SPD-Kanzlerkandidat

Olaf Scholz gegen Markus Söder – Vorgeschmack auf Kanzler-TV-Duell

  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
    schließen

Beim Corona-Gipfel gehts zur Sache: Markus Söder (CSU) regt sich über das schlumpfige Grinsen von Olaf Scholz (SPD) auf. Vorgeschmack aufs Kanzlerduell?

Hamburg – Zwei Tage lang hat Olaf Scholz (SPD) geschwiegen. Doch nun hat der SPD-Kanzlerkandidat auf die Verbal-Attacke von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) reagiert. Und zwar mit Humor. Nachdem der bayerische Regierungschef sich über das „schlumpfige Grinsen“ von Scholz mokiert hatte, zeigte sich der Vizekanzler nun gewitzt. „Das mit den Schlümpfen gefällt mir super. Die sind klein, listig und gewinnen immer“, sagte Scholz bei einem Auftritt in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz.

Deutscher Politiker:Olaf Scholz (SPD)
Geboren:14. Juni 1958 (Alter 62 Jahre), Osnabrück
Ehefrau:Britta Ernst
Aktuelle Ämter:Bundesfinanzminister und Vizekanzler

Es war eine kleine Stichelei gegen seinen möglichen Herausforderer bei der anstehenden Bundestagswahl. Wohl auch deshalb hatte der Streit zwischen Söder und Scholz vor wenigen Tagen für so viel Aufmerksamkeit gesorgt. So waren die beiden kurz vor dem Ende der Bund-Länder-Beratung über die Verlängerung des Corona-Lockdowns heftig aneinander geraten.

Olaf Scholz: Vizekanzler lässt Länderchefs auflaufen

Neun Stunden lang hatten die Ministerpräsidenten der Länder bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Scholz zusammengesessen. Die meisten strittigen Punkte zum möglichen Öffnungskonzept waren abgearbeitet, der Schluss der Marathonsitzung gegen Mitternacht in Sichtweite. Doch da kochte die Stimmung plötzlich hoch.

Streiten sich um schlumpfiges Grinsen: Vizekanzler Olaf Scholz (re., SPD) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU). (24hamburg.de-Montage)

Laut Teilnehmerangaben ging es nur noch um die Finanzierung eines Härtefallfonds, der Firmen helfen soll, die die bisherigen Hilfskriterien nicht exakt erfüllen und bislang ohne staatliche Unterstützung durch die Corona-Krise durchkommen mussten. Eigentlich war im Vorfeld vereinbart worden, dass Bund und Länder ihn zu gleichen Teilen tragen.

Doch einige Ministerpräsidenten wollten an der Kostenverteilung noch einmal rütteln. Aber Scholz in seiner Funktion als Bundesfinanzminister stellte unmissverständlich klar: „Es braucht keiner zu träumen, dass der Bund ein Konto einrichtet, von dem alles bezahlt wird.“

Scholz gegen Söder: Das könnte auch das Duell ums Kanzleramt sein

Für Söder war das offenbar etwas zu forsch. Ungewöhnlich scharf keilte er gegen Scholz zurück: „Sie sind nicht der König von Deutschland oder Weltenherrscher.“ Und: Scholz müsse jetzt „gar nicht so schlumpfig herumgrinsen“, wurde er zitiert. Noch sei er ja wohl noch nicht Kanzler. Und sein Geld sei es auch nicht, über das er da selbstherrlich verfügen wolle.

Während umgehend die SPD-Ministerpräsidenten Söders Attacke brüsk zurückwiesen, soll Scholz bereits in der Sitzung cool geblieben sein. Seine Antwort: Nein, sein Geld sei es nicht, soll er gesagt haben. „Aber das des Steuerzahlers.“

„Sie brauchen hier gar nicht so schlumpfig herumgrinsen.“

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern

Der verbale Schlagabtausch lieferte wohl einen Vorgeschmack für ein weiteres Duell der beiden Kontrahenten. So ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Scholz und Söder in den kommenden Monaten noch mehr zoffen werden. Während die SPD Scholz bereits im vergangenen August zum Kanzlerkandidaten erhob, sucht die Union noch einen passenden Herausforderer im Rennen um die Nachfolge von Kanzlerin Merkel.

Olaf Scholz: Schlechte Chancen? Umfragen sehen CDU vor SPD

Neben CDU-Parteichef Armin Laschet werden auch Söder gute Chancen eingeräumt. CDU und CSU wollen eine Entscheidung im April treffen, nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Deutschen hingegen haben sich schon entschieden. Sie würden laut aktuellen Umfragen Söder als Kanzlerkandidaten der Union bevorzugen – und wohl auch als Kanzler.

Alle Meinungsforschungsinstitute sehen die Union weit vorne. Dahinter kommen die Grünen. Und dann erst die SPD mit Scholz, der trotzdem seinen Wahlkampf forsch vorantreibt. Erst kürzlich legte er bereits sein Wahlprogramm vor und stellte noch einmal unmissverständlich klar: „Ich will der nächste Kanzler werden.“ Dass er dabei auch an Söder vorbeikommen muss, scheint er bereits zu ahnen. Denn bereits am Politischen Aschermittwoch stichelten die beiden eifrig gegeneinander.

Auch Söder nimmt das Duell derzeit locker. „Ich will nicht sagen, dass wir ein Herz und eine Seele sind, aber jetzt ist alles wieder gut“, sagte er im Anschluss an die emotionale Sitzung. Man müsse ja nicht jedes überlieferte Wort auf die „Goldwaage“ legen. Grundsätzlich schätze er Scholz, in der großen Koalition komme man gut miteinander zurecht. Gleichwohl gebe es bisweilen unterschiedliche Standpunkte, und Scholz habe eben „eine sehr pointierte Art“. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa & Michael Kapeler/dpa

Kommentare