Nach Polizeieinsatz

Oben-ohne-Fahrraddemo in der Hauptstadt: Radeln für freie Nippel

  • Susanne Kröber
    VonSusanne Kröber
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Hunderte Frauen und Männer demonstrierten für die „Gleiche-Brust-für-Alle“-Bewegung, nachdem eine Französin in Berlin oben ohne für einen Polizeieinsatz gesorgt hatte.

Berlin – „No Nipple is free until all Nipples are free!“ (Keine Brustwarze ist frei, bis alle Brustwarzen frei sind!), so das Motto der Fahrraddemo in Berlin. Mit nacktem Oberkörper, teilweise bunt bemalt, radelten zahlreiche Frauen und Männer am 10. Juli durch Berlin, um auf die Sexualisierung weiblicher Brüste aufmerksam zu machen.

Hauptstadt von Deutschland:Berlin
Fläche:891,8 km²
Höhe:34 m
Bevölkerung:3,645 Millionen (2019)
Bürgermeister:Michael Müller

Vorausgegangen war ein Fall, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte. Die Französin Gabrielle Lebreton saß bei sommerlichen Temperaturen am 20. Juni mit ihrem 6-jährigen Sohn am Wasserspielplatz Plänterwald im Bezirk Treptow-Köpenick. Und das mit freiem Oberkörper. „Dann sind schnell zwei Parkaufseher angekommen und haben von mir gefordert, einen BH anzuziehen. Und da hat alles angefangen“, erzählt Lebreton gegenüber dem BR.

Textilfrei durch die Hauptstadt: Polizeieinsatz löst friedliche Proteste aus

„Ich habe gefragt, warum, und die haben gesagt, das sei kein FKK-Bereich. Dann habe ich gesagt, ich trage eine Badehose. Ich habe viel diskutiert und dann haben wir gemeinsam beschlossen, die Polizei anzurufen“, so die französische Architektin. Die Polizei habe sie dazu aufgefordert, einen BH anzuziehen oder das Gelände zu verlassen. „Ich war total im Stress, total erstaunt, wie die Polizei da reagiert hat. Ich wusste: Das war unfair und ungerecht. Ich bin so ein Mensch wie andere Menschen und Punkt. Dass Menschen mich sexualisieren, ist nicht mein Problem, dass sie ihre Erregungen nicht beherrschen können. Ich müsste eigentlich davor geschützt werden.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fahrraddemo in Berlin setzen ein textilfreies Zeichen für ein Oben-ohne-Recht für Frauen.

Gabrielle Lebreton erstattete Anzeige und will vor Gericht gehen. Die Aktion löste eine hitzige Debatte um ein oben-ohne-Recht für Frauen aus, es geht um Orte, an denen Männer sich ungehindert mit nacktem Oberkörper zeigen dürfen. Darum bemüht sich die feministische „Gleiche-Brust-für-Alle“-Bewegung, in deren Fahrwasser die Berliner Oben-ohne-Demo stattfand.

Gleiche Brust für alle: Feministische Bewegung setzt sich für Gleichberechtigung ein

Bunt, gut gelaunt und kreativ demonstrierten rund 600 Radler auf ihrer Fahrt durch Kreuzberg für die Befreiung und Enttabuisierung der weiblichen Nippel – mit Mundschutz und nackten Brüsten. Laut Polizei sei die Demo friedlich verlaufen, „und alle waren gut gelaunt“, zitiert die B.Z. Auch Männer waren mit von der Partie, teils mit BH, Bikini-Oberteil oder aufblasbarer Oberweite.

Lebreton selbst nahm nicht an der Oben-ohne-Demo teil, ließ aber ausrichten: „Ich will meine Solidarität ausdrücken an alle Menschen, die sich trauen, sich auszuziehen.“ Ziel der „Gleiche-Brust-für-Alle“-Bewegung: Brüste sollen normalisiert statt sexualisiert werden. Dann wird ein harmloses Oben-ohne-Sonnenbad auch nicht gleich zu einer „grob ungehörigen Handlung“, als welche Lebretons Aktion auf Grundlage des Paragrafen 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes bezeichnet wurde. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Stefan Zeitz

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