Nagetier-Problem in Schleswig-Holstein

Norderstedter Rattenbefall: Enormer Kostenaufwand für Stadt und Einwohner

Eine Ratte vor dem Ortsschild von Norderstedt
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Was treibt die Ratten nach Norderstedt?
  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Die Stadt Norderstedt hat ein Rattenproblem. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, melden sich vermehrt Bürger im Rathaus und berichten von Sichtungen der Tiere. Zwar geht niemand von einer Rattenplage aus, ein erhöhtes Aufkommen der Nagetiere ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Es bleibt die Frage, wie mit dieser Situation umzugehen ist.

  • Erhöhtes Rattenaufkommen in Norderstedt.
  • Professionelle Schädlingsbekämpfer empfohlen.
  • Teure Bekämpfungsmaßnahmen.

Norderstedt - Die 80.000 Einwohner-Stadt Norderstedt sieht sich, genau wie die Hansestadt Hamburg, mit einem Rattenproblem konfrontiert. „Wir gehen [...] von einem erhöhten Rattenaufkommen aus - das ist sicherlich auch jahreszeitlich bedingt“, erklärt Daniela Tanger vom Ordnungsamt der Stadt. Zwar werde die Situation nicht verharmlost, von einer Plage oder dergleichen möchte aber niemand im Rathaus sprechen. „Aber wir nehmen das Thema sehr ernst. Und wir sind froh, wenn uns die Bürger mit ihren Meldungen dabei helfen, die Population der Schädlinge im Stadtgebiet möglichst gering zu halten“.

Schleswig-Holsteiner Rattenbefall: Giftköder als probates Mittel?

Sollten vermehrt Ratten im Stadtgebiet oder gar im eigenen Vorgarten gesichtet werden, empfiehlt es sich, umgehend dem Fachbereich Allgemeine Ordnungsaufgaben im Rathaus Bescheid zu geben. Denn die Stadt in Schleswig-Holstein kann als zuständige Behörde bei einem Rattenbefall prüfen, was konkret zu tun ist.

Beispielsweise gibt es die Norderstedter Überlegung, Giftköder für die Nagetiere in der Kanalisation auszulegen oder spezielle Rattenkontrollen in Grünanlagen, von Gewässern, Bachläufen oder auf Grünstreifen neben der Straße anzuordnen. Dementsprechend ist es „[...] für uns wichtig, einen möglichst genauen Überblick des Rattenaufkommens im Stadtgebiet zu erlangen“, sagt Tanger.

Indizien, dass sich Ratten auf dem eigenen Grundstück angesiedelt haben, sind unter anderem Ratenkot und Rattenlöcher, die einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern haben können. Wird ein Rattenbefall festgestellt, muss schleunigst reagiert werden. Denn die Nagetiere vermehren sich schnell. Innerhalb eines Jahres können aus einem Ratenpaar tausend Tiere heranwachsen. Durch ihren Urin und Kot übertragen die Nagetiere Krankheiten auf den Menschen.

Nicht zuletzt deswegen sagt Tanger: „Grundsätzlich ist jeder Grundstückseigentümer verpflichtet, sein Grundstück von Schädlingen wie Ratten frei zu halten“. Maßnahmen gegen das Auftreten, die Vermehrung und Verbreitung sowie zur Vernichtung solch tierischer Schädlinge finden sich im Infektionsschutzgesetz. Empfohlen wird die Kontaktaufnahme mit professionellen Schädlingsbekämpfern

Hierzu zählt das Clean Team aus Norderstedt, dessen Geschäftsführer Thorsten Heuer in der aktuellen Nagetier-Problematik keine besondere Situation sieht. „Es gibt nicht mehr oder weniger Ratten als in jedem Jahr. Die Leute gehen jetzt im Frühjahr nur wieder vermehrt vor die Türe. Und weil es noch keine Blätter an Bäumen und Büschen gibt, sind die Ratten besser zu sehen", ordnet Heuer ein.

Genervt zeigt sich der Clean Team-Chef hingegen vom widersprüchlichen Verhalten vieler Menschen. Obwohl niemand Ratten in seiner Umgebung haben möchte, werden die Nagetiere von vielen regelrecht durchgefüttert. „Wenn die Leute doch endlich mal aufhören würden, im Baumarkt kiloweise Vogelfutter zu kaufen und im Garten zu verteilen“, sagt Heuer. Denn dieses wird zu „80 Prozent [...] von Ratten und anderen Nagern gefressen - und nicht von Vögeln“.

Empfehlungen von Naturschutzverbänden, Vögel zu füttern, da sie bedingt durch den Klimawandel verfrüht brüten und deswegen zu wenig Futter für den Nachwuchs finden, kann Heuer nicht verstehen. "Wer sich bei Ornithologen informiert, der erfährt, dass die Tiere ausreichend Futter finden und dass die Fütterung durch den Menschen nichts bringt".

Das große Problem für Grundstückbesitzer wie z.B. in Norderstedt, die sich mit einem Rattenbefall konfrontiert sehen, bleibt der Kostenfaktor. Bereits seit 2013 sind die sogenannten „Risikominimierungsmaßnahmen“ (RMM) in Kraft. Seitdem dürfen Ratten nicht mehr durch das weitflächige und dauerhafte Auslegen von Giftködern, sondern nur noch mit Giftköderbelegung in engen Zeitfenstern bekämpft werden. Dies erfordert jedoch die permante Kontrolle der Fallen sowie Kennzeichnung und Dokumentierung.

Seither sind die Preise für professionelle Schädlingsbekämpfer wie das Clean Team aus Norderstedt enorm angestiegen. Investierten Mittelstädte früher 30.000 Euro in die Rattenbekämpfung, sind heutzutage schnell 80.000 Euro oder mehr fällig. Auch Grundstücke von Firmen oder Privatleute müssen für eine ganzjährige Rattenbekämpfung bereits mehrere Tausend Euro bezahlen.

Die Stadt in Schleswig-Holstein unterstützt Bürger zwar mit Hilfsmaßnahmen bei der „Säuberung" des eigenen Grundstücks, jedoch nur, wenn vorherige Maßnahmen erfolglos blieben und der Rattenbefall nicht selbst verschuldet ist. Zur Eigenverschuldung zählen Müllablagerung, Tierhaltung, die unsachgemäße Lagerung von Futtermitteln und das Füttern von Wildtieren.

Auch die falsche Kompostierung im Garten kann ein erhöhtes Rattenaufkommen zur Folge haben. „Nichts, was die Küche auch nur berührt hat, sollte im Kompost landen. Nur Rasenschnitt oder andere Grunabfälle aus dem Garten", gibt Thorsten Heuer Tipps, wie ein Rattenbefall des eigenen Grundstücks zu vermeiden ist.

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