mit Maskenpflicht.

Feiern wie vor Corona? In Schleswig-Holstein ist das bald wieder möglich. (24hamburg.de-Montage)

Ob Hamburger sich also im Juli in ihre Party-Outfits schmeißen und unterwegs vorglühen, um in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen die Sau herauszulassen, bleibt abzuwarten. Schließlich denkt der Hamburger Senat bereits darüber nach, auch vor Ort das Tanzverbot zu lockern, nachdem sich bei hochsommerlichen Temperaturen bereits tausende Menschen im Hamburger Stadtpark versammelt und gefeiert hatten. Und nicht nur da: Wegen der vielen Feierwütigen versinkt auch die Schanze in Urin, Kot und Kotze und auch im feinen Winterhude herrscht wegen des jungen Party-Volks Suff, Dreck und Krawall. Da wäre eine gepflegte Club-Nacht schon angenhemer.

Kann also schon sein, dass halb Hamburg im Corona-Sommer 2021 statt nach Malle nach Schleswig-Holstein pilgert. Ob das eine gute Idee ist, sollte jeder für sich entscheiden – am besten vor dem ersten Party-Drink. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Franziska Kraufmann/picture alliance/dpa & Christoph Soeder /picture alliance/dpa

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