Neue Umfrage

Kanzlerfrage: Söder oder Scholz – wen wünschen sich die Deutschen?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Es soll ein Superjahr für Olaf Scholz werden: Bei der Bundestagswahl im September will der SPD-Spitzenkandidat neuer Kanzler werden. Will das auch die Bevölkerung?

  • Laut einer Yougov-Auswertung trauen nur fünf Prozent Olaf Scholz (SPD) die Kanzlerschaft zu.
  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) liegt klar vorn.
  • Hamburger Senat sichert dem ehemaligen Bürgermeister Unterstützung zu.

Hamburg – Mit viel Schwung wollte Olaf Scholz (SPD) eigentlich ins Wahljahr 2021 starten. Doch eine neue Umfrage verpasst dem SPD-Kanzlerkandidaten bei der anstehenden Bundestagswahl einen herben Stimmungsdämpfer. So landet der Sozialdemokrat im Kandidatenranking nur auf Platz drei – weit abgeschlagen hinter Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Unionspolitiker Friedrich Merz. Das geht aus einer aktuellen Auswertung hervor, die der internationale Daten- und Analysespezialist YouGov jetzt veröffentlicht hat.

Politiker in Deutschland:Olaf Scholz (SPD)
Geboren:14. Juni 1958, Osnabrück
Politische Ämter:Vizekanzler und Bundesfinanzminister
Ehefrau:Britta Ernst

Die nächste Bundestagswahl findet am 26. September dieses Jahres statt. Noch stehen dafür nicht alle Kandidaten offiziell fest. Während Olaf Scholz als SPD-Kandidat bereits nominiert wurde, werden bei der Union neben Söder und Merz auch noch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Außenpolitiker Norbert Röttgen gehandelt. Für die Grünen könnten entweder Annalena Baerbock oder Robert Habeck antreten. Doch wer hätte die besten Chancen?

Vernichtende Umfrage: Scholz liegt weit abgeschlagen hinter Söder

Die YouGoy-Umfrage spricht hier eine klare Sprache: Aus dem genannten Kandidatenkreis wünscht sich die Mehrheit am ehesten Söder als zukünftigen Kanzler. Insgesamt 26 Prozent der Deutschen sprachen sich für den bayerischen Regierungschef an der Spitze des Kanzleramtes aus. Merz kommt bei dieser Frage auf 8 Prozent der Stimmen, Scholz indes nur auf 5 Prozent. 4 Prozent können sich Grünen-Bundeschef Habeck noch auf dem Kanzlersessel vorstellen. Dessen Co-Vorsitzende Baerbock und die Unionspolitiker Laschet und Röttgen liegen mit 3 Prozent jedoch weit abgeschlagen dahinter. Allerdings sagen auch 26 Prozent der Befragten, dass sie sich überhaupt keinen der Kandidaten vorstellen können.

Kämpfen ums Kanzleramt: Markus Söder (CSU,links) und Olaf Scholz (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Für die Umfrage befragten die YouGov-Experten insgesamt 2000 Personen zwischen dem 30. Dezember 2020 und dem 5. Januar 2021 mittels standardisierter Online-Interviews. Die Ergebnisse wurden den Angaben zufolge gewichtet und repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren aufbereitet.

Scholz als Spitzenkandidat: SPD wollte mit früher Festlegung punkten

Für Scholz sind das erst einmal keine guten Nachrichten. Früher als alle anderen Parteien hatte die SPD den ehemaligen Hamburger Bürgermeister und heutigen Bundesfinanzminister zu ihrem Spitzenkandidaten erkoren. Bereits im August des vergangenen Jahres hatten die beiden Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans die Personalie verkündet. Mit der frühen Festlegung wollte sich die Partei einen Vorsprung im Rennen um das Kanzleramt verschaffen, das seit fast 16 Jahren von CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel besetzt wird. Ein unionsinterner Nachfolger für die Langzeit-Regierungschefin steht noch nicht fest. Am 16. Januar bestimmt die CDU erst einmal einen neuen Vorsitzenden, danach soll die Kandidatenfrage geklärt werden.

Statt mit Personaldiskussionen wie die Union will die SPD jetzt eigentlich schon mit inhaltlichen Debatten auffallen. Zum Jahreswechsel versuchte Scholz besonders auffällig unter anderem mit Fernsehauftritten und zahlreichen Tweets seine Positionen unters Volk zu bringen.

Scholz im Wahlkampf: Seine Heimatstadt glaubt an den Vizekanzler

In einer ZDF-Dokumentation trat er entschieden gegen Corona-Leugner ein. Und in den sozialen Medien postete er viele gute Nachrichten: „Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr“, frohlockte er etwa auf Twitter – um dann den Gruß mit seinen politischen Geschenken als Bundesfinanzminister zu garnieren. So verkündete er für das neue Jahr mehr Grundrente für 1,3 Millionen Rentner, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und die Erhöhung des Kindergeldes. Außerdem wird er nicht müde, seine Bemühungen im Kampf um die Gleichberechtigung zu betonen. Immerhin stellen die Frauen in Deutschland mittlerweile die größte Wählergruppe dar.

Doch bislang fruchten all diese Anstrengungen noch nicht. Das zeigt die aktuelle Auswertung ganz klar. Doch in Hamburg, wo Scholz viele Jahre als Erster Bürgermeister und SPD-Landeschef regiert hat, glaubt man weiterhin an einen möglichen sozialdemokratischen Kanzler – trotz Umfragetief. „Wir wissen in Hamburg sehr gut, dass Olaf Scholz die nötige Erfahrung, Durchsetzungskraft und eben auch Ambition hat, Bundeskanzler zu werden“, sagte kürzlich der amtierende Rathauschef Peter Tschentscher (SPD) dem Hamburger Abendblatt. Die Hansestadt könne dabei zum Vorbild werden. Immerhin habe Scholz hier bei vielen Landtagswahlen gezeigt, dass er etwas vom Wahlkampf verstehe. Das gelte es, so Tschentscher, auf Bundesebene zu zeigen.

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa/picture-alliance & Matthias Balk/dpa/picture-alliance

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