SPD-Kanzlerkandidat im Umfragetief

Olaf Scholz: Impf-Debakel – Haudrauf-Wahlkampf vergrault alle

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Das lief schlechter als gedacht: Mit gezielten Attacken auf die CDU kann SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz nicht punkten. Jetzt steckt er tief im Umfragekeller.

  • Mit Beschwerden über das Impf-Debakel wollte Olaf Scholz (SPD) im Wahlkampf punkten.
  • Doch die Abgrenzungsstrategie scheint nicht zu funktionieren.
  • Wie kein anderer Politiker rutscht der Vizekanzler im Stimmungsbarometer nach unten.

Hamburg – Zwei Tage vor einem erneuten Corona-Gipfel schrumpft der Rückhalt der Bevölkerung für die Corona-Politik der Bundesregierung. Vor allem Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) büßte massiv Vertrauen ein. Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend zeigten sich nur noch 46 Prozent der Deutschen mit seiner Arbeit zufrieden, das waren satte neun Prozent weniger als noch im Vormonat. Der Rückgang machte den ehemaligen Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg zum Absteiger des Monats.

Deutscher Politiker:Olaf Scholz
Geboren:14. Juni 1958 (Alter 62 Jahre), Osnabrück
Ehefrau:Britta Ernst
Aktuelle Ämter:Bundesfinanzminister und Vizekanzler

Das Umfragetief erwischt Scholz zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Nach einer zweitägigen Vorstandsklausur stellte der SPD-Kanzlerkandidat am Montag seinen Fahrplan für die kommenden Monate vor. Unter dem Titel „Zukunftsmission” will der Vizekanzler im heraufziehenden Wahlkampf jetzt vor allem auf vier Feldern punkten und seiner Kampagne frischen Schwung verleihen: Klimaneutralität, Mobilität, Digitalisierung und Gesundheitsversorgung. Als einzige Partei habe die SPD jetzt schon einmal einen klaren Plan für die kommenden Monate und Jahre, twitterte Scholz am Montag und versuchte trotz des Stimmungstiefs so etwas wie Optimismus zu verbreiten.

Scholz im Umfragetief: Ein Zukunftsplan soll ihn jetzt retten

Bislang gingen die Versuche, frischen Wind in die Wahlkampagne zu kommen, aber noch nicht so richtig auf. Im Gegenteil. Seit Monaten steckt der Sozialdemokrat fest. Zwar nominierte die SPD bisher als einzige Partei offiziell einen Kanzlerkandidaten für den Urnengang im kommenden September. Doch die Hoffnung, dass man sich dadurch frühzeitig im Rennen um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Vorteil verschaffen könnte, ging bisher nicht auf. 

Ins Kanzleramt ist es für ihn noch ein weiter Weg: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) liegt in den Umfragen weit abgeschlagen. (24hamburg.de-Montage)

So liegen die SPD und Scholz in den Umfragen kontinuierlich mit 15 Prozent weit abgeschlagen hinter der CDU und den Grünen mit ihren potentiellen Kandidaten Armin Laschet (CDU), Markus Söder (CSU), Robert Habeck und Annalena Baerbock (beide Grüne). 

Seit dem Jahreswechsel versucht Scholz Boden gut zu machen. Es vergeht kein Tag, an dem der Kanzlerkandidat nicht versucht hätte, über TV-Interviews und soziale Netzwerke gute Nachrichten unters Volk zu streuen – sei es zur Rente, zum Solidaritätszuschlag oder zur Besteuerung großer Vermögen. Bis zur vergangenen Woche. Da fiel er plötzlich durch Attacken auf seine CDU-Kabinettskollegen auf. 

So versuchte er namentlich Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) die Schuld des Impfstoff-Debakels in die Schuhe zu schieben. Auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (CDU), bekam ihr Fett weg. In einer Kabinettssitzung polterte Scholz plötzlich los und sprach von einer „Sauerrei”, für die die Union verantwortlich sei. Selbst Sozialdemokraten rieben sich verwundert die Augen über Scholz, der eigentlich allen als besonnen und nüchtern bekannt ist.

Scholz-Attacken auf CDU: Wähler goutiert Verhalten nicht

Bei der Union witterte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak dann auch umgehend ein kalkuliertes Wahlkampfmanöver. Den Fehdehandschuh wollte man dort aber nicht aufnehmen. CDU-Parteichef Laschet riet zu Zurückhaltung und warnte bei dem Thema vor einer zu starken Polarisierung.   

Es ist gut möglich, dass Laschet mit seiner Einschätzung richtig lag. Zumindest scheint der Wähler diese Art von Haudrauf-Wahlkampf nicht zu goutieren, diese Vermutung legen die aktuellen Zahlen vom ARD-Deutschlandtrend jetzt durchaus nahe. Der einzige Trost für Scholz und seine Mitkämpfer könnte höchstens sein, dass auch die CDU bei den Zustimmungswerten einbüßte. So musste auch Gesundheitsminister Spahn einen Rückgang von fünf Prozent hinnehmen. Aber ihm kann es egal sein. Denn mit 34 Prozent liegt seine Partei weiterhin unangefochten auf Platz eins, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre. Wie gesagt, bittere Zeiten für Scholz. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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