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Obdachlos auf St. Pauli: „Manchmal ist es einfach scheiße“

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Von: Elias Bartl

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Der sonst bei Nachtschwärmern beliebte Park Fiction auf St. Pauli gegenüber dem Dock 11 am Hafen ist menschenleer.
Der sonst bei Nachtschwärmern beliebte Park Fiction auf St. Pauli gegenüber dem Dock 11 am Hafen ist menschenleer. © Jonas Walzberg/DPA

Fast 19.000 Menschen in Hamburg sind wohnungslos. Bundesweit stellt Hamburg damit einen traurigen Rekord auf. Andreas berichtet, wie es ist, unter Palmen aus Plastik auf der Straße zu leben.

Hamburg – Tausende Touristen strömen an sonnigen Tagen an den Hafen. Einen besonders guten Blick auf das Wasser, die Werften und die Containerschiffe hat man vom Park Fiction. Der kleine Park mit Basketballplatz und den ikonischen Palmen aus Plastik ist aber nicht nur Schauplatz für Musikvideos und Touri-Fotos, sondern auch das Zuhause von Andreas (Name geändert). 

Das Leben auf der Straße: „Da fühlt man sich, als wäre man gar kein richtiger Mensch mehr“

Der 42-Jährige lebt seit mehreren Jahren auf der Straße – mal hier, mal da. Doch die meiste Zeit verbringt er auf St. Pauli, erzählt Andreas. „Besonders im Winter ist es hart, ohne ein Dach über dem Kopf. Wenn die Temperaturen auf unter 5 Grad sinken, wünscht man sich wirklich in eine warme Wohnung.“ Er habe schon viel auf der Straße erlebt, erzählt er.
„Die meisten Menschen sind nett, doch wenn sie nachts betrunken sind, passieren auch unschöne Dinge.“ Der 42-Jährige erzählt von Betrunkenen, die ihn mit lautem Gebrüll aus dem Schlaf gerissen hätten, oder direkt neben seinen Kopf an eine Hauswand gepinkelt haben. „Da fühlt man sich, als wäre man gar kein richtiger Mensch mehr“

Wenn man auf der Straße lebt, muss man tagsüber schauen, wie man an Geld und Essen kommt. „Ich sehe zu, dass ich morgens duschen kann und etwas Körperpflege betreiben kann. Da gibt es auf St. Pauli einige Angebote für Obdachlose.“ „Wann man stinkt und die Leute einem aus dem Weg gehen, ist es sehr schwierig etwas Kleingeld von den Passanten zu ergattern“, erzählt Andreas weiter. „Meistens halte ich es mit meinem Leben auf der Straße ganz gut aus, aber manchmal ist es einfach Scheiße“. Mit der Obdachlosigkeit kommen einige Probleme zusammen, die es wirklich schwer machen wieder eine Wohnung, oder einen Job zu finden. Es gäbe zwar Hilfsangebote, doch es sei schwer, diese wahrzunehmen, erklärt der 42-Jährige weiter.

„Doch wer stellt schon einen Obdachlosen ein“ – harte Jobsuche ohne Obdach

Er wünsche sich mehr Verständnis von der Politik, den Mitmenschen und auch von Behörden. „Es ist schon hart, auf der Straße zu leben. Wenn einem dann noch weitere Steine in den Weg gelegt werden, macht es das noch härter.“ Andreas Ziel sei es, im nächsten Jahr wieder eine eigene Wohnung zu beziehen und einen Job zu finden – am liebsten im Handwerk. „Doch wer stellt schon einen Obdachlosen ein“, sagt er seufzend und zieht von dannen.

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