Hartes Eingreifen gegen Feiernde

Party mit Wasserwerfer aufgelöst: Übertreibt die Hamburger Polizei?

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Um eine illegale Party aufzulösen, fährt die Hamburger Polizei mit einem Wasserwerfer vor. Zu viel des Guten? Die Beamten müssen sich reichlich Kritik gefallen lassen.

Hamburg – Die Corona-Zahlen in der Hansestadt Hamburg sinken, die Temperaturen steigen, viele Hamburger sind in Feier-Stimmung. Einige versammeln sich im Stadtpark, der Schanze oder an der Alster. Die Stimmung ist gut – bis die Polizei dazukommt Das Problem der Beamten: Die Corona-Regeln werden nicht eingehalten. Weil Partys in der Größenordnung noch nicht erlaubt sind, greift die Polizei Hamburg zu harten Maßnahmen. Mal wird das komplette Schanzenviertel abgeriegelt, mal fährt die Polizei sogar mit einem Wasserwerfer vor, um die Feiernden zu vertreiben. Geht dieses harte Eingreifen zu weit?

Stadt in Deutschland:Hamburg
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher
Innensenator:Andy Grote
Polizeipräsident:Ralf Martin Meyer

Hamburger Polizei greift bei Corona-Partys knallhart durch – muss das sein?

Es ist Freitagabend, 5. Juni 2021, ein paar hundert überwiegend junge Menschen versammeln sich am Alma-Wartenberg-Platz in Hamburg-Ottensen. Sie feiern, tanzen – trinken Alkohol. Weil dabei keine Abstände eingehalten werden und kaum jemand eine Maske trägt, löst die Polizei die Party auf. Doch die Menschen wollen den Platz nicht verlassen – sie wollen weiterfeiern. Die Polizei fackelt nicht lange. Die Beamten lassen einen Wasserwerfer nach Ottensen bringen, um die Feiernden zu vertreiben. Dann kippt die Stimmung – es fliegen Flaschen. Letztendlich gelingt es der Polizei, die Versammlung aufzulösen, ohne den Wasserwerfer tatsächlich einzusetzen.

Die Hamburger Polizei löst eine Corona-Party mit einem Wasserwerfer auf – ist dieses Vorgehen zu hart? (24hamburg.de-Montage)

Trotzdem fragen sich viele noch Tage nach dem Geschehen: Muss so ein Eingriff überhaupt sein? Die Politik hat sich kürzlich für die Durchsetzung der Corona-Regeln seitens der Polizei ausgesprochen. Massive Verstöße gegen Abstands- und Hygieneregeln müssten von der Polizei unterbunden werden, hatte Deniz Celik (LINKE) dem NDR gesagt, nachdem die Polizei das Schanzenviertel vor Kurzem wegen einer Versammlung hatte komplett absperren müssen. Sören Schumacher, Innenpolitischer Sprecher der SPD, hatte sich ebenfalls dafür ausgesprochen.

Wasserwerfer zu Corona-Partys: Greift die Polizei Hamburg öfter zu hart durch?

Aber muss es für die Durchsetzung der Corona-Regeln gleich der Wasserwerfer sein? Das ist zumindest fraglich. Jedenfalls ist es nicht das erste Mal, dass sich die Polizei in Hamburg der Kritik für ein zu hartes Eingreifen stellen muss. Nach den diesjährigen Demos am 1. Mai wurde die Hamburger Polizei ebenfalls für ihr zu ruppiges Verhalten kritisiert. Wie die taz berichtet, seien sogar Sanitär von den Beamten an ihrer Arbeit gehindert worden. An dem Tag hatte es einen Wasserwerfer-Einsatz in der Schanze und mehrere Festnahmen gegeben. Mehrfach wurden Demonstranten von der Polizei eingekesselt.

Schon seit geraumer Zeit, spätestens aber seit den Protesten um G20, sind die Beamten der Elbmetropole für die sogenannte „Hamburger Linie“ bekannt. Sie steht für ein besonders hartes Eingreifen der Polizeibeamten bei der Durchsetzung von Maßnahmen. Kritik gibt es dafür immer wieder von den Linken. Um die Härte bei Eingriffen der Polizei wie auch kürzlich den tödlichen Schüssen auf einen Mann in Alsterdorf im Nachhinein rechtfertigen zu können, fordert die Polizeigewerkschaft nun den verstärkten Einsatz von Bodycams.

Am Wochenende drohen erneute Corona-Partys: Polizei Hamburg soll weiter für Einhaltung der Regeln sorgen

Im Hinblick auf das nächste Wochenende dürfte die Hamburger Polizei schon wieder in Alarmbereitschaft sein. Immerhin stehen zwei sonnige Tage mit sommerlichen Temperaturen an. Nicht ausgeschlossen, dass das wieder für die ein oder andere Party im Freien sorgt. Für einige Orte in der Stadt gelten deshalb ab sofort besondere Regeln, unter anderem ein Alkoholverbot. Diese „harten Maßnahmen“ werde die Stadt laut Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) mindestens noch den ganzen Juni beibehalten. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa & Philipp Schulze/dpa

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