Trauriger Anstieg

Obdachlose in Hamburg: „Ich will nur nicht angezündet werden“

  • Natalie-Margaux Rahimi
    VonNatalie-Margaux Rahimi
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Menschen ohne Zuhause kämpfen Nacht für Nacht um ihr Leben. Attacken auf Obdachlose nehmen in Hamburg immer weiter zu – das zeigen neueste Fallzahlen.

Hamburg – Es sind Geschichten, die fassungslos machen. Berichte über Angriffe auf Obdachlose in Hamburg – wie vor ein paar Wochen, als ein schlafender Obdachloser von fremden Tätern einfach angezündet wurde. Leider sind Angriffe auf Menschen ohne Zuhause in der Hansestadt Hamburg keine Seltenheit mehr. Vielmehr nehmen die Zahlen der Attacken auf Obdachlose immer weiter zu.

Stadt in Deutschland:Hansestadt Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1,841 Millionen (2019) Eurostat
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Obdachlose in Hamburg werden immer häufiger attackiert – mehr als doppelte so viele schwere Körperverletzungen

Wie die Hamburger Morgenpost unter Berufung auf exklusive Fallzahlen berichtet, haben Übergriffe auf Obdachlose in Hamburg auf dramatische Weise zugenommen. Während im Jahr 2019 „nur“ 89 Angriffe auf Obdachlose in Hamburg gezählt wurden, so waren es 2020 ganze 206 Übergriffe auf Menschen ohne Zuhause.

Besonders erschreckend: Die Zahlen der gefährlichen und schweren Körperverletzungen haben im Laufe der Jahre mehr als verdoppelt. Während 2014 nur 20 Taten gezählt wurden, waren es 2020 ganze 51 brutale Angriffe.

Obdachlose in Hamburg werden immer häufiger Opfer von Gewalt.

Und es kommt sogar noch schlimmer. Die Zahlen zeigen, dass sich die vorsätzlichen Körperverletzungen von 2019 mit 41 Taten bis 2020 mit 96 Taten mehr als verdoppelt haben. Aber nicht nur das. In den vergangenen sechs Jahren wurde acht Obdachlosen das Leben genommen – mit Vorsatz. Außerdem wird vermutet, so berichtet es die Mopo, dass viele Angriffe noch gar nicht erfasst wurden, weil Obdachlose diese selten zur Anzeige bringen.

Obdachlose in Hamburg großer Gefahr ausgesetzt – „Ich will kein Mitleid. Ich will nur nicht angezündet werden“

Es sind Zahlen, die zeigen, dass es für Obdachlose auf den Straßen Hamburgs immer gefährlicher wird. Das weiß auch Siggi, der sich der Mopo in einem Interview geöffnet hat. Er ist überwiegend in den Stadtteilen St. Pauli, Altona und St. Georg unterwegs und kennt die Gefahren, die auf der Straße lauern. „Es gibt nichts, was dich ganz schützt. Du musst mit der Angst leben. Du kannst nur wachsam sein. Und beten“, sagt Siggi.

Dafür, dass die Angriffe, auf Obdachlose wie ihn, in Hamburg immer mehr werden, glaubt Siggi einen Grund zu kennen. „Für viele sind wir nichts wert, sogar Taubenscheiße ist wertvoller als unser Leben. Sie spucken auf uns, lachen uns aus“, erklärt er. Dabei wünscht sich der Obdachlose nicht einmal Mitleid von den Menschen. Schließlich will er einfach „nur nicht angezündet werden“.

Obdachlose in Hamburg immer wieder auf sich allein gestellt

Das schlimme ist, die Gefahr durch gewalttätige Angriffe anderer Menschen ist nicht die einzige Gefahr, der Obdachlose in Hamburg ausgesetzt sind. Es ist bereits Herbst, der Winter steht vor der Tür und damit beginnt für viele Obdachlose in der Stadt wieder die gefährlichste Zeit des Jahres. Anfang 2021 gab es immer wieder Berichte über Menschen ohne Obdach, die auf den Straßen erfroren sind.

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Deshalb und wegen der vielen anderen Gefahren gibt es zahlreiche gemeinnützige Organisationen in der Stadt, die sich um die Obdachlosen Hamburgs kümmern. Im vergangenen Jahr organisierte die Initiative Home for Homeless zahlreichen Obdachlosen einen warmen Schlafplatz über die Wintermonate. Wer sich für Obdachlose in der Stadt einsetzen will, der kann sich zum Beispiel bei Alimaus, strassenblues oder GoBanyo melden und so vielleicht Menschen wie Siggi wieder etwas mehr Sicherheit geben. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hanno Bode/imago

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