Versand-Riese am Pranger

Otto-Konzern in Hamburg: SPD und Grüne kämpfen um 840 Arbeitsplätze

  • Johanna Ristau
    vonJohanna Ristau
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Skandal um 840 Arbeitsplätze bei Otto! Trotz erhöhter Nachfrage im Online-Handel, will der Konzern seinen Standort in Hamburg dicht machen. Der Versand-Riese plant 2021 das Retourenzentrum seiner Tochterfirma Hermes Fulfilment vollständig zu schließen.

  • Hamburger* Otto Group will Retourenzentrum schließen.
  • 840 Mitarbeiter verlieren dann ihren Job.
  • Arbeiten sollen nach Polen und Tschechien outgesourct werden.

Hamburg – In der zweiten Jahreshälfte 2021 will die Otto Group ihren Standort in Hamburg-Bramfeld dichtmachen. Grund seien gestiegene Kosten und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Rund 840 Mitarbeiter verlieren dann ihre Jobs. SPD und Grüne wollen das so nicht akzeptieren. Sie fordern den Versand-Riesen, der 1949 in Hamburg gegründet wurde, auf, die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern.

Unternehmen:Otto Group
CEO: Alexander Birken (1. Jan. 2017–)
Umsatz: 14,3 Milliarden EUR (2019–2020)
Zentrale: Hamburg
Gründer: Werner Otto
Gründung: 17. August 1949, Hamburg

Otto Group macht Hamburger Standort dicht: Retouren sollen künftig aus Tschechien und Polen organisiert werden

Grüne und SPD glauben, dass die Coronavirus*-Pandemie vermehrt zu Online-Shopping verführe – und sich somit auch der Anteil der Retouren erhöhen würde. Doch ausgerechnet das Retourenzentrum will die Otto Group aus wirtschaftlichen Gründen nach Polen und Tschechien verlegen. SPD und Grüne halten davon nichts – auch weil das Versandbusiness im Ausland eine extreme Umweltbelastung bedeuten würde. Pakete würden quer durch Europa verschickt.

Heinrich Sackritz von den Grünen in Wandsbek kämpft um 840 Arbeitsplätze der Otto Group in Hamburg.

Die Wandsbeker Fraktionen der Grünen und der SPD in einer gemeinsamen Pressemitteilung: „840 Arbeitsplätze, vor allem für Frauen in Teilzeit, sind gefährdet. Darüber hinaus ist es auch nicht nachhaltig, die Retouren durch halb Europa zu schicken.“ Mit dem „Anspruch an hanseatisches Unternehmertum“ habe das nichts zu tun, betont Frank Schwerin, Fachsprecher Wirtschaft der Wandsbeker SPD-Fraktion.

Otto Group schließt Hamburger Retourenzentrum in Bramfeld: SPD und Grüne kämpfen um 840 Arbeitsplätze

„Es dient angesichts der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Otto-Group rein der Gewinnmaximierung zulasten der Arbeitnehmer. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass mit der Otto-Group Gespräche geführt werden und dabei an das soziale und nachhaltige Gewissen des Unternehmens appelliert wird, damit die Arbeitsplätze in Bramfeld erhalten bleiben.“ 24hamburg.de berichtet auch über das Drama bei Galeria Kaufhof in der Mönckebergstraße*. Nach 53 Jahren macht das Einkaufshaus zu.

Die Grüne Fraktion in Wandsbek lehne die Standortschließung der Hermes Fulfilment GmbH in Bramfeld ab und appelliere an das soziale und ökologische Image des Unternehmens, heißt es von Heinrich Sackritz, Regionalsprecher der Grünen Fraktion in Wandsbek in einer Pressemitteilung. Beide Parteien fordern die Otto Group zu Gesprächen auf, mit dem Ziel, die 840 Arbeitsplätze zu sichern. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Grüne & Christophe Gateau/dpa

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