Neuer Party-Hotspot

Party am Winterhuder Kai: Anwohner kämpfen gegen randalierende Jugend

  • Fabian Raddatz
    VonFabian Raddatz
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An diesem feinen Fleck fliegen die Fetzen: Am Winterhuder Kai feiern Jugendliche trotz Corona wilde Partys. Die Anwohner haben jetzt genug, die Lage eskaliert.

Hamburg – Es ist ein Konflikt, der schon lange schwelt – und jetzt eskaliert ist. Am Winterhuder Kai in Hamburg kommen immer wieder zahlreiche Jugendliche zusammen, feiern, trinken, hören laut Musik. Seit zwei Jahren geht das bereits so. Jetzt hat die Corona-Pandemie die Lage noch einmal verschärft.

Stadtteil in Hamburg:Winterhude
Fläche:7,6 km²
Bezirk:Hamburg-Nord
Einwohner:55.491 (31. Dez. 2019)

So musste die Hamburger Polizei Anfang Mai dort eine große Corona-Party auflösen. Hunderte Jugendliche feierten ausgelassen – und verstießen damit gegen die Eindämmungsverordnung. Und jetzt am vergangenen Wochenende dieselben Szenen, diesmal wurden sogar zwei Jugendliche festgenommen.

Jugendliche feiern am Winterhuder Kai: Pöbeleien und Urin

Gerade wenn es sonnig ist, strömen die Party-Fans bereits am Nachmittag auf die Winterhuder Wiese, hinterlassen Müllberge – und springen von der Alsterbrücke. Nicht nur die Jugendlichen würden damit ihr Leben aufs Spiel setzen, sagt Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz: „Sie werden auch zur Gefahr für alle Wassersportler/-innen und die Alsterdampfer.“

Ich lebe in einer Freiluft-Disco.

Eine Anwohnerin

Die Anwohner haben genug: Sie kämpfen für ihre Ruhe. Eine Anwohnerin sagte im „Hamburger Abendblatt“: „Ich lebe gerade in einer Freiluft-Dis­co mit Badezugang ohne zeitliche Begrenzung. Auch unter der Woche ist hier manchmal Party bis halb zwei Uhr nachts. Wir sind nicht mehr bereit, das zu akzeptieren.“ Die Feierei koste ihr den Schlaf.

Winterhuder Kai mutiert zum neuen Party-Hotspot

Die Probleme hätten sich gehäuft – besonders seit der Corona-Krise: übermäßiger Alkoholkonsum, Pöbeleien, Urinieren in Gärten und Hauseingänge. Auch Bezirksamtsleiter Michael Werner-Boelz sagt: „Sowas ist natürlich für die Anwohner schwer zu ertragen.“ Jahrelang sei das gut gegangen, doch jetzt würde die Lage „eskalieren“.

Immer wieder muss die Hamburger Polizei Menschen am Winterhuder Kai verscheuchen, weil sie gegen die Corona-Verordnung verstoßen.

Als „der Ort zum Freiluftfeiern“ hat der Winterhuder Kai in den sozialen Netzwerken an Berühmtheit erlangt. Regelmäßig tauchen auf Ins­tagram oder TikTok Party-Fotos auf. Die Folge: Auch aus anderen Stadtteilen pilgern die Party-Wütigen nach Hamburg-Nord. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Die Clubs und Diskotheken der Stadt sind seit vielen Monaten geschlossen.

Massen-Partys am Winterhuder Kai: Polizei spricht von „prekärer Lage“

So steigt die Zahl der Feiernden weiter – trotz hoher Polizei-Präsenz und täglichen Kontrollen am Wochenende. Sandra Levgrün, Polizei-Pressebeauftragte, spricht im „Hamburger Abendblatt“ von einer prekären Lage.

Einen Ausgleich hinbekommen.

Polizeisprecherin Sandra Levgrün zu den Plänen der Polizei für die Lage am Winterhuder Kai

„Die Kunst besteht darin, einen Ausgleich hinzubekommen zwischen den Interessen der meisten jungen Leute, die gerade in den Abendstunden und besonders bei gutem Wetter die Anziehungskraft solcher attraktiven Örtlichkeiten nutzen wollen, um dort zu feiern – und andererseits den Interessen der Bewohner, die Ruhe haben wollen, um schlafen zu können“, so Levgrün.

Schilder sollen für mehr Ruhe am Winterhuder Kai sorgen

Die Anwohner versuchen sich nun mit Hinweis-Schildern zu helfen, die meisten Jugendlichen seien ja nicht böswillig, viele wüssten einfach nur nicht, was verboten ist. Eindeutige Regeln – Nachtruhe ab 22 Uhr, Badeverbot – sollen nun das Bewusstsein unter den Jugendlichen schärfen. Das hätte auch schon beim Grill-Verbot geklappt.

Schöner Fleck: Am Winterhuder Kai ist besonders bei schönem Wetter viel los. (24hamburg.de-Montage)

Und auch Michael Werner-Boelz appelliert: „Bitte nehmt Rücksicht auf die Anwohner/-innen. Entsorgt euren Müll, verzichtet beim Musikhören auf Lautsprecher und lasst die Bäume unberührt. Wir wollen, dass alle Hamburger/-innen den Sommer genießen können.“

Winterhude ist dabei nicht der einzige Stadtteil, der derzeit mit illegalen Corona-Partys zu kämpfen hat. Jüngst hat Partyvolk die Schanze verwüstet. Auch in Hamburg-Ottensen eskalierte eine Mega-Corona-Party. Und dann war da noch der Mega-Rave im Stadtpark, bei denen Flaschen auf die Beamten flogen. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Peters/24hamburg.de

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