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Pandemie für Hamburg vorbei? Behörde erhebt keine Corona-Zahlen mehr

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Von: Steffen Maas

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Nachdem die Sozialbehörde jede Woche die neuesten Corona-Zahlen präsentiert hat, stellt man den Report jetzt ein. Interessierte werden zum neuen Pandemieradar verwiesen.

Hamburg – Aufregung um die Dokumentation der Corona-Fälle in der Hansestadt: Nach der Einführung eines Pandemieradars durch das Robert Koch-Institut (RKI) verzichtet Hamburg auf die Veröffentlichung eigener Corona-Zahlen fürs Stadtgebiet. „Mit dem Monatswechsel werden eigene Werte nicht mehr erhoben“, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich, am Dienstag, 1. November. Nach dem neuen Bundesinfektionsschutzgesetz veröffentliche das RKI seit Mitte Oktober werktäglich Zahlen zu mehr als zehn Indikatoren in seinem Pandemieradar. Bereits Mai hatte die Hamburger Gesundheitsbehörde die Corona-Zahlen nicht mehr täglich, sondern nur noch wöchentlich gemeldet.

Name:Coronavirus, Covid-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Variante:Omikron
Aufkommender Subtyp:BQ.1.1.

Corona in Hamburg: Zahlen jetzt täglich statt wöchentlich – beim Pandemieradar des RKI

Jetzt werde die Behörde von montags bis samstags jeweils am späten Nachmittag die Werte an das Bundesinstitut übermitteln, sagte Helfrich. Für Interessierte bedeutet die Umstellung also eigentlich eine Verbesserung, da die Zahlen nun tagesaktuell und nicht mehr im Wochen-Rhythmus einsehbar sind. Die Kriterien für die Daten seien bundesweit einheitlich, unterstreicht Helfrich. Berücksichtigt würden nur die positiven PCR-Tests. „Die Schnelltests bleiben völlig unberücksichtigt“, sagte der Sprecher.

Pandemieradar des Robert Koch Institut RKI Corona
Alles sauber aufgelistet: Der Pandemieradar des Robert-Koch-Instituts gibt Aufschluss über die täglichen Veränderungen der Corona-Zahlen. © RKI.de/Screenshot

Die Corona-Pandemie sei noch nicht beendet, weil die Weltgesundheitsorganisation WHO nicht das Ende erklärt habe. Darum gebe es auch weiterhin Verordnungen zur Eindämmung von Covid-19, erklärte Helfrich. Der Übergang zur Endemie sei aber weit fortgeschritten.

Was ist eine Endemie?

Ständiges (zeitlich unbegrenztes) Vorkommen einer Krankheit oder eines Erregers in einem bestimmten Gebiet oder einer bestimmten Bevölkerung. Das endemische Vorkommen ist nicht immer gleichmäßig. (Quelle: „Infektionsschutz und Infektionsepidemiologie: Fachwörter – Definitionen – Interpretationen“ vom Robert-Koch-Institut)

Zustand in der Hansestadt: Corona, Influenza und Isolation

Der derzeit hohe Krankenstand in einigen Bereichen der Hansestadt sei auf Atemwegsinfekte, Corona-Fälle und auf die Quarantänepflicht für positiv Getestete zurückzuführen, erklärte Sozialbehörden-Sprecher Helfrich derweil. Gerade die Kombination der Corona- und Atemwegsinfekte stellt seit einigen Wochen viele Einrichtungen auf die Probe. Besonders betroffen in dieser „Twindemie“ sind dabei Kinder, wie eine Kinderärztin bereits alarmiert feststellte, deren Immunsystem aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen noch keinen Kontakt – und damit auch kaum Schutz – vor den regulären Erregern von Atemwegsinfektionen hatten.

Corona U-Bahn Hamburg Maske
Schluss mit Corona? Die Sozialbehörde der Hansestadt verzichtet ab November auf ihren wöchentlichen Bericht über die Fallzahlen. Doch gemeldet wird weiter – jetzt nur im Rahmen des neuen Pandemieradars des Robert-Koch-Instituts. (Symbolbild) © Marcus Brandt/dpa

Die Isolationspflicht trage dazu bei, dass sich nicht noch mehr Menschen ansteckten, und sei darum nach wie vor sinnvoll, sagte der Sprecher von Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Irgendwann – vermutlich gegen Ende der Saison für Atemwegserkrankungen im April/Mai – werde die Regel neu bewertet werden. Ausschlaggebend werde dabei die Empfehlung der Experten im RKI sein.

Krankenhäuser im Norden: Versorgungslage angespannt, aber aktuell kein Besuchsverbot nötig

Wegen einer hohen Krankheitsquote fahren in Hamburg derzeit weniger Busse und U-Bahnen, wie die Hochbahn am Montag mitgeteilt hatte. Doch auch die Krankenhäuser im Norden kämpfen mit Corona und Grippe – allerdings eher beim eigenen Personal. Auf Anfrage von 24hamburg.de bestätigte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bereits letzte Woche, dass sich zum damaligen Zeitpunkt allein rund 330 Corona-positiv getestete Mitarbeitende in Isolation befänden. Die fallen für die Mitarbeit ebenso aus wie Beschäftigte mit anderen Atemwegsinfekten.

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Auch in den sieben Hamburger Häusern des Asklepios-Verbundes spürt man die Doppelbelastung mit infizierten Patienten und Personal. Die Lage sei allerdings stabil, es bestünde „keine Notsituation“, wie Sprecher Mathias Eberenz gegenüber 24hamburg.de mitteilt. So stünde auch ein generelles Besuchsverbot, wie es die Asklepios-Klinik in Bad Oldesloe wieder eingeführt hat, in Hamburg nicht an: „Wir sind noch nicht so weit, dass wir die Türen wieder zumachen müssen.“

Generelle Einschränkungen gebe es für Besucher aber immer noch, etwa die FFP2-Maskenpflicht und der Nachweis eines negativen Schnelltestes. Alles andere entscheiden die Krankenhäuser dann individuell je nach Versorgungslage – nachzulesen dann immer auf den jeweiligen Internetseiten der Häuser.

Neue Omikron-Variante „Cerberus“: Intensivmediziner hat keine Angst vorm Höllenhund

Die generelle Entspannung bezüglich des Coronavirus teilt auch der Leiter der Klinik für Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge. Man sei weit entfernt von einer Überlastung des Gesundheitssystems, erzählte der Mediziner dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Im UKE seien es etwa „sehr, sehr wenige“ Corona-Schwerkranke auf der Intensivstation.

Daran dürfte nach Auffassung des Arztes auch das Erstarken der Omikron-Variante „BQ 1.1“ – die als Höllenhund „Cerberus“ bezeichnet wird – wenig ändern. „Der Name ist zum Glück nicht Programm: Die Variante macht keine schwereren Krankheitsverläufe“, beruhigt Kluge im NDR. Die BQ-1.1.-Variante sei ihren Vorgängern sehr ähnlich – allenfalls führe sie womöglich zu mehr „Reinfektionspotenzial“, also, dass man sich trotz nicht lang zurückliegender Corona-Krankheit bereits schneller wieder infizieren könne. Auch Virologe Hendrick Streeck sieht keinen Grund zur Panik wegen des „Höllenhundes“.

UKE-Intensivmedizin-Chef Stefan Kluge wünscht sich besseren Impfschutz bei den über 60-Jährigen

Noch mehr Sicherheit für den Winter würde Intensivmediziner Stefan Kluge jedoch verspüren, wenn die Impfkampagne rund um den dritten Booster-Shot besser anziehen würde. Denn von der Ü60-Bevölkerungsgruppe, der er geraten wird, seien bisher über zehn Prozent nicht geimpft. Käme doch noch eine Variante, die zu schwereren Krankheitsverläufen führen würde, könnte man so „doch nochmal Probleme im Gesundheitssystem“ bekommen.

Die Entscheidung des Hamburger Senats, keine wöchentlichen Corona-Zahlen mehr zu veröffentlichen, hält Kluge derweil für durchaus sinnvoll. Denn die Zahlen würden ja trotzdem weiterhin veröffentlicht – nur jetzt eben beim Pandemieradar des Robert-Koch-Instituts. (Mit Material der dpa)

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