Drohungen am Telefon

Hamburger Gastronom lässt nur Geimpfte rein – und bekommt Morddrohungen

Weil er nur noch Geimpfte in sein Lokal lässt, bekommt ein Hamburger Restaurant-Besitzer Morddrohungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Hamburg – Stephan Fehrenbach will eigentlich nur das Richtige und Vernünftige tun. Blöd nur, dass die Meinungen über das, was richtig und vernünftig ist, weit auseinander gehen. Der Gastronom lässt wegen der andauernden Corona-Pandemie nur noch Geimpfte in sein Lokal. Er will damit bei steigenden Inzidenzen für die Sicherheit seiner Gäste und Mitarbeiter sorgen, bekommt stattdessen aber viel Hass zu spüren. Sogar Morddrohungen am Telefon musste er bereits erfahren.

Vollständig Geimpfte in Hamburg (Stand 12. August 2021)1.009.822 (54,7 % der Gesamtbevölkerung)
Impfquote Hamburg (Einmal/Vollständig)65,9/55,6
Corona-Fälle in Hamburg81.132
Corona-Tote in Hamburg1.634
Corona-Fälle Deutschlandweit3,81 Mio.

Bereits seit Monaten betonen verschiedene Politiker immer wieder, dass die Impfung nicht nur gesundheitlich, sondern auch für das gesellschaftliche Leben Vorteile bringe. Ein Impfnachweis ist heutzutage beinahe gleichzusetzen mit einer Eintrittskarte für das öffentliche Leben, das sich in Kinos, Bars und Kultureinrichtungen abspielt. Der daraus entstehende Nachteil für Nicht-Geimpfte, die sich regelmäßig testen lassen müssen – bald auch kostenpflichtig, macht nun viele Menschen wütend.

Im Laundrette in Hamburg können seit kurzem nur noch Geimpfte oder Genesene essen gehen. Der Hamburger Gastronom Stephan Fehrenbach möchte einerseits die Sicherheit seiner Gäste gewährleisten, andererseits sich selbst den vielen Papierkram, der mit Testkontrollen einhergeht, ersparen.

„An der Spritze ersticken“ – Hamburger Gastronom Stephan Fehrenbach berichtet von Todesdrohungen

Das regt viele Menschen auf. Der Restaurantbesitzer verkündete seine Herangehensweise an die Wiedereröffnung der Gastronomie in einem Live-Interview mit RTL. Bereits kurz nach der Sendung bekam er die ersten Drohanrufe. „Es gibt doch gar kein Covid, du Idiot! Du bist doch fertig!“, wettert ein Verschwörungstheoretiker am Telefon. Auch Impfgegner melden sich hysterisch zu Wort, weil sie sich benachteiligt fühlen.

Der Besitzer der Laundrette bekommt Morddrohungen am Telefon, weil er nur noch Geimpfte bewirtet. (24hamburg.de-montage)

Fehrenbach berichtet: „Also kurz nachdem wir Off waren, kam der erste Anrufer und wollte gleich wissen, ob ich derjenige bin, der Mann mit dem Bart im Fernsehen. Der Nächste fing an, mich gleich zu beschimpfen und die dritte Person hat mir gewünscht, dass ich an der Spritze ersticken soll.“ Kein Wunder, dass Stephan Fehrenbach seine Türen für Impfgegner erst einmal geschlossen halten möchte.

Kein Einzelfall: Morddrohungen gegen Hausärzte und Schulpersonal

Der Gastronom ist übrigens nicht der Einzige, der sich mit solchen Drohungen befassen muss. Ein Hausarzt aus Wallenhorst in Niedersachsen steht aktuell unter Polizeischutz. Er legte einer Impfgegnerin nahe, sich einen anderen Hausarzt zu suchen, und bekam danach ebenfalls Drohungen* und Beschimpfungen zu hören. Die Polizei ermittelt in 40 Fällen von Beleidigungen, Bedrohung und Volksverhetzung.

Auch in Kiel gab es einen ähnlichen Vorfall. In einer Telegram-Chatgruppe mit 430 Leuten rief ein Nutzer unter einem Pseudonym zum Mord an der Schulleitung und den Lehrern der Grundschule in Altenholz auf. Er teilte sogar das Logo der Schule und schrieb: „Sie morden mit dem Maskenzwang und der Impfung.“ Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell gegen „Unbekannt“. * 24hamburg.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastion Peters/24hamburg.de & Arne Dedert/picture alliance/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare