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„Nicht mehr zu ertragen“: Obdachlosen- und Drogenelend am Hauptbahnhof steigt 

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Von: Bona Hyun

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Die Zahl der Wohnungslosen und Drogenabhängigen in Hamburg nimmt zu. Besonders die Lage am Hauptbahnhof und vor dem Drob Inn verschärft sich.

Hamburg – Drogenabhängigkeit, Gewalt und Unsicherheit: Am Hamburger Hauptbahnhof ist das schon Alltag. Die Zahl der Obdachlosigkeit in Hamburg wächst und mit ihr die Verelendung der wohnungslosen Menschen. Vor allem in und um den Hamburger Bahnhof mitten in der Innenstadt Hamburgs und vor dem Drob Inn, einer Anlaufstelle mit Drogenkonsumräumen, hat sich die Situation verschärft. Bürger fürchten um ihre Sicherheit, da es unter obdachlosen Menschen öfter zu Gewalttaten und Diebstählen kommt.

Forderungen nach Lösungen werden lauter. Vor allem eine stärkere Präsenz der Polizei wird verlangt.

Anlaufstelle für abhängige Menschen:Drob Inn
Adresse:Besenbinderhof 71, 20097 Hamburg
Telefon:040 3999930

Anzahl der Obdachlosen in Hamburg gestiegen: „Es ist nicht mehr zu ertragen“

30 bis 40 Obdachlose sieht Markus Schreiber auf Straßen schlafen, wenn er nachts am Hansaplatz in der Hansestadt Hamburg entlangläuft. Das seien deutlich mehr als früher, sagte der SPD Bürgerschaftsabgeordnete und Vorsitzende des Bürgervereins St. Georg dem Abendblatt. Auch den vielen Helfern vor Ort fällt die hohe Zahl der obdachlosen Menschen auf. „Es ist nicht mehr zu ertragen“, sagten die Helfer dem Abendblatt. Immer häufiger käme es innerhalb der Randgruppen zu Diebstählen und Gewalttaten. Die Polizei Hamburg registriert mehr Notrufe und Beschwerden.

Ein Obdachloser liegt unter einer Brücke am Hamburger Dammtor. Vor ihm steht ein Kasten mit einem Zettel
Die Zahl der Obdachlosen und Drogenabhängigen in Hamburg steigt. Am Hauptbahnhof und vor dem Drob Inn häufen sich Gewaltfälle. (Symbolbild) © BODE/imago

Verantwortliche des Straßenmagazins „Hinz&Kunzt“ sprechen von zunehmender Verelendung. Denn es wird immer schwieriger, die wohnungslose Menschen zu versorgen oder in das Hilfesystem zu vermitteln, sagte Johan Graßhoff, Straßensozialarbeiter bei der Diakonie, dem Abendblatt. Trotzdem wächst die Zahl der Obdachlosen stetig. Laut Geschäftsführer Jörn Sturm lebten 2018 rund 2000 Menschen auf den Straßen. Heute sind es mit 19.000 Betroffenen deutlich mehr – ein trauriger Rekord in Hamburg. Alleine 2700 Menschen registrierten sich für das letzte Winternotprogramm, das auch dieses Jahr mit 800 Plätzen öffnen wird.

Wohnungslose in Hamburg greifen laut Beratungsstelle Drob Inn zu stärkeren Drogen

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Besonders die Lage vor der Beratungsstelle Drob Inn nähe des Hauptbahnhofs verschärft sich. Immer mehr Drogensüchtige sind zugleich obdachlos und leben auf der Straße. In den vergangenen Jahren habe man eine „erhebliche Zunahme von obdachlosen Menschen“ verzeichnet, sagte Christine Tügel vom Vorstand des Betreibers Jugendhilfe e.V. dem Abendblatt. Die Drogensucht sei zwar nicht angestiegen, aber mehr Wohnungslose greifen zu stärkeren Drogen wie Kokain, Heroin oder Crack in Pulverform. Laut Ralf Neubauer, Bezirksleiter von Hamburg-Mitte, stand der Bau eines neuen Konsumraums in Hamburg zur Diskussion. Allerdings sei das Vorhaben schwer umsetzbar in der Praxis.

Polizei Hamburg mehr gefordert: Menschen fühlen sich am Hauptbahnhof zunehmend unwohl

Die Menschen in Hamburg fühlen sich durch den Anstieg der Drogenabhängigen zunehmend unwohl. SPD-Politiker Schreiber warnte vor Folgen, wenn „Drogenkranke und Alkoholiker“ in der Stadt Hamburg präsenter werden. Die Polizei sei gefordert, vor dem Drob Inn vor Ort zu sein, um den Menschen das Unsicherheitsgefühl zu nehmen.

Gastronomiearbeiter, wie Mehmet Simsit Gastronom des Hansa-Treffs am Hansaplatz, weiß, wie sich die Menschen fühlen. Viele Passanten hätten Angst, den Hansaplatz überhaupt zu überqueren, sagte er dem Abendblatt. Die Situation habe sich verschlechtert und erfordere stärkere Präsenz der Polizei.

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„Reichen zur Kasse“: Demonstration gegen Armutsproblem in Hamburg

Das Armutsproblem und die wachsende Obdachlosigkeit trieb viele Hamburger am Samstag, 29. Oktober 2022, in Hamburg auf die Straßen. Unter dem Motto „Solidarisch aus der Krise – bezahlbares Leben für alle statt Profite für wenige“ zogen Demonstrierenden vom Berliner Tor zum Rathausmarkt, berichtet der NDR. An der Demonstration beteiligten sich mehr als 1.600 Menschen, die dem Aufruf für soziale Gerechtigkeit folgten.

Beteiligt waren nach Angaben der Veranstaltenden unter anderem die Initiative #IchBinArmutsbetroffen, die Bündnisse „Wer hat der gibt“, „Ende Gelände“ und Fachbereiche der Gewerkschaften ver.di und IG Metall.

Im Protest gegen die Preisexplosion und gegen Armut kritisierten sie die nach ihrer Meinung nach unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung. „Die Reichen müssen zur Kasse gebeten werden“, sagte Lars Stubbe von ver.di im Gespräch mit NDR 90,3. Auch im Museum für Kunst und Gewerbe ist Armut in Hamburg ein Thema: Eine Ausstellung zeigt, wie Wohnungslosen geholfen werden kann.

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