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Notfalldienst in Hamburg: Ärzte drohen mit Praxis-Schließungen

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Von: Christian Einfeldt

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Steigende Energiekosten bei mangelnder Vergütung: Weil zeitgleich auch Patientenzahlen steigen, drohen Hamburgs Notfalldienste, ihre Arbeit niederzulegen.

Hamburg – Dieser Tage ist das deutsche Gesundheitswesen vor viele Herausforderungen gestellt. Ob es der bundesweite ärztliche Fachkräftemangel ist oder eine Patientenversorgung, die in Teilen Hamburgs von Ärzten bereits als „gefährdet“ beschrieben wird. Zum Problem aller bedarf es schnellstmöglicher Lösungen. Auch hinsichtlich einer neuen möglichen Konsequenz, die Hamburg aktuell beschäftigt.

Steigende Kosten bei mangelnder Vergütung: Hamburgs Ärzte fordern mehr Geld und ziehen alternativ gar die Schließung von Notfallpraxen in Betracht.

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Wegen gekippter Neupatientenregel: Hamburgs Ärzte drohen mit Schließung von Praxen

Zuletzt hatte medizinisches Personal Hamburg noch ein Notfallangebot gemacht, das über die Feiertage ausgeweitet wurde. Es war eine Entscheidung, die aufgrund der vielen überfüllten Notaufnahmen getroffen worden war. Lieferengpässe bei Medikamenten und die erhöhte Gefahr von Ansteckungen in Notfallpraxen: Die vergangenen Wochen und Monate hinterließen bei Hamburgs Ärzten nicht nur aufgrund der spürbaren Auswirkungen der Energiekrise und Inflation Spuren. Nach Berichten des Hamburger Abendblatts fordert die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ein Umdenken in Sachen Bezahlung ärztlicher Leistungen und adressiert ihren Unmut direkt an Karl Lauterbach (Bundesminister für Gesundheit, SPD).

Ausgangspunkt sind die Pläne von Lauterbach, die zum Jahreswechsel unter anderem die Abschaffung der Neupatientenregel zur Folge hatten. Demnach erhalten Ärzte bei Aufnahme eines neuen Patienten fortan keine extra Vergütung mehr. Eine der Sparmaßnahmen des Gesundheitssystems, die innerhalb dessen jedoch Unruhe stiftet. Ärzte in Hamburg drohen nicht zuletzt angesichts steigender Energiekosten mit drastischen Maßnahmen, die den telefonischen Patientenservice 116 117 und auch den Alltag in Notfallpraxen betreffen könnten.

Rettungswagen der Feuerwehr.
Ärzte in Hamburg drohen mit der Schließung von Notfallpraxen. (Symbolbild) © Future Image/Imago

Weniger Geld bei steigenden Kosten: Kompensation mit Schließung von Hamburgs Notfallpraxen

Nach Angaben des Abendblatts muss die Stadt Hamburg für Einsätze des Notfalldienstes jährlich einen Betrag von 20 Millionen Euro entrichten. Die Krankenkassen übernehmen etwa ein Drittel, und Ärzte zwei Drittel der Kosten. Während Energiepreise steigen wie die Anzahl der Patienten: Ausgerechnet, dann steht ihnen auch noch weniger Geld zur Verfügung. In einem seitens des Abendblatts zitierten Antrags von Dr. Torsten Hemker fordert die Hamburger Ärztebelegschaft eine höhere Vergütung.

Zudem ist die Rede von der geforderten Vorlegung konkreter Pläne, wie zukünftige Notdienstkosten eingespart werden könnten. Damit sollen unter anderem Verwaltungskosten gedeckt werden, die zuletzt einen Anteil von 0,95 Prozent ausgemacht hatten – eine prozentuale Erhöhung von 0,30 Prozent, die nach Abendblatt-Informationen die Entrichtung von Millionensummen zur Folge gehabt hätte.

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Dr. Torsten Hemke bringt dahingehend nun die Schließung von Notfallpraxen ins Gespräch, um finanzielle Defizite sukzessive kompensieren zu können. Alternativ fordert er eine „Kostenerstattung durch Krankenkasse oder Bund oder Länder“. Ohne Einigung könnte eine Zukunft bevorstehen, in der Hamburgs Notdienste zumindest nur noch eingeschränkt im Einsatz sind. Eines ist sicher: Hamburg und die Krankenkassen brauchen jetzt „tragfähige Lösungen“ – das bestätigt auch John Afful, Hamburgs Chef der Kassenärztliche Vereinigung, dem Abendblatt.

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