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Oma im Taxi vergessen? Deutschlands schusseligste Fahrgäste kommen aus Hamburg

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Von: Steffen Maas

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Hamburger vergessen deutschlandweit die meisten Sachen im Taxi, meldet ein Mobilitätsunternehmen. Immerhin: Andere Fahrgäste lassen Sexspielzeug und Verwandte zurück.

Hamburg – Handy, Sonnenbrille oder Schirm im Taxi vergessen? Klar, das passiert schon mal. Besonders, wenn man sich zum Flughafen bringen lässt und tausend andere Sachen im Kopf hat. Oder, wenn man die Autotür öffnet, das Hamburger Wetter auf einen niederprasselt und plötzlich alles ganz schnell gehen muss. Laut einer Datenanalyse sind die eigentlich als so sortiert geltenden Deutschen die Schusselkönige und -königinnen in Europa – mit Hamburg auf dem Thron der Vergesslichkeit.

Doch die Nordlichter sollten sich über die häufigen weniger hellen Momente nicht zu sehr schämen, in denen die Sonnenbrille oder die Schlüssel im Taxi liegen gelassen wurden. Denn in ganz Europa vergessen Fahrgäste teils kurioseste und vor allem wichtigere Dinge – zum Beispiel Verwandte in allen Formen und Zuständen.

Taxi-Unternehmen:Free Now
Verlorene Gegenstände europaweit:23.000 (in 2022)
Verlorene Gegenstände in Deutschland:2500
Standort mit den vergesslichsten Fahrgästen:Hamburg

Vergesslichkeit im Taxi: Deutschland führt in Europa, Hamburg sticht den Süden aus

Doch vor den schockierenden (und teils schlüpfrigen) Einblicken in die Verfehlungen des menschlichen Gedächtnisses, lohnt ein Blick auf die nackten Zahlen, die jetzt der Mobilitätsanbieter „Free Now“ ausgewertet hat. In deren Taxis vergaßen die Fahrgäste bisher europaweit satte 23.000 Gegenstände im Jahr 2022. Über zehn Prozent davon wurden in Deutschland liegen gelassen – was die als Planungsweltmeister wahrgenommenen Deutschen zum Spitzenreiter dieser unrühmlichen Rangliste macht. Gleichermaßen überraschendes Ergebnis am anderen Ende der Tabelle: Das Chaos der britischen Politik herrscht derweil wohl nicht in den Köpfen der Insel-Bewohner, die 2022 bisher am wenigsten Objekte in ihren „Cabs“ zurückließen.

Fahrgäste in Hamburg vergessen in Taxis Gegenstände
Laut einer Datenanalyse vergessen Fahrgäste in Hamburg am häufigsten Gegenstände im Taxi. Taxifahrer auf der Reeperbahn können davon wahrscheinlich ein Lied singen. © Markus Scholz/dpa

Die Abteilung „Lost & Found“, die die Deutschen deutlich weniger verspielt nur „Fundbüro“ nennen, hatte mit 2500 verschusselten Gegenständen in Deutschland also am meisten zu tun. Hier „triumphiert“ der Norden in Form der Hansestadt Hamburg über den Süden – Stuttgart und München belegen „nur“ die Podiumsplätze 2 und 3. Ein weiterer Anlass, seine Klischees eher früh als spät über Bord zu werfen: Chaotische Rheinländer (Köln) und hektische Hauptstädter (Berlin) verpassen das Treppchen mit den Rängen 4 und 5 komplett.

Was vergessen die Deutschen im Taxi? Durchaus wertvoll – aber nicht schockierend

Aber genug mit den hängenden Köpfen in Deutschland! Denn geht es darum, welche Gegenstände in den „Free Now“-Taxen vergessen wurden, stehen die Bundesbürger plötzlich nicht mehr ganz so schlecht da. Klar, die Klassiker sind dabei: Telefon, Portemonnaie, Handtasche, Regenschirme oder auch Kopfhörer und vollgepackte Einkaufstaschen.

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Doch das wertvollste, das von „Free Now“ in einem Taxi im Bundesgebiet gefunden wurde, ist nur: eine Juwelenkette. Was, zugegebenermaßen, auch schon keine Lappalie ist. Doch im Vergleich zu den wilden Kundenanfragen aus dem Rest Europas, können sich die Deutschen zufrieden zurücklehnen.

Gegenstände auf der Rückbank des Taxis verloren: Musste der Spiele-Abend für Erwachsene ausfallen?

Denn das Taxi-Unternehmen berichtet beispielsweise von einem vergessenen Wok. Eigentlich ein Gegenstand, den man nicht ohne Grund transportiert, und an den man denken sollte. Gleiches gilt (in einer etwas dramatischeren Dimension) für ein Hochzeitskleid, das liegen gelassen wurde. Als Mann ist der Autor dieses Textes vor allem emotional nicht vollumfänglich im Thema drin, doch ein Hochzeitskleid erscheint wie ein Gegenstand, den man während des Transportes eher schlecht aus dem Kopf kriegen würde.

Aktiv verdrängen wollte dagegen vielleicht ein Fahrgast, dass er mit einem „Sortiment an Sexspielzeug“ reist, das er oder sie schlussendlich auf der Rückbank liegen ließ. Ob es der Person dann im Komfort der eigenen vier Wände selbst aufgefallen ist, oder ein enttäuschter Partner sie auf den Verlust aufmerksam machte, ist nicht überliefert. „Free Now“ berichtet nur, dass der Fahrgast das Erwachsenen-Spielzeug später offiziell als vermisst meldete.

Kundenanfragen ans Taxi-Unternehmen: Tiere schon fraglich – aber wer vergisst bitte Oma?

Okay, das ist alles schon … unglücklich. Doch wer ehrlich ist, gibt zu: Einen Gegenstand verlieren, das kann immer mal passieren. Der Fußballer Max Kruse etwa vergaß mal schlappe 75.000 Euro in einem Berliner Taxi. Das große Kopfzerbrechen geht dann los, wenn man sich fragt, wie man lebende Mitreisende vergessen kann. Laut „Free Now“ wurden im Jahr 2022 bisher nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei lebende Eidechsen vergessen. Hier kann es sich eigentlich nur um Chamäleons gehandelt haben.

Keine Tarnfunktion, dafür meistens eine etwas wichtigere Position in der Familien-Hierarchie hat die eigene Großmutter. Doch selbst Oma Gertrud taucht in der Fundbüro-Datenbank des Unternehmens als „vermisster Gegenstand“ auf – gleichermaßen bemerkenswert und enttäuschend. Ebenfalls einen Verwandten verschusselte ein anderer Fahrgast. Im Gegensatz zum Oma-Verlierer muss sich dieser Mensch aber nicht bis ans Ende vorwurfsvolle Blicke beim Weihnachtsessen gefallen lassen: Er vergaß die Urne mit den eingeäscherten Überresten des Familienmitglieds im Taxi.

„Free Now“ trägt rosarote Brille nach Schock-Bericht: 2022 eine „erfreuliche“ Entwicklung

Es bleibt die Hoffnung, dass hinter jeder dieser verlorenen Gegenstände – oder Lebewesen – ein guter Grund oder zumindest aber mal eine gute Geschichte steckt. Die übermittelt „Free Now“ allerdings nicht, da es sich nur um die Analyse der Daten zu den Kundenanfragen handelt.

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Nachdem das Unternehmen diese Daten zu den bitteren Abgründen der menschlichen Leistungsfähigkeit über uns ausgeschüttet hat, fällt es eigentlich schwer, eine strahlende Zukunft für unsere Spezies zu malen. Doch „Free Now“ bleibt optimistisch: Es lasse sich ein rückläufiger Trend erkennen und im Vergleich zum Vorjahr vergäßen die Menschen „prozentual erfreulicherweise immer seltener ihre Dinge im Auto.“ Ob das besser oder schlechter wird, wenn ab 2025 Taxis gänzlich ohne Fahrer durch Hamburg düsen, bleibt abzuwarten.

Die gut gelaunte Botschaft zum Abschluss des Berichtes jedenfalls: „So vielfältig wie die ‚Free Now‘-Nutzer sind auch die Lost-and-Found-Objekte in den Fahrzeugen.“ So kann man es natürlich auch ausdrücken.

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