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Nur eine Russen-Yacht beschlagnahmt – zwei weitere dürfen Hamburg verlassen

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Von: Sebastian Peters

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Solandge, Dilbar und Luna. Diese Russen-Yachten liegen im Hamburger Hafen, aber nur eine wird beschlagnahmt. Wer die Eigner sind und warum sie abhauen dürfen.

Hamburg – Die große Suche nach den eigentlichen Eigentümern der Luxus-Yachten der Oligarchen geht weiter. Am „Anfang“ der EU-Sanktionen wurde zuerst berichtet, dass alle drei Yachten der Russen Oligarchen in Hamburg beschlagnahmt wurden*. Dies war allerdings ein großer Irrtum. Die Eigner der in Hamburg* liegenden Oligarchen-Yachten lassen sich nämlich nicht so einfach ermitteln, wie zuerst angenommen.

Solandge, Dilbar, Luna: Russen-Yachten in Wert von insgesamt 1.140 Millionen Euro liegen im Hamburger Hafen

Russen-Yachten der Oligarchen in Hamburg

- Die Dilbar, eine 156 Meter lange und 24 Meter breite Yacht. Sie soll 500 Millionen Euro gekostet haben.

- Die Luna, eine 115 Meter lange und 22 Meter breite Yacht. Sie soll 400 Millionen Euro gekostet haben.

- Die Solandge, eine 85 Meter lange und 14 Meter breite Yacht. Sie soll 140 Millionen Euro gekostet haben.

Aktuell liegen im Hamburger Hafen* drei imposante Yachten von russischen Superreichen. Oder doch nicht? Erst kürzlich wird das Gerücht breit, dass der Eigner der Solandge gewechselt haben soll. Zuvor soll der Oligarchen Suleyman Abusaidovich Kerimov (56) Eigner der Russen-Yacht gewesen sein. Nun soll aber plötzlich der Eigner gewechselt haben. Der seit dem 15. März auf der Sanktionslisten stehende Oligarch soll seine Solandge an den Saudi-Prinzen Muqrin bin Abdulaziz verkauft haben*. Beleg dazu gibt es aber keine.

Die Bundesregierung hat nun gezielt eine „Task-Force“ ins Leben gerufen. Eine Gruppierung von mehreren Ministerien und Behörden, vom Wirtschafts- und Finanzministerium, die Finanzaufsicht, einschließlich das BKA, der ZOLL und der BND (Bundesnachrichtendienst). Diese „Task-Force“ soll jetzt Licht ins Dunkele bringen und die Reichtümer der Oligarchen in Deutschland aufdecken.

Die Dilbar in den Docks von Blohm+Voss
Liegt im Hamburger Hafen und kann nicht weg: Die Mega-Yacht Dilbar hier in den Docks von Blohm+Voss. Nun ist dem russischen Eigner wohl auch noch die Crew weggelaufen. © Thomas Frey/imago images

Inzwischen kann die Task-Force erste Erfolge vorzeigen. Die Dilbar, eine 156 Meter lange und rund 500 Millionen teure Mega-Yacht* liegt ab sofort an der Kette. Zuvor wurden Spekulationen um die Beschlagnahumg der Dilbar zerschlagen*. Jetzt steht es aber fest. Nach Recherchen von NDR, WDR, SZ und der Task-Force wurde nun klar, wem die 500 Millionen Yacht tatsächlich gehört. Gulbahor Ismailova, die Schwester des Oligarchen Alischer Usmanow. Die Fahnder stießen bei ihren Ermittlungen auf die Firma Navis Marine Ltd, die auf den Cayman Islands gemeldet sei, die Firma gehört wiederum zu einem Unternehmen mit Sitz in Zypern. Dies geht aus einem Bericht der Tageschau hervor.

Russen-Yacht: verschachteltes System von Briefkastenfirmen sorgt für Anonymität der eigentlichen Eigentümer

Insgesamt ein sehr verschachteltes System, was die Besitztümer der Superreichen verschleiern soll. Das BKW ist sich aber sicher: Als Eignerin der Dilbar ist seit 2017 die Schwester „Gulbahor Ismailova“ des Oligarchen Usmanov eingetragen. Anhand dieses Ermittlungserfolges informierte das BKA umgehend das Auswärtige Amt. Nun steht auch die Schwester des Oligarchen auf der Sanktionsliste. Somit darf die Dilbar den Hamburger Hafen vorerst nicht verlassen. Ob sie überhaupt hätte bewegt werden können, ist unklar. Die Crew der Dilbar hat bereits hingeschmissen* und ist abgehauen.

Aber wie sieht es mit den beiden übrigen Russen-Yachten „Solandge“ und „Luna“ aus? Bei den Megayachten (Gesamtwert von rund 540 Millionen Euro) steht die Task-Force auf dem Schlauch. Die wirklichen Besitzer der „Solandge“ verstecken sich bislang erfolgreich hinter diversen Briefkastenfirmen.

Die Solandge im Hamburger Hafen
Hier wird gerade der Kompass der Solandge eingestellt. Eine mögliche Vorbereitung zur Flucht aus Hamburg. © Sebastian Peters

Bei der „Luna“, die unter den Top 100 der weltgrößten Yachten steht, sind die Besitztümer klar. Eigner der 400 Millionen-Yacht ist der Geschäftsmann „Farkhad Akhmedow“. Ein aus Aserbaidschan stämmiger Mann, der als Politiker in Russland aktiv war. Farkhad Akhmedow war bei Verhandlungen zur Beilegung der Streitigkeiten zwischen Russland und der Türkei beteiligt. Der Außenminister der Türken Mevlüt Çavuşoğlu bezeichnet Farkhad Akhmedow als diplomatischen Mittelsmann, „der eng mit Putin zusammengearbeitet hat und Putin gut kennt“.

Die „Solandge“ und die „Luna“ dürften den Hamburger Hafen jederzeit verlassen

Die Luxus-Yacht „Luna“ hat, nach einem Bericht des Floatmagazins, einen Swimmingpool, neun Gästezimmer und 49 Besatzungsmitgliedern. Anfänglich wurde die Yacht in der Lloyd-Werft in Bremerhaven 2010 für Abramowitsch gebaut. Dieser verkaufte die Yacht aber später an Farkhad Akhmedow.

Yacht Luna, die den Milliardär Farchad Achmedow gehören soll
Das ist die Luxus-Yacht „Luna“ © HannoBodo/imago

Bislang steht der Eigner der Luna „Farkhad Akhmedow“ auf keiner Sanktionsliste. Somit dürfte die „Luna“ den Hamburger Hafen ohne weitere Komplikationen verlassen. Auch die „Solandge“ könnte den Hafen in Hamburg einfach so verlassen*. Der mutmaßliche „Eigner“ steht zwar auf der EU-Sanktionsliste, allerdings kann man ihn die Solandge nicht zweifelsfrei als Eigentum anrechnen.

Bekannt ist, dass die Mega-Yacht „Solandge“ wohl in der nächsten Woche die Werft Blohm + Voss verlassen wird*. Dies hat die Lürssen-Werft in den letzten Tagen gegenüber der Tagesschau bekannt gegeben. Die Frage nach dem eigentlichen Eigner bleibt bislang unbeantwortet. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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