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Nix mit Energiesparen: Hamburgs neuer Supercomputer frisst Strom für 5 Millionen Euro

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Von: Jan Knötzsch

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Ein Mitarbeiter des Deutschen Klimarechenzentrums arbeitet am neu eingeweihten Supercomputer „Levante“
Ein Mitarbeiter des Deutschen Klimarechenzentrums arbeitet am neu eingeweihten Supercomputer „Levante“, der einzig und allein für die Klimaforschung genutzt wird. © Axel Heimken/dpa

Hamburg hat einen neuen Supercomputer. Er soll bei der Klimaforschung helfen. Grünen-Politikerin Katharina Fegebank lobt ihn. Obwohl er Energie ohne Ende braucht.

Hamburg – „Levante“ ist ein cooles Teil – wenn man es mal in der Sprache der jüngeren Generation ausdrücken will. „Levante“ kann richtig was: 14 Billiarden mathematische Operationen pro Sekunde, um genau zu sein. Hätte vermutlich auch in der Hansestadt Hamburg so manchen Mathelehrer beeindruckt, wenn man das als Schüler auf irgendeiner Schule so hingelegt hätte – und auch die Aufmerksamkeit von Schulsenator Ties Rabe (SPD) wäre einem wohl sicher gewesen. Aber „Levante“, der mit seinem Namen stark an das Levantehaus in der Innenstadt erinnert, ist kein Schüler. Nichtmal einer aus einem lateinamerikanischen Land oder aus Spanien, wie der Name vermuten ließe.

„Levante“ ist vielmehr ein neuer Supercomputer, der seine Heimat in Hamburg hat. Im Klimarechenzentrum Hamburg. Dort soll „Levante“ mit 132.000 Terabyte Festplattenkapazität für die Klimaforschung eingesetzt werden. Nur: In Zeiten der Energiekrise, in der Deutschland unter den steigenden Preisen und unter der Angst vor einem Blackout in Sachen Stromversorgung ächzt und leidet, hat „Levante“ ein elementares Problem, das einen hellhörig werden lässt.

Dienstleistungseinrichtung:Deutsches Klimarechenzentrum
Adresse:Bundesstraße 45a, 20146 Hamburg
Geschäftsführer:Prof. Dr. Thomas Ludwig

Klimaforschung contra Energiekrise: Supercomputer „Levante“ hilft der Forschung - Energieaufwand ist enorm

Doch dazu später mehr. „Klimaforschung in Deutschland findet in Hamburg statt. Wir sind die Klimaforschungshauptstadt“, hat Katharina Fegebank, ihres Zeichens Stellvertreterin von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), laut t-online.de anlässlich der offiziellen Einweihung von „Levante“ gesagt und war offenbar kurz bevor es auch in Hamburg die globale Demo von „Fridays for Future“ für den Klimaschutz geben sollte, die mit Straßensperrungen auf ihrer Route für Staus sorgte, total euphorisiert von „Levante“, der schon seit dem 3. März 2022 in der ersten Ausbaustufe am Deutschen Klimarechenzentrum eingesetzt wird.

Eine Euphorie, die man angesichts dessen, was „Levante“ kann und der Bedeutung von Klimaforschung für eine Partei wie die Grünen um Katharina Fegebank hat, nachvollziehen kann. Denn „Levante“ vervierfacht die Rechenleistung im Hamburger Forschungszentrum. „Jeder Zuwachs an Rechenleistung ermöglicht noch tiefere beziehungsweise detaillierte Einblicke in das Klimasystem“, heißt es in einer Mitteilung anlässlich der offiziellen Einweihung. Damit könne man nun Simulationen mit noch höher aufgelösten globalen Klima- und Erdsystemmodellen als bisher durchzuführen.

Energiekrise: Hamburg spart mit 25-Punkte-Plan Energie - aber „Levante“ braucht Strom ohne Ende

Das wiederum lässt nicht nur das Herz von Katharina Fegebank in Zeiten von Klimakrise und Energiekrise höher schlagen. Nein, auch die Klimaexperten und -forscher jubilieren angesichts von „Levante“. „Mit jeder Rechner-Generation schauen wir mit einer größeren Brille“, sagt zum Beispiel Michael Böttinger, Geophysiker am Deutschen Klimarechenzentrum laut NDR. Und Martin Stratmann, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, bezeichnet „Levante“ gar als „digitalen Zwilling der Erde“, mit dem es noch besser möglich sei, Wetter und Klima besser zu verstehen. Nicht nur für Hamburg, wo immer wieder Horrorszenarien von weitreichenden Überschwemmungen wegen des Klimawandels gezeichnet werden, sicher hilfreich. Auch für die Klimapolitik, wie Otmar Wiestler, der Chef der Helmholz-Gemeinschaft, dem NDR sagte.

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So weit, so gut, so schön. Wenn, ja wenn da nicht dieser eine Haken bei „Levante“ wäre. Stichwort Energiekrise und sparen. Hamburg ruft allerorten zum Energiesparen auf. Der Alsterfontäne ging es an den Kragen, um Energie zu sparen. Die Elbphilharmonie soll dunkel werden – wegen der Energiekrise und um Energie zu sparen. Aus genau dem Grund, Energie zu sparen, hat Hamburg sogar einen 25-Punkte-Plan, wann und wo es kalt und dunkel werden soll. Eine Ausnahme? Hamburgs Supercomputer „Levante“. Denn: Wo andere Energie sparen sollen und müssen, frisst und frisst „Levante“ Strom. Und das nicht zu knapp.

Neuer Supercomputer für Senatorin Katharina Fegebank ein „Gamechanger“ - aber ist er auch ein Irrsinn in der Energiekrise?

Denn die Zwei-Megawatt-Anlage wird laut Thomas Ludwig, dem Geschäftsführer des Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ) im nächsten Jahr „unter günstigen Voraussetzungen“ Stromkosten von fünf Millionen Euro verursachen. Damit übertrifft der Supercomputer das Vorgängersystem „Mistral“ an Energieeffizienz. Die Abwärme werde jetzt zum Heizen von Labors und benachbarten Gebäuden der Universität genutzt. In fünf Jahren werde wieder ein neuer Rechner erforderlich sein. Die alte Anlage müsse jetzt als Elektroschrott entsorgt werden, so Ludwig.

Für Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, so t-online.de, ist „Levante“ aufgrund seines Verständnisses in der Klimaforschung so etwas wie „ein echter Gamechanger“. In Sachen Energiesparen hingegen ist der Supercomputer wohl eher nicht als der große Wurf zu bezeichnen. Und wenn, dann eher im negativen Sinne. Dass sie selbst Energie sparen sollen, dass Hamburg extra einen 25-Punkte-Plan zum Sparen in der Energiekrise initiiert, aber „Levante“ fünf Millionen Euro Stromkosten verursacht – das muss man den Hamburgern auch erstmal erklären ...

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