Pandemie

Niedriger Inzidenzwert: Kippt die Maskenpflicht in Hamburg?

  • Jens Kiffmeier
    vonJens Kiffmeier
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Der Inzidenzwert in Hamburg befindet sich im Sinkflug. Lockerungen werden vom Senat gestattet. Nur die Maskenpflicht bleibt bestehen. Ist sie bald Geschichte?

Hamburg – Inzidenzwert runter, Mund-Nasen-Schutz runter? Angesichts stark sinkender Corona-Zahlen ist in der Hansestadt Hamburg eine Debatte um die Maskenpflicht entbrannt. So will die CDU in der Hamburger Bürgerschaft teilweise an den bestehenden Pandemie-Regeln rütteln. Bei einer stabilen Inzidenz unter 20 sei es „an der Zeit, die generelle Maskenpflicht an den Schulen zu hinterfragen“, teilte die Bildungsexperten der Union, Birgit Stöver, mit. Zumindest an den Grundschulen sollte die Vorschrift „schnell und unbürokratisch“ aufgehoben werden. Während einige Bundesländer diesen Schritt bereits gehen, zeigte sich der Hamburger Senat zuletzt noch zurückhaltend.

Hamburg:58 neue Corona-Fälle (Donnerstag, 10. Juni 2021)
Niedersachsen:201 neue Corona-Fälle (Mittwoch, 9. Juni 2021)
Schleswig-Holstein:65 neue Corona-Fälle (Mittwoch, 9. Juni 2021)
Mecklenburg-Vorpommern:7 neue Corona-Fälle (Mittwoch, 9. Juni 2021)

Seit Wochen befindet sich in Hamburg der Inzidenzwert auf Talfahrt. Auch am Donnerstag nahm die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen weiter ab. So kamen 58 Corona-Neuinfektionen hinzu, wie die Gesundheitsbehörde am Mittag mitteilte. Aber das waren drei Fälle weniger als Vortag und 20 weniger als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag damit nur noch bei 17,4. Erst am Dienstag war der Wert erstmals seit Mitte September unter die 20er-Marke gefallen.

Inzidenzwert Hamburg: Corona-Zahlen sinken – CDU fordert Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen

Zuletzt hatte sich Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sehr optimistisch über das Infektionsgeschehen in der Stadt gezeigt und weitreichende Lockerungen des Lockdowns bekannt gegeben. Bei der Frage nach einer Aufweichung der Maskenpflicht war er am Dienstag aber noch ausgewichen. So wollte er sich bei der Landespressekonferenz nicht auf einen bestimmten Wert festlegen lassen.

Trotz sinkender Inzidenzwerte hält er noch an der Maskenpflicht fest: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). (24hamburg.de-Montage)

Es sei verständlich, dass angesichts der positiven Zahlen derartige Überlegungen aufkommen würden, sagte Tschentscher. Aber noch sei die Pandemie nicht besiegt und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung weiterhin eine wirksame Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus, sagte der Rathauschef. Nach mehreren Öffnungsschritten gebe es „nicht mehr viel“, was in Hamburg nach dem Knallhart-Lockdown noch nicht gelockert worden sei. Aber eine grundlegende Vorsicht, auch mit Blick auf die Ausbreitung der hochaggressiven Delta-Virusvariante, müsse man weiterhin walten lassen. Sollte heißen: Lieber nicht an der Maskenpflicht rütteln.

Nicht nur Dänemark*, auch andere Bundesländer in Deutschland sind hingegen in dieser Hinsicht bereits etwas forscher. In Niedersachsen, Thüringen oder Sachsen hat man bereits Lockerungen des Maskengebots an Schulen beschlossen. Liegt die Inzidenz stabil unter 35 sollen Grundschüler, teilweise auch Schüler an weiterführenden Schulen, den Mund-Nasen-Schutz im Unterricht abnehmen dürfen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gilt eine Maskenpflicht nur noch auf den Fluren. Und auch Bayern will in Hinsicht auf die Corona-Masken bald nachziehen*.

Niedrige Inzidenz: In anderen Bundesländern muss keine Maske im Unterricht getragen werden

„Ich persönlich möchte, dass wir jetzt bald eine inzidenzabhängige Lockerung der Maskenpflicht umsetzen“, kündigte der bayerische Kultusminister Michael Piazolo an. Zwar hatten Kinder- und Jugendärzte vor wenigen Monaten das Tragen einer Corona-Maske als einen zentralen Baustein im Hygienekonzept empfohlen, mit dem die Rückkehr in einen Schul-Regelbetrieb überhaupt erst möglich gemacht worden war. Doch mittlerweile gibt es auch hier ein Umdenken.

Insbesondere bei jüngeren Schülern sei die Mimik bei dem Erlernen von Sprache enorm wichtig, gestand der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Baden-Württemberg, Till Reckert, in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Vor diesem Hintergrund gelte es zu überprüfen, ob die Nebenwirkungen die Wirkungen der Maske als Corona-Schutz irgendwann bei der Sprachentwicklung überschreite.

Grundsätzlich sind aber viele Kultusminister in den Ländern in dieser Frage noch zerrissen. Mit Brandenburg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein hält ein Großteil weiterhin an den bestehenden Regelungen fest. Hamburg befindet sich also in guter Gesellschaft. Zuletzt hatte die Hansestadt lediglich die Maskenpflicht auf Spielplätzen und beim Joggen gekippt. Alle anderen Regelungen, etwa beim Einkaufen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Büro bleiben zunächst bestehen. * 24hamburg.de, kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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